Turbulent-romantische Liebesromane – Autorin Doris R. Thomas im Interview
Written by Carlotta Aupke, Anika Hagen on 18. Februar 2026
„Du hattest noch nie einen One-Night-Stand in Irland?“ Mit Sätzen wie diesem, glitzernden Filtern und schwindelerregenden Übergängen wird die Autorin von turbulent-romantischen Liebesromanen in den Social Media Feed von zehntausenden Nutzer*innen gespült. Unsere Redakteurinnen Anika Hagen und Carlotta Aupke haben mit Doris R. Thomas darüber gesprochen, wie die Catchphrases für ihre viralen Tiktoks entstehen, wie sie ihre Gen Z Fans damit abholt und welche Nische sie bald auf dem Buchmarkt füllen wird.
Was Doris R. Thomas und der Thriller-Autor Sebastian Fitzek gemeinsam haben, besprechen Carlotta und Anika ausführlich in der vierten Folge ihres Podcasts Skandalkitsch. Die Folge und das ganze Interview zum Anhören findet ihr auf Spotify:
Carlotta: Wir sitzen hier gerade mit Doris R. Thomas. Hallo Doris.
Doris R. Thomas: Hallo.
Carlotta: Wir sind schon ganz gespannt, was du uns heute zu deinen turbulent-romantischen Liebesromanen erzählen kannst und kommen auch direkt zur ersten Frage. Uns ist natürlich aufgefallen, dass du innerhalb der letzten zwei Jahre fünf Romane veröffentlicht hast. Da haben wir uns gefragt: Woher nimmst du deine kreativen Impulse und wie schaffst du es überhaupt, in so kurzer Zeit so viel zu schreiben?

Doris R. Thomas: Also die fünf Romane in den letzten Jahren waren natürlich eine mega große Zahl. Ich habe diese Romane aber nicht innerhalb von zwei Jahren geschrieben, sondern ich habe mit dem ersten Roman schon ungefähr vor zehn Jahren angefangen und habe dann eine Agentur und einen Verlag gesucht und das hat alles Monate, Jahre gedauert und in der Zeit habe ich wieder geschrieben. Das heißt, bevor das erste Buch veröffentlicht wurde, waren eigentlich zwei schon so gut wie fertig. Deswegen habe ich jetzt nicht in dieser kurzen Zeit fünf Romane rausgehauen. Auf den Markt schon, aber nicht geschrieben. Und als ich den zweiten Roman geschrieben habe, der quasi mein erster wurde – das war „Verliebt in Greenkenny“, da hatte ich ein eigenes Erlebnis. Ich hatte plötzlich ganz viel Zeit und ich habe einfach in den Computer gehämmert, egal wann, egal wo. Und dann hat mir Momondo damals ausgeworfen: „Irland in zwei Tagen, Flug 80 Euro hin und zurück“. Und dann habe ich mir gedacht, cool, mache ich. Und das war die Inspiration zu meinem Roman „Verliebt in Greenkenny“, denn ich bin dann, wie Simone aus dem Roman, Hals über Kopf nach Irland gereist, bin in der berühmt-berüchtigten Temple Bar gelandet, habe Leute aus aller Welt kennengelernt und Simone hat in meinem Roman Tyler, den Sänger, kennengelernt. Sie hatte einen One-Night-Stand mit ihm, den ich nicht hatte, muss ich ja dazu sagen, weil ich immer gefragt werde. Und wo sich unsere Geschichten aber dann noch überschneiden, ist, dass es Schneechaos in Irland gab und wir beide nicht zurückreisen konnten. Schneechaos in Irland bedeutet so viel wie bei uns Pulverschnee, wo wir mit den Autos natürlich auf der Straße sind, aber da fuhren keine Busse mehr, es waren alle Geschäfte zu, aber die Temple Bar hatte offen. Und ich musste zwei weitere Tage in Irland bleiben und es war sehr genial. Und Simone ist dann bei Tyler auf der Greenkenny Horse Farm gelandet. Und ich habe gedacht, das ist so eine krasse Geschichte: Wann passiert es einem im Leben schon mal, dass man Hals über Kopf wohin reist und dass man dann auch noch nicht zurückreisen kann. Und das hat mir die Inspiration für meine erste Geschichte gegeben. Und so gehe ich mit offenen Augen durchs Leben und lasse mich inspirieren, was mir so im Alltag passiert.
Carlotta: Ja, dann ergibt es sehr viel Sinn, dass du sehr aufmerksam durch die Gegend läufst und immer die Ideen auffängst. Genauso kreativ bist du ja auch auf Instagram und auf TikTok mit deinen Videos, deinen Catchphrases, die da besonders herausstechen, und den ausgefallenen Filtern. Wie entstehen denn da deine Ideen? Kommt da auch viel von dir aus?
Doris R. Thomas: Da kommt viel von mir aus. Ich bin ja Laienschauspielerin, also ich habe jahrelang auf der Bühne gestanden und mir fällt es eigentlich relativ leicht, so eine Rolle auch zu spielen, wobei eigentlich ist es gar keine Rolle, weil ich bin schon ich, wenn ich da rumschreie oder so. Vielleicht ein bisschen übertrieben. Das hat sich irgendwie gesteigert von einem ersten Video, wo ich gesagt habe: „Hallo, ich bin Doris R. Thomas und ich schreibe turbulent-romantische Lieblingsromane“, dass ich irgendwie gedacht habe, wie kann ich noch sichtbarer werden? Ich werde sichtbarer mit einer provokanten Frage: „Du hattest noch nie einen One-Night-Stand in Irland?“ Da fragen sich die Leute: „Hey, was redet die da?“ Das kam mir natürlich von selber, aber da hat mir mein erster Roman auch sehr geholfen. Oder „Das Traumhotel am Meer“ – „Du hast dich noch nie in einen Fuckboy verliebt?“ Da versuche ich immer, irgendeinen coolen Satz aus meinem Roman rauszunehmen und damit irgendwas zu machen, was die Leute catcht. Das entstand aus meiner eigenen Idee, aber ich sehe mir auch Tutorials an oder Videos von anderen Creatorn, was die für witzige Sachen machen, wie zum Beispiel das Video mit der Sprühflasche, wo ich mich als zweite Person größer sprühe. Das hatte ja auf Instagram 3,8 Millionen Aufrufe. Dieses Video habe ich bei einer Person gesehen und die war damit auch relativ erfolgreich, aber ich wurde dann noch erfolgreicher, weil sie hat sich einfach nur groß gesprüht und ich habe noch dazu gefügt: „Du hast dich noch nie in einen Fuckboy verliebt?“. Und In der Kombination war es dann relativ cool, aber das weiß ich oft vorher nicht. Es ist auch so, dass manche Sachen, die genauso cool sind wie die vorherigen, gar nicht ziehen. Also gerade bei TikTok ist es so. Da ist es tatsächlich sehr schwierig. Bei Instagram ist es relativ konstant, aber auf TikTok ist es teilweise so, dass coole Videos, die vorher mal gingen, plötzlich gar nicht mehr laufen.
Anika: Du hast jetzt gerade schon erwähnt, dass du teilweise total viral gegangen bist mit deinen Videos und so sind wir tatsächlich auch irgendwann auf dich gestoßen, weil du einfach mal in unsere For You Page gespült wurdest. Konntest du feststellen, dass du über Social Media auch ein jüngeres Publikum anziehst, die dann auch deine Bücher lesen? Weil deine Themen und Figuren richten sich ja tendenziell eher an Ü30-jährige Frauen, aber hast du das Gefühl, das hat sich ein bisschen verlagert?
Doris R. Thomas: Es hat sich definitiv verlagert. Wenn man sich bei dem Verlag mit einem Buch bewirbt, muss man ja immer eine Zielgruppe angeben und es waren einfach Frauen ab 30. Es ist aber nicht so, dass die Frauen ab 30 durch meine Bücher dann zu mir kamen, sondern die jüngeren Leute kamen durch mich zu meinen Büchern. Was ich an den Buchverkaufszahlen sehe, was ich sehe, wenn wenn ich auf Veranstaltungen eingeladen werde und der Saal mit Leuten zwischen 16 und 30 voll ist. Ich war letztes Jahr in Bonn auf einer Lesung, da waren 120 Besucherinnen und Besucher und es war eine Frau über 40, also es war wirklich ganz auffällig und die anderen waren alle jünger. Es ist bei anderen Lesungen oft sehr gemischt, aber tatsächlich sind meine Fans deutlich, deutlich jünger und die kommen dann aber auch zu meinen Büchern. Also die sagen: „Ich fand das so witzig, was du auf Instagram und TikTok machst, und jetzt musste ich mal was lesen und das hat mir plötzlich gefallen.“ Und es sind auch junge Männer. Ich hatte die jungen Männer ja gar nicht angesprochen ursprünglich, aber sie lieben die Romane und das finde ich sehr genial.
Anika: Ja, es ist echt total spannend, wie sich das nur durch Social Media dann doch so verändern konnte.
Doris R. Thomas: Genau.

Anika: Was würdest du denn sagen, welche Lücke du mit deinen Roman in der Literaturlandschaft und auf dem Literaturmarkt füllen kannst?
Doris R. Thomas: Eine Lücke mit Liebesromanen zu füllen ist vielleicht schwer. Ich würde eher sagen, eine Lücke auf Social Media, weil Liebesromane gibt es ja ganz viele. Da müsste ich jetzt tatsächlich überlegen: Was macht meine Romane besonders? Meine Romane sind turbulent-romantisch. Das kann man natürlich jetzt behaupten. Es gibt keine weiteren turbulent-romantischen Liebesromane auf dem Markt, aber es gibt Liebesromane. Aber ich habe etwas extrem Geniales vor. Im August wird ein neuer Roman erscheinen und es wird etwas passieren, was noch nie in Deutschland in dieser Form da gewesen ist. Wahrscheinlich werdet ihr, wenn ihr das jetzt hört, sagen: Ja, die übertreibt jetzt ein bisschen, aber wenn ihr noch ein paar Monate abwartet, werdet ihr sehen, dass ich nicht übertreibe und mit diesem Roman kann ich sagen, ich werde eine Lücke auf dem deutschen Buchmarkt füllen, die noch nie da gewesen ist. Und es wird der einzige Roman dieser Art sein. Klingt spannend, oder?
Carlotta: Ja, das klingt sehr spannend. Das wäre auch sogar unsere nächste Frage gewesen, weil du es ja schon auf Instagram angedeutet hast, dass du jetzt nicht mehr nur Wohlfühlromane schreibst und wir uns auf etwas Neues freuen dürfen, ob du uns dazu mehr verraten kannst. Aber wahrscheinlich wird das jetzt wirklich so eine Überraschung, dass du auch nicht so viel sagen kannst.
Doris R. Thomas: Genau, das ist ein neues Projekt, was ich mir ausgedacht habe. Es geht schon wieder in Richtung Liebesroman, aber es ist eben etwas, was noch nie da gewesen ist und ich habe momentan tatsächlich Angst, dass irgendjemand meine Idee klauen könnte und jetzt noch kurz vor knapp auch noch so einen Roman schreibt. Und deswegen ist es wirklich geheim, aber das Veröffentlichungsdatum steht. Mitte August wird der Roman erscheinen und ich werde schon bald neues ausplaudern.
Carlotta: Ja, wir sind auf jeden Fall gespannt.
Doris R. Thomas: Und kleiner Tipp: Meine Newsletter-Abonnenten erfahren Neuigkeiten immer zuerst. Also wenn ihr bei den ersten dabei sein wollt, die zum Beispiel das Cover sehen oder auch erfahren wollen, was jetzt genau passiert, was ich vorhabe, die Newsletter-Abonnenten werden es als erstes erfahren. Auf den Newsletter kommt ihr über meine Homepage: doris-r-thomas.de und da könnt ihr euch eintragen.
Anika: Das merken wir uns auf jeden Fall. Wir kommen jetzt auch schon zu unserer allerletzten Frage, die wir für dich mitgebracht haben. Wir haben vor allem deinen Roman „Verliebt in Greenkenny“ gelesen. Der war auf jeden Fall sehr turbulent-romantisch. Ich glaube, das beschreibt ihn wirklich perfekt, diese beiden Worte. Und da ist, wenn man online nachguckt, uns und auch vielen anderen Leser*innen aufgefallen, dass Simones Partner Tyler kein richtiger Sympathieträger und generell einfach eine sehr turbulente Figur ist. Wie ist deine persönliche Einschätzung zu ihm so als Romanfigur?
Doris R. Thomas: Ich kann dazu sagen, dass ich, als ich den Roman geschrieben habe, das Beste gemacht habe, was ich konnte zu dem Zeitpunkt. Ich aber jetzt auch sagen muss, ich habe mich weiterentwickelt und ich entwickle mich mit jedem Roman weiter. Wenn es mir bei dem ersten Roman vielleicht noch nicht gelungen ist, jeden absolut zu überzeugen, wobei der Roman natürlich trotzdem insgesamt auf über vier Sternebewertungen kommt – auf Amazon, glaube ich, 4,4 oder so – und von sehr, sehr vielen Leuten geliebt wird, kann ich es auch nachvollziehen, wenn es Kritik gibt. Und da kann ich nur zu meiner Verteidigung sagen, ich arbeite immer an mir und meinem Schreibstil, ich nehm Kritik ernst und das ist mir auch super wichtig. Und ich glaube, dieses sympathisch, unsympathisch, naive Protagonistinnen und so ist mir deutlich besser gelungen in den beiden neuen Romanen „Das Traumhotel am Meer“ und „Herzklopfen im Eiscafé am Meer“. Und wenn ich mal eine Überarbeitung mache, dann würde ich wahrscheinlich manches anders machen, aber es ist einfach immer so eine Entwicklung, die man macht.
Anika: Ja, es passt ja trotzdem auch in die Handlung rein, weil es sich dann am Ende doch alles fügt mit Tyler.
Doris R. Thomas: Ja.
Carlotta: Und es passt auch eben zur Beschreibung turbulent-romantisch. Das würd ich schon sagen, das ist uns doll aufgefallen beim Lesen der Roman hat uns sehr reingezogen.
Doris R. Thomas: Das freut mich.
Carlotta: Das war es auch schon von uns. Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten.
Doris R. Thomas: Ja, sehr gerne. Es hat sehr, sehr Spaß gemacht.
© Titelbild: Tom Bauer