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Ohne Regen keine Blumen – Ein Konzertbericht über Jassins vergangene Tour

Written by on 30. März 2026

Mitte Dezember, 4 Grad Außentemperatur, ausverkauftes Carlswerk Victoria in Köln. Vor zwei Wochen hat Newcomer Jassin sein Debütalbum „Arsenalplatz“ veröffentlicht und nun spielt er die zweite Show seiner gleichnamigen Tour. Radio Q-Musikreporterin Emma Hülsey war vor Ort und präsentiert, wie sie den Abend wahrgenommen hat.

Das Licht geht aus, es wird kurz ganz still, dann steht Jassin plötzlich während der ersten Töne von seinem Song „Aufstehen“ auf einem hellblauen Podest auf der Bühne. Das Licht ist grell und fast schon blendend, aber genau passend zu dem vorpreschenden Sound des Liedes. Ungefähr 1600 Fans schauen gespannt auf den 20-jährigen Wittenberger. 

Credits: Emma Hülsey

Das vergangene Jahr ist ein besonderes für Jassin gewesen: Er hat seine erste eigene kleine Tour gespielt, ist auf fast jedem Festival in Deutschland aufgetreten, nebenbei noch mit einem Ausschnitt aus „Bitte sei vorsichtig“ auf TikTok viral gegangen und hat nun, Ende November, sein erstes Album veröffentlicht. Die neu dazugewonnene Bühnenerfahrung merkt man. Wer Jassin Anfang des Jahres live gesehen hat und jetzt ein Ticket für die Arsenalplatz-Tour hatte, hat schnell wahrgenommen, wie viel selbstbewusster Jassin mittlerweile auftritt. Er ist präsent und nimmt die ganze Bühne in Anspruch, auch bei den stilleren Songs.

Eines dieser ruhigeren Lieder ist „Wie immer ist“. Es ist ein emotionaler Song an seinen besten Freund, den er durch dessen Auslandsjahr eine lange Zeit nicht gesehen und vermisst hat. Ein weißer Lichtstrahl leuchtet auf Jassin, sonst ist es dunkel. Jassin sitzt auf dem kleinen blauen Podest mittig auf der Bühne und stimmt die ersten Töne an. Es ist still, sehr still. Manche kramen in ihren Taschen nach Taschentüchern, andere filmen ein paar Sekunden und dennoch zieht Jassin alle in seinen Bann. Beim letzten Refrain des Songs fängt die Menge an, ruhig, aber textsicher mitzusingen. Für mich definitiv ein Gänsehautmoment und Highlight der Show.

Credits: Emma Hülsey

Aber Jassin kann auch anders. Bei „Durftkerzen“ springt der Newcomer von links nach rechts und verschluckt trotzdem kein einziges Wort. Die Fans übernehmen seine Energie und es wird ganz schön warm im Carlswerk Victoria. Dass die Fans sehnsüchtig auf Jassins zweite Tour gewartet haben, zeigt sich auch daran, dass es bei „Dieses eine Lied“ ein sehr aufwändiges Fanprojekt gibt. Eine kleine Gruppe hat vor dem Konzert über 1500 bunte Herzen aus Papier ausgeschnitten und vor der Location in der Schlange verteilt. Als der Song beginnt, halten alle, die ein Herz erhalten haben, das Papier hoch und Jassin freut sich sichtlich. 

Was wir alle dort noch nicht gewusst haben: Auch Jassin hat eine Überraschung vorbereitet. Er spricht davon, dass es in Köln ein Lied gebe, das alle kennen würden. Den Namen nennt er allerdings nicht. Meint er „Tommi“ von AnnenMayKantereit? Nein. Jassin stimmt „Et jitt kei Wood“ von Cat Ballou an und die ganze Venue singt mit. Er hat recht, es kennen wirklich alle. Während ich noch grinsend über das nachdenke, was gerade passiert ist, steht plötzlich der Frontmann von Cat Ballou, Oliver Niesen, neben Jassin auf der Bühne. Bevor ich realisieren kann, was vorgeht, singen die beiden „Et jitt kei Wood“ in voller Länge zusammen. Ein wahrer Fiebertraum. Im besten Sinne. Denn diesen Song singen ausnahmslos alle Anwesenden mit, auch die, die vielleicht eher Begleitung als Fan sind.

Credits: Emma Hülsey

Zehn Minuten später ist das Konzert auch schon vorbei und Jassin und seine Liveband verbeugen sich in Begleitung von tosendem Applaus. Die 1 ½ Stunden vergehen wie im Flug. Ich mache noch einen kurzen Stopp am Merchstand, ergattere ein Arsenalplatz-Longsleeve und stehe wieder in der kühlen Dezember-Luft vor der Location. Ein paar Fans unterhalten sich aufgeregt und begeistert über die Show. Ein junger Mann erzählt, dass er versuchen will, noch an Tickets für den Tourabschluss in Berlin zu kommen. Ob er es geschafft hat, bleibt offen, denn die Arsenalplatz-Tour ist bereits vor Tourstart restlos ausverkauft gewesen. Auch für mich ist es ein wunderschöner, runder Abend gewesen und ich freue mich schon auf „Die größere Arsenalplatz Tour“ im Oktober 2026, bei der Jassin auch eine Show in Münster im Skaters Palace spielt. 

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