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Queen Mahoro im Interview

Written by on 27. Mai 2026

Radio Q Musikredakteurin Linda Kurtenbach hat einen kleinen Wochenend-Trip nach Bonn unternommen und sich mit der Musikerin Queen Mahoro in der Bonner Altstadt getroffen. Queen macht Musik, die soundlich – wie sie selbst beschreibt – ein Mischmasch aus Pop, RnB und Afro-Beats ist und persönliche Themen behandelt. Bei einem sehr soliden Kaffee ging es um ihre kommende EP und den Heartbreak, den sie darauf verarbeitet, aber auch um ihre Rolle als Künstlerin, musikalische Einflüsse und die Bonner Musikszene. Und wenn ihr das Interview aufmerksam lest, kriegt ihr vielleicht auch noch einen kulinarischen Tipp, in welcher Kombination man mal Chiliöl unbedingt austesten sollte. Passend zum anstehenden Release-Konzert am 15. Mai im Namenlos in Bonn erzählt sie außerdem, warum Bonn für sie mehr ist als nur die Stadt, aus der sie halt kommt und was ihr für ihr erstes eigenes Konzert wichtig war.

Linda: Ich sitze an diesem sehr sonnigen Samstag hier gerade in einem sweeten Café in der Bonner Altstadt. Mit wem sitze ich denn hier?

Queen Mahoro: Mit Queen Mahoro, hallo!

Linda: Hi Queen! Um erstmal leicht reinzustarten, wie geht’s dir denn?

Queen Mahoro: Mir geht’s hervorragend, ich freue mich heute hier zu sein. Wie geht’s dir?

Linda: Mir geht’s auch gut, ich habe gerade schon einen Kaffee getrunken, ich bin ready, ich freue mich auf das Interview und ich würde sagen, wir starten direkt rein. Vielleicht um die Leute mal ein bisschen abzuholen, die dich noch nicht kennen, wie würdest du denn deine Musik für die beschreiben?

© Javid Mozaffari-Anari

Queen Mahoro: Meine Musik ist irgendwas zwischen R&B, Pop und Afro-Beats, so ganz grob. Es ist generell einfach ein Vibe, würde ich sagen.

Linda: Worauf geht es thematisch so in deinen Songs?

Queen Mahoro: Momentan sehr viel Heartbreak, aber es ist alles dabei, von Chilli Öl bis halt „Mir geht’s nicht so gut” und so, die ganze Bandbreite.

Linda: Für jeden was dabei. Ich frage die Leute immer gerne, wenn vielleicht noch nicht so viele Leute die Musik kennen: wenn du dir eine*n ideale*n Hörer*in vorstellen würdest, wie würdest du diese Person für deine Musik beschreiben? Also in welcher Lebenslage befindet sich die Person vielleicht gerade? Oder generell einfach, wen hoffst du mit deiner Musik zu erreichen?

Queen Mahoro: Boah, ich glaube vor allem auch andere PoCs.

Aber alle sind willkommen und ich glaube, ich kann es gar nicht so beschreiben. Also einfach: Sei cool, sei kein Arschloch. Ist nicht schwer, kein Arschloch zu sein. So, und das hoffe ich, dass das meine Zielgruppe ist.

Linda: Wenn du jetzt ein bisschen an deine Zielgruppe denkst, mit welchem Song würdest du die Leute gerne erreichen? Also welchen Song von dir würdest du gerne, dass die Leute ihn hören und wieso? 

Queen Mahoro: Es schwankt zwischen zwei Songs. Zum einen chili öl, weil der einfach gute Vibes hat, und „Nicht mehr traurig”, weil ich glaube, das ist auch nochmal was Ausgefalleneres, so von dem, was ich halt sonst gemacht habe.

Linda: Über “Nicht mehr traurig” würde ich gleich noch super gerne sprechen, aber noch mal kurz zu chili öl. Ihr habt da ja eine ordentliche Promophase gefahren und da habe ich mir so die Frage gestellt: Was war die wildeste Chiliöl-Essens-Kombination, die du gegessen oder probiert hast? Was war am leckersten? Was war vielleicht am gewagtesten?

Queen Mahoro: Am gewagtesten war auf jeden Fall Chiliöl mit Bier. Das war nicht ganz so lecker. Aber ich glaube, was überraschend lecker war, war Chiliöl mit Eis, mit Joghurteis. Kann ich sehr empfehlen. Also man kann auch Sriracha nehmen, ne? Kann man ja schärfegradmäßig anpassen für sich selbst. Und das mit Joghurteis kommt geil.

Linda: Harte Kombi. Gibt es so etwas wie zu viel Chiliöl?

Queen Mahoro: Nein, es gibt nie zu viel Chiliöl. Also, das ist ein bisschen gelogen. Ich habe vorhin noch gesagt, meinem Magen geht es nicht so gut, weil ich heute Morgen noch zu viel Chiliöl benutzt habe. Das kann auch mal auf den Magen schlagen, aber an sich gibt es nicht zu viel Chiliöl. Vor allem nicht vom Song.

Linda: In der Vorbereitung bin ich natürlich auch in die Recherche gegangen und das war gar nicht so leicht, weil ja, du bist eine Newcomerin. Es gibt einfach noch nicht so viel zu dir online. Wenn du jetzt selber bestimmen könntest, wie man irgendwann über Queen Mahoro als Künstlerin spricht. Was würdest du dir wünschen? Du hast gerade schon gesagt, du würdest gerne ein bisschen die Vorbildrolle für PoC-Menschen einnehmen. Was würdest du dir noch wünschen?

Queen Mahoro: Ich glaube, ich würde mir auch wünschen, dass Leute mich mit einem positiven Gefühl verbinden und dass ich jetzt irgendwie niemandem auf den Schlips getreten bin. Dass ich niemanden— also so, ich finde das super spannend, weil man eigentlich bei “Vorbildfunktion” selber auch ganz oft denkt, dass die Person perfekt sein muss. Oder man macht sich da selber auch die Erwartung, halt perfekt zu sein.

Linda: Hast du gerade ein Vorbild?

Queen Mahoro: Das ist eine sehr gute Frage. Mein Bruder war immer mein Vorbild. Mein Bruder macht auch Musik, der heißt Johnny Mahoro und der war früher auf jeden Fall immer ein Vorbild und ist er immer noch zu einem gewissen Punkt. Aber sonst nicht so richtig, ehrlicherweise. Also meine Mutter würde sagen Jesus, aber so ja, ich glaube sonst nicht so viel oder so richtig. Jetzt kommt mir gerade spontan niemand in den Kopf.

Linda: Du kannst ja auch dein eigenes Vorbild sein.

Queen Mahoro: Amen.

Linda: Um noch mal gerade an die vorherige Frage anzuknüpfen. Wir führen ja jetzt gerade obviously über Musik ein Interview, aber worüber außer über Musik würdest du denn gerne mal oder könntest du ein richtig langes Interview führen? Also wo sagst du so, da könntest du richtig lange deinen Senf zugeben in einem Interview?

Queen Mahoro: Die Ungleichheit zwischen Männer- und Frauenfußball. Also ich bin ein sehr großer Fußballfan. Hätte ich keinen Bänderriss gehabt, wäre ich Profi geworden. Das ist gelogen, aber ich liebe das immer zu sagen, weil Männer das so oft sagen. Nee, und ich finde es wirklich eine Frechheit, wie unausgeglichen das ist. Frauen haben ein viel höheres Verletzungsrisiko und werden einfach wirklich scheiße bezahlt. Das muss man einfach so sagen. Und ich kann es nicht verstehen, weil es kann nicht sein, dass gefühlt jemand, der in der 4. Liga spielt, bei den Männern mehr oder gleich viel verdient wie eine Frau in der 1. Bundesliga. Und das ist nicht okay.

© Javid Mozaffari-Anari

Linda: Ja, das stimmt auf jeden Fall. Von welchem Verein bist du selber Fan?

Queen Mahoro: Schon vom FC Köln. Also ich meine, es gibt auch den Bonner SC und ich bin auch eigentlich eine Stadtpatriotin. Aber dadurch, dass ich halt selber Fußball gespielt habe beim TV Rheindorf, ist die Verbindung zum Bonner SC nicht ganz so gut. Wir sind so, weißt du, ja, Rivals. Aber nee, deswegen FC Köln. Und FC Bayern, das muss ich auch sagen. Aber ich möchte sagen, ich bin kein Erfolgsfan. Das muss man immer dazu sagen, weil alle sind immer so: Öh, Erfolgsfan, Erfolgsfan. Nein, ich habe damals – und da war ich wirklich jung, das war so 2009 oder so – mir auf YouTube Highlight-Videos angeguckt von Luca Toni. Ich weiß nicht, ob du den kennst. Ist auch nicht schlimm, wenn man ihn nicht kennt. Aber der hatte so einen Torjubel und das fand ich damals so cool, und deswegen war ich dann so: Okay, ich bin jetzt Bayern-Fan.

Linda: Okay, also Fußball ist auf jeden Fall das Thema. Wir haben jetzt einen kleinen Exkurs gemacht, und es gibt für mich jetzt keine cleane Art und Weise, in meine musikalischen Fragen wieder einzusteigen haha, deswegen machen wir jetzt einfach mal einen eleganten Themenwechsel. Wir treffen uns ja hier so ein bisschen mit dem Anlass deines EP-Releases und dem dazugehörigen EP-Release-Konzert am 15. Mai im Namenlos in Bonn. Bevor es gleich noch mal kurz ums Live-Spielen und vor allem um Bonn gehen soll, was kannst du uns denn als Künstlerin über die EP erzählen?

Queen Mahoro: Die EP ist richtig cool. Da ist sehr, sehr viel Liebe drin. Von mir, aber auch von Janik Gootz, mit dem ich die ganze EP gemacht habe, mit ganz viel Liebe und Schweiß. Wir hatten auch mal den ein oder anderen, nicht Streit, aber wenn man sehr viel und sehr intensiv miteinander arbeitet, dann schweißt das einen zusammen. Und manchmal gibt es dann halt auch Momente, wo man so ein bisschen sich denkt, “Digga, ich muss jetzt gerade mal kurz an die frische Luft”, so. Aber nee, die EP ist mit ganz, ganz viel Liebe gemacht. Es stecken gute Vibes drin, thematisch aber auch Heartbreak. Also eigentlich ist die ganze EP über ein Heartbreak haha.

Linda: Um noch mal auf „Nicht mehr traurig” zu sprechen zu kommen. Für mich war das auf jeden Fall auch einer der schönsten Songs, einfach weil der dieses Zurück-zu-sich-selber-Finden behandelt, und eine Line, die mir so ein bisschen rausgestochen ist oder im Kopf geblieben ist, recht am Anfang:

„Ich glaube, wenn ich an dich denke, fällt mir vieles ein, deshalb schreibe ich dir diese Songs und lass es danach sein." 

Welche Rolle nimmt Musik bei dir ein, um mit emotionalen Themen irgendwie klarzukommen?

Queen Mahoro: Ich glaube, Musik ist mein Ventil. Musik hören, selber an der Gitarre irgendwie sitzen oder am Klavier. Ich kann richtig schlecht Klavier spielen – also richtig schlecht ist jetzt ein bisschen übertrieben – aber einfach da zu sitzen und sich selber mal wieder zu spüren.

Ich habe manchmal so richtig Brain Rot und bin dann mit Leuten so, keine Ahnung, aber dann kann ich einen Song darüber schreiben und dann ist alles gut. Musik ist so meine Hilfe, meine Therapie, alles.

Linda: Würdest du sagen, das war schon immer so, oder ist es was, was sich jetzt in der letzten Zeit entwickelt hat?

Queen Mahoro: Ich glaube vor allem jetzt auch Songs schreiben hat sich in den letzten Jahren auch noch mal  mehr entwickelt. Früher wollte ich eigentlich immer das machen, was mein Bruder auch macht. Ich habe dann auch eine Gitarre irgendwann mal bekommen und wollte dann auch im Kinderchor sein und alles Mögliche. Und habe dann irgendwann mal gesagt, okay, nee, ich will jetzt Instrumente ausprobieren. Ich habe auch ADHS, deswegen habe ich dann jedes Instrument gefühlt, was es gibt, einmal ausprobiert. Dann war glaube ich Corona und ich war so “ey, irgendwie macht mir Singen mit am meisten Spaß” und so, “ich bin auch glaube ich gar nicht so schlecht darin, Songs zu schreiben”. Vor allem bei diesem Heartbreak war es halt genau die eine Sache, wie ich Sachen ausdrücken konnte, die ich vorher gar nicht beschreiben konnte. Und das war schon ganz schön.

Linda: Voll schön, dass du da dein Medium gefunden hast. Ein weiterer Song von der EP, den ich irgendwie sehr berührend fand und der super viel Eindruck bei mir hinterlassen hat, ist „Mir geht’s gut”. Der ist jetzt gerade noch unreleased, aber der kommt dann ja am 15. Mai. Es ist ein super persönlicher und ehrlicher Song. Es geht um deinen Dad, du erwähnst deinen Bruder kurz, deine eigene Mental Health. Deine anderen Songs behandeln obviously auch persönliche Themen. Aber als ich „Mir geht’s gut” gehört habe, ich fand irgendwie, der hat noch mal so eine tiefere Stufe oder eine höhere Stufe, je nachdem wie man es interpretieren will, erreicht. Was wolltest du mit dem Song für dich erreichen und was wolltest du vielleicht auch Leuten, die den Song hören, mitgeben?

Queen Mahoro: Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, vor allem in diesem Heartbreak habe ich so oft gesagt: „Ja, mir geht’s gut, mir geht’s gut, alles gut, ist nicht so schlimm.” Und wie du ja gerade schon gesagt hast, ich erwähne meinen Dad und mein Dad ist so ein Mensch, der macht lieber Witze, als zu sagen, wie es ihm wirklich geht. Und das habe ich so ein bisschen von ihm irgendwie so abgeguckt. Ich glaube, bei dem Song war es mir auch wichtig, Mental Health zu erwähnen. Um einfach auch zu zeigen – es soll jetzt nicht pathetisch klingen, aber so – ey, es ist auch okay, das auch zu zeigen. Weil irgendwie haben wir alle unsere Struggles und ich finde es wichtig, da einfach ehrlich zu sich selber zu sein, aber auch zu zeigen, dass es das halt auch bei anderen Menschen gibt.

Linda: Ist es dir denn schwergefallen, diese Ehrlichkeit auf die Songs zu packen?

Queen Mahoro: Teilweise ja, auf jeden Fall. Ich komme aus einer Familie – und ich glaube, da können viele Migra-Kids relaten – man redet nicht über Gefühle. Dir geht’s nicht gut? Du kannst nicht richtig lesen? Alles gut, geht morgen wieder. Weißt du, es wird viel so runter geredet und ich glaube auch gar nicht aus einem bösen Sinn, sondern einfach weil die Eltern halt so sind: Ja, wir haben keine Begriffe dafür, das wird schon wieder. Und deswegen war es für mich selber auch so ein: Ey, Queen, jetzt kannst du auch richtig ehrlich sein, auch zu dir selber. Ich glaube, das ist das Einzige, was man – also nicht das Einzige – aber das sind auf jeden Fall auch Dinge, die man sich selber dann auch eingestehen muss. Das ist super schwierig, vor allem wenn man halt nicht unbedingt eine Person im Umkreis hat, die die gleichen Probleme hat.

Linda: Bei solchen Themen ist halt auch einfach Transparenz super wichtig und das deckt sich ja so ein bisschen mit dieser Vorbild-Sache, die du gesagt hast, dass so was einfach dann auch passiert in der Musik. Eine Zeile, die auch auf dem Song „Mir geht’s gut” ist, die ich spannend fand, war: „Manchmal wünschte ich, ich wäre noch klein, da war die Welt so leicht, will den Zeiger drehen.” Und ja, ich habe mir da die Frage gestellt, wie würde dein jüngeres Ich reagieren, wenn du der kleinen Queen erzählen würdest, dass sie eine EP rausbringt und ihr eigenes Konzert in Bonn spielen wird?

Queen Mahoro: Ich glaube, die kleine Queen würde fragen: Was ist eine EP? Aber würde es, glaube ich, nicht glauben. Also so auf der einen Seite glaube ich, dass – ich glaube, das ist bei vielen Leuten, die so künstlerisch irgendwie was machen, die wussten schon irgendwie früher schon. Ich für meinen Teil wusste schon damals so, okay, ich werde auf jeden Fall irgendwie auf einer Bühne stehen. Auch so damals, kennt ihr das so 8., 9. Klasse, wo man so Arbeitsamt war? Nicht Arbeitsamt, aber man musste so einen Test machen, was man so –

© Jonas Raum

Linda: Potenzialanalyse?

Queen Mahoro: Oh mein Gott, danke. Also ja, Potenzialanalyse. Wo man so herausfindet, was man machen will. Da kam bei mir raus, du musst und du wirst wahrscheinlich auf Bühnen stehen und das war halt 8. oder 9. Klasse. Ja, ich suche immer noch diesen Zettel in meinem Bewerbungsordner von damals, ich habe den glaube ich verlegt.

Linda: Schade, das wäre voll die schöne Full-Circle-Moment-Erinnerung. Wir haben jetzt super viel thematisch und lyrisch über die Songs gequatscht, ich würde aber natürlich gerne auch noch mal über den Sound quatschen. In deiner Spotify-Bio steht – und das fand ich irgendwie, ich weiß nicht, das hört man so ein bisschen raus – “Als kleines Kind begeisterte sie das rhythmische Schlagen auf Bibeln und Tischen für sich”. Der Großteil deiner Songs hat auf jeden Fall so ein rhythmisches Soundgerüst, was einen auch zum Tanzen anregt. Deswegen, ich würde deine Musik gar nicht so unter dem Titel Indie-Pop kategorisieren. Du meintest ja vorhin schon auch bisschen R&B, Afrobeats-mäßig. Was würdest du sagen, wie bist du zu diesem Fusion-Sound gekommen? Gab es da Einflüsse?

Queen Mahoro: Meine Eltern sind sehr gläubig und ich bin viel mit christlicher Mucke aufgewachsen. Ich glaube, das nennt man Christian Contemporary, CCM, keine Ahnung, irgendwie so was (Anmerkung aus der Redaktion: Contemporary Christian Music). Danke Spotify Wrapped, weil die haben mir das irgendwann mal 2019 gefühlt gezeigt. Und meine Eltern hatten damals so einen Gebetskreis. Mein Bruder hat immer Gitarre gespielt und gesungen und ich war so: „Yo, was soll ich eigentlich machen?” Und dann habe ich irgendwann mal auf den Tisch geklopft und dann halt auch auf Bibeln und so. Je älter man wurde, desto mehr hat man ja noch Musik, also andere Musik gehört. Ich war damals auch sehr großer Michael-Jackson-Fan. Also ich weiß noch damals, in der 4. Klasse. Ich habe da – es war so lustig, weil man musste eigentlich als Klasse was vorführen. Ich habe als Einzige für meine Klasse irgendwas vorgeführt und habe Michael Jackson getanzt und habe dann noch so diesen Hut in die Menge geworfen. Also ich habe Michael Jackson auch viel gehört früher und ja, Pop und irgendwann dann auch Afrobeats immer mehr. Meine Musik ist so ein bisschen der Mischmasch von allem, was ich auf Spotify oder auf anderen Plattformen höre.

Linda: Würdest du sagen, du hast deinen Sound mittlerweile gefunden oder ist es noch so ein Trial-and-Error-Ding oder willst du dich da auch gar nicht festlegen?

Queen Mahoro: Boah, ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, wann man sagen kann, man hat seinen Sound gefunden. Ich bin noch relativ am Anfang. Also ich dachte auch vor drei Jahren, ich hätte meinen Sound gefunden mit Englisch. Sike! Ich glaube, das entwickelt sich. So ein Grund-Ding bleibt ja immer bestehen, allein auch schon durch die Stimme. Aber dann glaube ich, man entwickelt sich auch selber als Künstler oder Künstlerin weiter.

Linda: Gibt es eine Sache, von der du dir wünschen würdest, dass die Leute sie von deiner EP mitnehmen?

Queen Mahoro: Ich würde mir wünschen, dass die Leute, wenn sie sich beispielsweise bei „Mir geht’s gut” so ein bisschen selber wiedererkennen, mit Freunden reden.

Also es gibt ein paar Freunde, da konnte ich irgendwann mal nicht mehr über diesen Heartbreak reden, weil ich das Gefühl hatte, jedes Mal, wenn ich es versucht habe anzusprechen, habe ich eine Faust ins Gesicht bekommen metaphorisch. Weil die so waren: Digga, jetzt komm mal von der weg. Ich glaube, jeder macht halt seine eigenen Erfahrungen und es ist vor allem als Freunde super wichtig, aber auch als Familie, einfach zuzuhören. Du musst ja gar nicht viel dazu sagen. Also wirklich, es gibt manche Menschen, die geben immer ihren Senf dazu. Es muss nicht immer Senf dazugegeben werden, sondern einfach zuhören, offenes Ohr haben. Ich glaube das ist, was ich möchte, dass die Leute von der EP mitnehmen.

Linda: Du spielst ja zu dem EP-Release auch ein Konzert hier in Bonn. In deiner Spotify-Bio habe ich auch gelesen – ich fand die irgendwie sehr spannend haha – “born and raised 53”. Inwieweit hat Bonn als Stadt deine Musik geprägt oder vielleicht auch erst mal allgemeiner dich als Person, wenn du das so reduzieren kannst?

Queen Mahoro: Also erst mal, ich finde es lustig, dass du auf diesen Text zurückkommst. Ich habe den damals 2020 selber geschrieben. Ich habe ihn seitdem auch nicht mehr gewechselt, der ist immer noch in allen Pressemitteilungen bis jetzt. Ich müsste ihn eigentlich updaten, aber er ist eigentlich zu iconic, um ihn zu ändern. Aber “born and raised 53”.

So, da vorne an der Ecke hat mal ein Kollege hingekotzt, weißt du. Oder hier bei dem Rewe habe ich mal meinen Mathelehrer gesehen an einem Freitagnachmittag. Also es sind solche Sachen. Bonn ist einfach gefühlt ein Dorf, deswegen ist es auch immer wieder schön, zurückzukommen. Manchmal ist es auch ein bisschen anstrengend, to be honest, und deswegen musste ich auch dann, glaube ich, erstmal wegziehen, aber Bonn ist einfach toll. Leute, kommt nach Bonn! Und das möchte ich auch nochmal sagen, und das sage ich zu jedem, weil alle sind immer so: “Ja, Bonn, was geht eigentlich in Bonn? Zum Feiern geht ihr immer nach Köln.” Nein, nein, nein! Also okay, Feierszene, ich checke, so 1:0 für Köln, Bonn hat da abgelost. Aber wir haben eine wunderschöne Altstadt, in der wir gerade sitzen, plus wir haben eine der 10 schönsten Straßen auf der ganzen Erde. Wusstest du das, Linda?

Linda: Nein, das wusste ich tatsächlich nicht, aber ich schätze mal, es ist die Kirschblütenstraße?

Queen Mahoro: Tatsache, Tatsache! Das ist tatsächlich auch diese Straße hier (in der wir sitzen).

Linda: Ach, das ist — oh mein Gott, ja, wenn hier keine Kirschblüten sind, woher soll man das denn auch wissen?

Queen Mahoro: Ja, Leute, es gibt tatsächlich einmal hier in der Heerstraße eine Kirschblütenstraße. Und quasi die Parallelstraße, die Breite, heißt die Breite Straße? Ja, die Breite Straße ist so die bekanntere Kirschblütenstraße, aber hier gibt es auch Kirschblüten.

Linda: Dein ultimativer Bonn-Tipp für Leute, die nicht aus Bonn kommen?

Queen Mahoro: Soll ich jetzt mal so eine Bonn-Führung machen? Das mache ich richtig gerne, weil ich so zu Leuten bin, die so, ey, wenn du in Bonn bist, du fängst an: Du gehst erstmal ins Café Fürst, das ist mein Café des Vertrauens, oder ins Per Tutti, wo wir gerade sitzen. Ich bin hier heute zum ersten Mal, aber trotzdem. Dann macht man ganz entspannt einen Walk. Also erstmal holt man sich ein Eis direkt am Rathaus. Bestes Eis in ganz Bonn, würde ich sagen. Ich empfehle Mango und Zitrone. Dann man geht zum Rhein runter, man läuft ein bisschen, blablabla, bisschen durch die Rheinaue. Dann kann man sich noch Geschichte angucken hier, alter Bundesrat und so. Dann geht man in die Altstadt und dann geht man am Ende des Tages zu Calador und dann fährt man mit dem Nachtbus nach Hause.

Linda: Sehr gut, ein qualitativer Bonn-Guide hier. Nimm uns als Münster Musik People doch mal kurz mit in die Bonner Musikszene. Wie sieht’s hier bei euch aus? Hast du, als du angefangen hast, hier Mucke zu machen, eher Chancen oder Hürden gesehen?

Queen Mahoro: Boah, ich glaube, vor allem mit der Musikrichtung, die ich mache, habe ich eher Hürden gesehen. Also Bonn ist eine super musikalische Stadt, aber vor allem geprägt von klassischer Musik durch Beethoven, Bonns bekanntester Sohn.

Ne, aber genau, ich glaube, die Rapszene ist relativ groß in Bonn. Da gibt es auch einfach Pioniere wie SSIO oder auch Xatar, rest in peace. Aber ich hatte halt das Gefühl, mit der Musik, die ich mache, ist es nicht so einfach. Es gibt irgendwie nicht so viele Möglichkeiten. Ich glaube, mittlerweile gibt es mehr Möglichkeiten. Und ich glaube, wenn ich mit 40, 50 wieder zurückziehe nach Bonn und dann hier wohne, dann ist es  auch mein Ziel, dann auch mal hier was zu machen für Leute, die nicht nur Rap machen wollen. Gar nicht um jetzt Leute, die Rap machen, auszuschließen, aber genau, das irgendwie bisschen mehr zu unterstützen.

Linda: Voll schön. Am 15. Mai Releasekonzert hier in Bonn im Namenlos. Beschreib mal ein Queen Mahoro Konzert in 5 Worten.

Queen Mahoro: In 5 Worten? Warte kurz. Freude, Klatschen, Specials, gute Musik.

Linda: Perfekt, das waren 5. Auf was freust du dich am meisten an dem Tag?

Queen Mahoro: Ich habe ehrlicherweise ein bisschen Schiss. Ich war auch jetzt schon ein bisschen Vorband und so bei anderen Künstler*innen und das war auch immer ganz cool. Aber die Vorstellung jetzt, dass da mehrere Leute sich aktiv dafür entschieden haben, ein Ticket zu kaufen und wegen mir zu kommen, ist irgendwie ein bisschen surreal. Aber was war die Frage nochmal? Sorry.

Linda: Auf was freust du dich besonders an dem Tag?

Queen Mahoro: Ich freue mich einfach, Songs zu spielen, live zu spielen. Ich bin auch relativ häufig auf Konzerten, und bin dann immer so: “Boah, das ist voll geil, das will ich irgendwie auch einbauen” oder so. Ich habe ganz viele Ideen einfach schon vorher getagträumt. Ich hatte früher immer so die Vision – okay, kennst du das, wenn du so im Badezimmer warst und so interviewmäßig Kram gemacht hast? Und jetzt passiert das einfach in echt so, und ich bin so: “Öh, was soll ich eigentlich sagen?” Nee, aber ich freue mich richtig dolle, es wird richtig toll und ich glaube, es wird sehr wholesome. Wir haben Special Acts, Ein super Support – Vavunettha – und das wird einfach richtig toll und ich glaube ein richtig schöner Abend für wenig Geld. Das ist mir auch extrem wichtig gewesen, weil Konzerte werden immer teurer und alles wird leider teurer und da irgendwas zu machen, wo Leute die Chance und die Möglichkeit haben, einfach mehr Musik zu hören und was live zu erleben, weil Live-Konzerte sind einfach geil.

Linda: Das stimmt. I approve this message. Um jetzt vielleicht noch mal so einen kleinen Ausblick zu werfen: Was würdest du dir für deinen weiteren musikalischen Werdegang wünschen? Wo soll es hingehen?

Queen Mahoro: Ich hoffe, irgendwann mal eine Tour zu spielen. Das wäre schon ein kleiner großer Traum. Jetzt kommt ja erstmal die erste EP raus, wenn alles gut klappt, dann hoffentlich irgendwann in diesem Jahr noch die zweite. Man munkelt. Ich hoffe einfach, dass Leute meine Musik checken. Es gibt halt auch Songs, wo man nicht so viel nachdenken muss und vielleicht alles direkt versteht und ich glaube, meine Musik ist eher so, ja, also man muss vielleicht den Song zweimal hören, um Sachen zu checken. Aber ja, ich hoffe einfach, dass es natürlich größer wird und ich freue mich einfach.

Linda: Dann habe ich jetzt am Ende noch zwei Abschlussfragen. Die erste wäre: Was nervt dich gerade?

Queen Mahoro: Oh, weißt du, was mich nervt? Mich nervt Verspätung bei der Deutschen Bahn. Ehrlich. Also das ist wirklich richtig uncool, ja.

Linda: Ich glaube, da bist du nicht die Einzige. Shoutout oder nicht Shoutout Deutsche Bahn. Und dann ganz zum Schluss: Worauf bist du gerade besonders stolz?

Queen Mahoro: Ich glaube auf die EP. Also ich realisiere das noch nicht und es war halt immer so fern, so ja, noch so 3, 4 Monate, blablabla. Jetzt, also heute ist Samstag der 19. und es sind nur noch 6 Tage. Ich verstehe das nicht, also so, wie in 6 Tagen spiele ich mein erstes eigenes EP-Konzert. Darauf bin ich ganz schön stolz.

Linda: Sehr schön, ist auch was, worauf man sehr stolz sein kann. Dann vielen Dank dir. Hast du noch was Was du loswerden möchtest, was jetzt gerade zu kurz gekommen ist?

Queen Mahoro: Seid lieb zueinander, seid kein Arschloch. Also es ist wirklich nicht schwer, einfach Hallo, Bitte, Danke zu sagen. Ey, und spread love einfach. Seid einfach cool.

Linda: Dann vielen Dank an Queen Mahoro für dieses Interview.

Queen Mahoro: Danke, dass ich da sein durfte.


Fotocredits @ Jonas Raum, Javid Mozaffari-Anari und eigene Bilder

Beitragsbild © Niels Blazyczek

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