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Blond im Interview

Written by , on 17. März 2026

Grammys, Denkmäler, Musikolymp – man wird doch wohl noch träumen dürfen

Kurz vor den Zusatzshows ihrer "Ich träum doch nur von Liebe"-Tour haben Radio Q Musikredakteurinnen Linda Kurtenbach und Fee Briesemeister mit Lotta und Nina Kummer von Blond gesprochen und spannende Insights zum Thema Songwriting, spektakulären Bühnen-Shows und dem kollektiven Gedanken der Band bekommen. Ein bisschen Spaß durfte dabei natürlich auch nicht fehlen.

Linda: Ich freue mich ganz, ganz doll, dass ich jetzt die folgenden Worte aussprechen darf, weil wir haben hier per Zoom die one and only sächsische Prominenz zugeschaltet, nämlich Nina und Lotta von der Band Blond. Hallo ihr beiden.

Nina (Blond): Hallöchen.

Linda: Wollen wir vielleicht einfach mal ganz easy starten? Wie geht’s euch? Wie seid ihr in den Tag gestartet?

Lotta (Blond): Uns geht’s super. Wir haben beide heute schon was Kleines gefrühstückt und freuen uns jetzt sehr auf dieses Interview.

© Mia Morgan (@mialisamarie)

Nina: Wir reden ja sehr gerne und deswegen ist es schön, wenn man mit einem Interview in den Tag reinstartet.

Linda: Das ist eine super Voraussetzung.

Fee: Ich würde sagen, wir gehen einfach direkt mal rein. Wir haben uns überlegt erstmal eine kontextlose, bisschen absurde Schnellfragerunde zu machen, um ein bisschen warm zu werden und würden direkt mit der ersten Frage reinstarten: entweder beim Klauen an der SB-Kasse erwischt werden oder bei dem Versuch, sich durch die Sanifair Kindereingangstür zu sneaken?

Nina: Das ist beides unangenehm…

Lotta: Aber ich finde, bei der SB-Kasse kann man noch so tun, als wäre es ausversehen gewesen und bei dem Klo-Ding ist es relativ schwer. Deswegen werde ich lieber erwischt an der SB-Kasse, weil dann sage ich: “Eii, das habe ich vergessen”, als dass ich gerade durch den Kindereingang krieche…

Nina: Aber es kann ja auch passieren, dass man seine eigene Körpergröße einfach völlig falsch einschätzt. Aber ja, wahrscheinlich ist es weniger unangenehm, an der SB-Kasse erwischt zu werden,

Linda: Dann die nächste Frage: eher kein Spaß im Spaßbad oder keine Freizeit im Freizeitpark?

Lotta: Also wir waren ja quasi schon mal beruflich im Freizeitpark, als wir das Album Unboxing gedreht haben und das war voll in Ordnung.

Nina: Naja, weil unsere Arbeitszeit und unsere Freizeit sind zwei verschiedene Dinge, aber inhaltlich unterscheiden die sich gar nicht so doll, weil wir ja zum Glück beruflich das machen, was uns sehr viel Spaß macht. Deswegen lieber keine Freizeit im Freizeitpark.

Lotta: Weil kein Spaß im Spaßbad ist schrecklich, dann hast du nur die Lautstärke, die komischen anderen Leute und so und dann kannst du es nicht ausblenden.

Linda: Wir sitzen hier ja mit Expertinnen. Wie würde das perfekte Blond-Maskottchen aussehen?

Nina: Das ist wirklich eine sehr gute Frage. Wir haben ja ein Maskottchen eigentlich, die SB-Kasse Basti. Und den würde ich jetzt auch einfach als Blond-Maskottchen generell ins Rennen schicken.

Lotta: Ja, der ist optimal. Auf jeden Fall.

Fee: Jetzt ein ganz anderes Thema und zwar das Thema Windel. Lieber eine vollgeschissene Windel im Club oder eine vollgepisste Windel auf dem Festival bei 35 Grad und die Dixies sind leider gar nicht mehr zu benutzen?

Nina: Aber im Club kann ich das wohl wechseln oder was?

Linda: Das geben wir euch mal.

Lotta: Vollgeschissen im Club sein, das klingt schon echt schlimm.

Nina: Ja, aber du kannst sie ja wechseln im Club.

Lotta (Blond): Aber trotzdem klingt Pisse ein bisschen … und Festival ist auch draußen. Der Club ist in einem geschlossenen Raum, was uns geruchstechnisch auf jeden Fall nicht in die Karten spielen würde. Deswegen würde ich die vollgepisste Windel wählen. Also, ich privat persönlich.

Nina: Ja, ich schließe mich da einfach an.

Linda: Okay, wir nehmen die vollgepisste Windel. Sehr gut, ist notiert. Und dann die letzte Frage. Also wir haben jetzt das Maskottchen schon festgelegt. Wie würde denn ein Blond-Denkmal aussehen und wo würde es stehen?

Bildquelle: Pixabay

Nina: Na, da haben wir schon sehr konkrete Ideen. Endlich fragt uns mal jemand danach. Es gibt ja in Chemnitz – unsere Heimatstadt – das Karl Marx Monument, was ja der Kopf von Karl Marx ist, eine riesige Büste. Und wir finden, dass Johann Lotta und ich auch noch daneben sollten als große Köpfe.

Lotta: Ein bisschen größer noch.

Nina: Aber dann auch aus Gold und die Köpfe drehen sich mit der Sonne, dass immer die Sonne ins Gesicht scheint. Das sind unsere konkreten Pläne. Und endlich fragt ihr mal danach.

Linda: Da wären wir dann auf jeden Fall dabei, auch da mal einen Radioausflug zu machen.

Nina: Könnt ihr dann drüber berichten.

Linda: Das war’s mit unserer kontextlosen Schnellfragerunde. Ich glaube, wir sind alle ein bisschen warm geworden und ich würde jetzt direkt weitermachen mit einem aktuellen Aufhänger. Und zwar habt ihr letzte Woche den Musikautor*innenpreis in der Kategorie Text Singer/Songwriter gewonnen. Erstmal, bevor wir da näher drauf eingehen, beschreibt doch mal für uns Normalsterbliche, wie es sich anfühlt, eine Laudatio von the one and only Ikkimel zu bekommen.

Nina: Das war wirklich – ich hab die ganze Zeit gedacht, dass ich träume.

Lotta: Es ist wie Weihnachten, Geburtstag, alles zusammen.

Nina: Das eine ist, wenn jemand lobende Worte über dich sagt, das ist ja schon so schön. Aber wenn das dann auch noch eine Person macht, von der man selber übelst Fan ist und diese Person selber einfach bewundert für das, was sie macht, dann ist es natürlich tausendmal intensiver und schöner noch. Ich habe auch wirklich fast geweint. Also es war ganz, ganz toll.

Linda: Ihr habt in der Kategorie “Text Singer/Songwriter” gewonnen. Vielleicht so ein bisschen plakativ gefragt, was bedeutet euch dieser Preis?

Nina: Also erstmal sind wir ja da hingefahren mit dem Mindset, dass wir sowieso gewinnen. Wir hatten auch schon zu Hause Platz im Regal gemacht. Deswegen ist der erstmal dekorativ sehr wichtig. Auch wenn Leute in die Wohnung kommen und so, dass man direkt sagen kann “Ja, ich habe hier einen Preis gewonnen.” Außerdem ist es ja Kategorie “Text Singer/Songwriter”. Man guckt sich den an und das ist dann auch einfach wie eine Bestätigung dafür, dass andere das sehen, was man macht und dass es als gut befunden wird.

Preise sind ja manchmal cool, dass man sich als Band auch mal hinsetzt und sagt, ach, ist irgendwie cool, dass wir das machen. Und wir machen das, glaube ich, ganz gut so, dass man sich freut miteinander über das, was man macht.

Linda: Vielleicht um noch kurz beim Thema Text zu bleiben: würdet ihr sagen, dass dieser Preis in eben dieser Kategorie in Zeiten von KI generierter Musik oder auch generell der Tendenz, dass man die Originalität seiner eigenen Stimme an KI abgibt, wichtiger ist? 

Nina: Also der Preis jetzt an sich weiß ich nicht, aber natürlich – ich habe immer den Glauben daran, wenn ich explizit auf Texte achte, das kann keine KI schreiben, was Menschen kreativ formulieren, um Gefühle auszudrücken. Das kann adaptiert werden. Und vielleicht gibt es auch Musik, wo das nicht an erster Stelle steht, aber ein geil geschriebener Text, der mir bei anderen Artists auch auffällt, da glaube ich sind wir geschützt. Ich glaube in dieser Kreativbranche, dieses bisschen kreativ sein, das kann die KI nicht. Aber ich weiß nicht, ob so ein Preis die Kampfansage gegen KI generierte Texte ist. 

Linda: Habt ihr denn eine Lieblingszeile auf “Ich träume doch nur von Liebe” oder generell eine Lieblingszeile, die ihr jemals geschrieben habt, wo ihr so wart, da habe ich richtig einen rausgehauen?

Lotta: “Yo, der Stau ist so lang wie mein Schwanz”, ist natürlich schon stark.

Nina: Aber das ist nicht von “Ich träum doch nur von Liebe”

Lotta: Ne, das ist ein generelles Zitat, da haben wir richtig gekocht, das muss ich einfach sagen.

Nina: Die “Ich träume doch nur von Liebe” Zeile ist ja auch eine Zeile aus dem Album Kontext. Die ist ja aus “16 Jahr, blondes Haar”, deswegen ist sie auch unsere Albumtitelzeile, weil wir die alle mochten. Und generell – es gibt ja so Punchline-Musik, wo man viel sich reimende Punchlines nacheinander packt. Wir gucken aber immer Songs als Ganzes an, deswegen ist es schwierig da einzelne Zeilen rauszunehmen, weil ich finde die Geschichte erzählt sich ja von der ersten Sekunde bis zum Ende des Songs. Ja, “ich träume doch nur von Liebe” wäre die Punchline-Zeile.

Linda: Ihr schreibt ja jetzt schon seit einer ganzen Weile Texte. Hat sich etwas in der Art und Weise, wie ihr Songs textet, verändert über die Jahre?

© Mia Morgan (@mialisamarie)

Nina: Vielleicht ist man so ein bisschen selbstbewusster geworden mit dem, was man macht, weil man halt da auch so ein bisschen Zuspruch bekommen hat. Und dann ändern sich auch einfach die Themen. Ich glaube, wir bleiben uns schon ähnlich, aber trotzdem verändern sich einfach Themen, auch weil wir älter werden, erwachsener werden – “erwachsener” werden. Wir schreiben ja schon aus unserem Leben raus, deswegen ändern sich vielleicht die Inhalte. Aber ich glaube, der rote Faden bleibt trotzdem gleich.

Linda: Vom Musikautor*innen Preis ist es ja quasi nur noch ein Katzensprung bis zu den großen Awards. Da denke ich jetzt zum Beispiel an die Grammys. Da werden ja bekanntermaßen auch von Artist ausgewählte Songs gespielt und performt. Und da haben wir uns so ein bisschen die Frage gestellt, weil wir natürlich wissen, was für ein Event immer eure Live Performances sind, welchen Song von euch würdet ihr bei den Grammys performen und wie würde die Performance aussehen?

Lotta: Da ist ja dann alles möglich, also das ist schon sehr schwierig.

Nina: Ich wollte gerade sagen, mein großer Traum ist es ja eigentlich, dass wir mal Feuer spucken, aber da kommt uns immer der Brandschutz in die Quere.

Lotta: Ja bzw. dass wir eine Person brauchen, die einen Pyro-Schein hat.

Nina: Und natürlich würde ich dann etwas mit allen Elementen machen. Eine Elemente Show, also auch mit Wasser und ganz viel Feuer.

Lotta: Und wenn es nur ein Song ist …

Nina: Ich würde auch auf “16 Jahr, blondes Haar” gehen, weil das ist auch unser Intro Song. Da sehe ich das vor mir, wie dann alles brennt und Windmaschine und noch ein Chor – ja, das seh ich vor mir.

Lotta: Also unsere Ideen sind immer erst mal zu groß und wir müssen die dann einkochen auf das, was produktionstechnisch gerade möglich ist, generell in der Welt, auf Bühnen. Dann wird immer gesagt, ja, man kann halt nicht so einfach fliegen und ich bin so, wieso nicht? Und deswegen – die Ideen, die großen, sind da. Wir brauchen nur die Möglichkeit und die finanziellen Mittel, um die dann umzusetzen. Deswegen, wenn die Grammys anrufen, da wären wir sofort bereit.

Fee: Wir sprechen unter anderem ja heute, weil ihr einen Tourstopp bei uns in Münster bald habt. Das letzte Mal wart ihr im Januar 2024 hier im Skaters Palace. Wie habt ihr Münster so in Erinnerung?

Lotta: Uns wurde immer gesagt, Münster ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands. Dann sind wir dorthin gegangen und haben das natürlich unter diesem Blickwinkel angeguckt und waren kritisch unterwegs. Wir konnten das dann nur unterschreiben, weil alle Leute gefühlt – also die Leute, die ich getroffen habe – die waren alle jung, irgendwie gut gelaunt mit dem Rad unterwegs … es war wie eine Utopie.

Nina: Es ist auf jeden Fall eine übelst schöne Stadt, um sich draußen aufzuhalten. Es schien auch immer die Sonne, wenn wir da waren und so…

Lotta: Ich fand es dort nur toll!

Nina: Ich weiß auch, dass die Konzerte immer geil waren, dass die Leute irgendwie witzig waren.

Lotta: Wir haben uns da ist ein richtiges Bild gemacht. Wir waren noch irgendwo auf einer Party und dann wurde eine Freundin dort auf einer Bank tätowiert und so. Also Münster hat uns bisher gut getan.

Fee: Wir waren zuletzt in Hamburg bei euch bei einer Show, wissen also schon so grob, was einen da erwartet. Aber beschreibt doch mal für unsere Hörer*innen ein Blond-Konzert.

Nina: Wir haben ja gerade schon über die Grammys und so geredet … also es ist Musik, es ist aber auch Choreografie.

Wir sind auch davon abhängig, dass die Fans uns quasi anheizen und Gesänge einstudieren und alles. Es gibt auch viele Unterhaltungen zwischen den Fans und uns. Wir haben ja auch einen Podcast, deswegen kann es auch mal sein, dass eine Zwischenansage zehn Minuten geht, weil wir uns verquatschen.

Lotta: Also generell kann man glaube ich sagen, dass es einfach unterhaltsam ist. Egal, ob man jetzt das kennt oder nicht kennt, es lohnt sich auf jeden Fall mal vorbeizuschauen, weil man auf jeden Fall einen tollen, unterhaltsamen, runden Abend hat.

Nina: Genau. Es ist das perfekte Konzert, wo man jemanden mitschleifen kann, der uns nicht kennt. Das ist trotzdem immer – glaube ich – für alle interessant. Das ist komisch, so was über seine eigenen Sachen zu sagen.

Lotta: Ich finde das nicht komisch.

Nina: Sollen ja alle kommen.

© Mia Morgan (@mialisamarie)

Fee: Ihr habt da ja wirklich einige interaktive Elemente dabei. Stellt ihr da in der Planung, wenn ihr das so zusammenstellt, auch gezielte Ansprüche an euer Tourkonzept? Habt ihr da so ein paar Sachen, die ihr auf jeden Fall dabei haben müsst, weil es sonst keine richtige Blond-Tour ist?

Lotta: Auf jeden Fall. Man merkt ja über die Jahre auch, was einem selbst viel Spaß macht und dann sitzt man im Proberaum und sagt immer “An der Stelle hoffe ich, dass das Publikum das und das macht” und so. Dann nach der ersten Show kann man daran immer feilen, weil man dann merkt, okay, das und das kommt lustiger, wenn ich das so und so sage oder so. Aber das ist ein ständiger Prozess von immer weiter optimieren, damit man die Leute auch immer mehr kriegt.

Fee: Man munkelt ja auch, dass an irgendeiner Stelle des Konzerts die Fans auch euch was zurückgeben. Habt ihr denn da Wünsche an eure Fans?

Lotta: Ich glaube, es gibt ganz viele Menschen, die haben ein tolles Talent und die werden aber nie danach gefragt. Es gibt Leute, die laufen rum und sind so, ja, ich kann ein Salto.

Nina: Oder die können zum Beispiel jonglieren.

Lotta: “Ich kann das, aber mein Chef auf Arbeit fragt mich nie, kannst du einen Salto?” Und wir sind dann quasi in dem Moment für all diese Menschen da, die ein Talent haben, ein verborgenes und das sehr gern mal präsentieren wollen. Und da geht dann der Moshpit auf und da können alle die Lust haben, was präsentieren. Es muss aber auch jetzt nicht nur was Akrobatisches sein. Man kann auch ein Gedicht vortragen.

Nina: Es gab Leute – na gut, das ist akrobatisch – die haben ihren Ellenbogen angeleckt. Das ist auch ein Skill, den man erst mal erlangen muss.

Lotta: Es gab Leute, die haben Jonglierkeulen reingeschmuggelt und haben jongliert. Fand ich auch schön.

Nina: Es wurde getwerkt.

Lotta: Man kann Grimassen ziehen, man kann … also was man auch da machen will, das ist so ein bisschen wie ein Talente Wettbewerb dann in dem Moment.

Fee: Vielleicht nochmal zu euren Fans, weil wir da gerade schon dabei sind. Die nennen sich ja Blondinators und wir wissen, das ist eine sehr sweete Community. Was schätzt ihr an den Blondinators besonders?

Nina: Wir gehen ja auch viel auf andere Konzerte privat und ich mag das bei unseren Konzerten, dass die Menge sich als kollektive Gruppe begreift. Man geht alleine zu einem Konzert, aber dort ist man dann Teil der ganzen Gruppe. Die sind dort miteinander und tauschen sich aus, lernen sich kennen. Es ist wie eine Community.

Und das ist irgendwie so das, was man sich ja von der Gesellschaft erhofft.

Lotta: Ich schätze an denen, dass sie sehr auf unsere Ideen vertrauen. Beim letzten Album hatten wir zum Beispiel eine Unterwasser-Listening-Session und da konnte man sich als Fan bewerben. Dann haben die eine Nachricht bekommen, morgen um 9, in dem Schwimmbad, Badesachen mitbringen. Und wir waren so wie, wir kommen einfach mal hin und gucken, was es wird. Dass die uns einfach vertrauen und man dann solche Aktionen machen kann, weil die quasi sagen, es wird schon irgendwie cool werden. Dass die einem da einen Vertrauensvorschuss geben, das ist auch immer toll.

Fee: Mit welchem Gefühl wollt ihr die Leute nach dem Konzert nach Hause schicken?

Nina: Ich will eigentlich, dass die noch die ganze Zeit die Songs singen.

Lotta: Ja, wie wenn man im Kino noch so hochgehypt vom Abspann ist, weil da noch mal ein übelst geiler Song kam. So wünsche ich mir das beim Konzert.

Fee: Auch für eure Tour-Promo seid ihr sehr kreativ geworden auf Insta und habt zum Beispiel Leute eingeladen, die an Sodbrennen leiden. Oder wenn man sich nicht so wohlfühlt in lauten Räumen oder mit vielen Menschen, dass man dann auf jeden Fall zu eurer Tour kommen sollte. Warum sollte man aber denn nicht auf ein Blond Konzert gehen oder wann? Was sind da die Ausschlusskriterien?

Nina: Na, es gibt Leute, die sind nicht erwünscht.

Lotta: Wenn man jetzt Nazi ist, würde ich es nicht empfehlen.

Nina: Ich würde es nicht nur nicht empfehlen. Ich würde sogar sagen, du bist hier nicht willkommen.

Lotta: Da kommst du nicht rein. Und wenn du allergisch bist gegen gute Vibes oder wenn du ein Problem hast mit coolen Menschen. Wenn Menschen nicht gerne umgeben sind von guter Musik, dann sollte man nicht kommen.

Nina: Ja, wenn du einen schlechten Musikgeschmack hast, dann lieber nicht.

Linda: Kommen wir vielleicht jetzt noch mal kurz zum Album. Eure Tour trägt ja den gleichnamigen Titel wie euer Album und ihr träumt auf eurem Album von Liebe. Habt ihr während des Entstehungsprozesses des Albums oder vielleicht jetzt auch in der Zwischenzeit, seitdem es draußen ist, etwas Neues in Bezug auf Liebe gelernt?

Nina: Also während des Schreibens beim Album? Ja, auf jeden Fall. Das sind ja dann auch so die Sachen, die man da so durchkaut auf den Songs.

Auf solche Freundschaften ist einfach immer Verlass und man muss die auch pflegen und schätzen, weil der gemeinsame Austausch – auch über Missstände – ja einfach was ist, was unfassbar wichtig ist. Das habe ich jetzt nicht neu gelernt, aber das ist einem noch mal bewusster geworden.

Linda: Ihr lasst im Intro eures Albums ja chorale Fangesänge erklingen, die euch als Götter besingen. Da haben wir uns so ein bisschen die Frage gestellt, was kommt denn jetzt noch danach? Was ist der nächste Schritt? In welchen Olymp wollt ihr noch aufsteigen?

Lotta: Also wir wollen ja noch nicht zu viel verraten, aber es ist auf jeden Fall immer noch Luft nach oben, ist uns aufgefallen.

Linda: Okay, wir sind gespannt.

Fee: Wir bleiben gespannt. Ihr habt es ja gerade schon mal kurz erwähnt, ihr habt einen Podcast, dann habt ihr noch eine Radioshow und eine Band. Welches Medienformat möchtet ihr eigentlich noch erobern?

Lotta: Was wir noch nicht richtig haben ist Fernsehen, oder?

Nina: Naja gut, Fernsehen waren wir auch. Wir waren ja bei Inas Nacht und so was schon, Morgenmagazin…

Lotta: Aber ich meine, eine eigene Sache haben wir da noch nicht.

Nina: Ich hoffe ja, es schreiben gerade ganz viele Leute in Deutschland schon unsere Biografien. Ich finde es gut, wenn wir noch mehr im Literaturbetrieb, in Romanen, auftauchen und so. Also es gibt ja den Roman “Superbusen” von Paula Irmschler. Da werden wir auch als Blond genannt und davon wünsche ich mir mehr. Mehr davon.

Fee: Noch mal kurz zu der Radioshow. Wenn man das schon mal gehört hat, dann weiß man, dass ihr euch viel auch mit fremder Musik auseinandersetzt. Wenn ihr selber an Songs arbeitet, hört ihr dann auch weniger Musik von außen oder lasst ihr euch da gerne auch irgendwie als Artists inspirieren von anderen?

Nina: Also wir hören schon echt, echt viel Musik und unterhalten uns drüber. Das nimmt dann immer noch mal zu im Albumprozess. Da hört man noch mehr und da gibt es dann schon dieses “Guck mal, wie die den Song hier gemacht haben, guck mal, wie die das geschrieben haben, guck mal, wie der Text ist.”

Lotta: Und vor allem muss man sich das mal überlegen, wie krass das eigentlich ist, dass jeden Freitag extrem viele neue Musik released wird. Man kann da nur versuchen, irgendwie hinterherzukommen. Und deswegen ist es eigentlich was, was nie aufhört und auch nie aufhört, Spaß zu machen, finde ich.

Fee: Wir sind ja hier auch ein Studi-Radio. Sagt mal, was schätzt ihr eigentlich am Format Radio?

Nina: Ich liebe Radio. Wir sind aufgewachsen in einer Familie, wo immer das Radio lief und man quasi den ganzen Tag zwischen Interview, Talkshow, absurden Gedichten und Interpretationssendungen zu Musik hin und her gewechselt ist. Ich finde Radio toll.

Lotta: Ich liebe Radio auch.

Nina: Das ist geil, einfach mal Radio anzuschalten. Ich mag auch im Auto Radio hören. Bei Streaming Anbietern und so, da hast du entweder die Musik, die dir sowieso gefällt oder du kriegst halt reingespült, was dir wahrscheinlich gefällt und du gehst dann nicht mehr so raus aus deiner Bubble. Und im Radio kommt ja auch einfach mal ein Song, den du vielleicht gar nicht kennst und du lässt dich aber doch drauf ein.

Fee: Wenn man euren Podcast mal gehört hat, dann weiß man, ihr macht viel noch um eure Musik drumherum und habt eine Menge Spaß. Was ist so euer Rat, vielleicht auch für junge Studis, zwischen so vielen Projekten auch noch Spaß zu haben?

Nina: Das ist schwierig.

Lotta: Ich glaube, unser Glück ist ja, dass wir gesagt haben, um im Podcast über Sachen zu reden, müssen wir Sachen erleben. Deswegen kann man dann quasi immer, wenn man irgendwo ist und Spaß hat, sich das so drehen, dass man sagt, naja, das ist ja gerade meine Arbeit. Ich weiß nicht, wie man das auf Studieren übertragen könnte. Meine Freundinnen, die studieren, hatten trotzdem immer viel Freizeit. Ich glaube natürlich nicht, weil das generell so ist, sondern weil die sich die Zeit genommen haben. Aber ich will jetzt auch nicht den Medizinstudierenden sagen, nimm dir einfach mal einen Tag frei, guck einfach mal nicht in die Bücher. Ich habe keine Uni von innen gesehen. Ich kann das gar nicht sagen.

Nina: Wir versuchen in allem, was wir machen, egal ob es Musik ist oder der Podcast, die Radiosendung, unterhaltsam zu sein und Leute zu unterhalten. Und vielleicht ist das schon das, was wir an die Leute, die dann wichtigerweise Medizin studieren oder so, zurückgeben können. Dass wir sagen, ey, du kannst auch mal, falls du Bock hast, eine halbe Stunde unseren Podcast hören und vielleicht hast du ein bisschen eine gute Zeit zwischen dem Lernstress.

Lotta: Genau, und dann können die sich vorstellen, dass sie die Sachen selber alle erlebt haben.

Nina: Das ist wie beim Konzert. Da hoffen wir auch immer, dass die Leute einfach eine geile Zeit haben.

Linda: Mit Blick auf die Tour und auf die Tour Ankündigung ist uns direkt eine Sache aufgefallen und zwar sind das die wirklich bangermäßigen Support Acts. Diesmal habt ihr u.a. Emma Rose, Mariybu, Sarah 4K und Yung FSK 18 dabei. Und ich glaube, diejenigen, denen diese Namen was sagen, die checken eigentlich, was das für ein krasses Lineup ist. Wie wichtig ist es euch weiblichen bzw. queeren Stimmen eine Plattform zu geben, auch mit eurem Projekt selber? Und habt ihr das Gefühl, dass sich da in den letzten Jahren in der Musikbranche etwas zum Positiven gewendet hat?

Lotta: Also die Leute, die haben wir dabei haben, die lädt man ja ein, weil die einfach geile Musik machen. Da sitzt man dann jetzt nicht da und sagt, gut, dass das eine FLINTA*-Person ist oder so, sondern es ist einfach wie glücklicher Zufall, dass die alle extrem gute Musikerinnen sind. Es gab ja in den letzten Jahren immer mehr die Debatte über die Festival-Line-Ups und ganz viele Festivalbooker sagen dann immer, naja, aber es gibt nicht so viele Headliner, die eine hohe FLINTA*-Beteiligung haben. Und da muss man natürlich fragen, wo sollen die denn herkommen, wenn die nicht gefördert werden? Du wirst ja in den seltensten Fällen von 0 auf 100 berühmt, sondern in den meisten Fällen spielst du dich hoch, du kannst Erfahrung sammeln und so. Damit das passieren kann, müssen halt FLINTA*-Acts auch mal Bühnen bekommen.

Nina: Wir haben ja selber das Privileg gehabt, dass wir viel Support gespielt haben bei anderen Bands. Und deswegen freut man sich natürlich, wenn man Leuten da auch die Chance geben kann, von denen man selber Fan ist. Wo man sagt, alter, das ist einfach geile Mukke, dass man die dann auch supportet und pusht. Und ich habe schon das Gefühl, das ist in unserer Indie-keine-Ahnung-was-Bubble schon gang und gäbe, dass man jetzt schon darauf achtet, FLINTA*-Personen als Support mitzunehmen. Aber da ist natürlich trotzdem großer Nachholbedarf. Gerade auch bei Festival-Line-Ups. Da sind wir noch meilenweit entfernt von einer Ausgewogenheit.

Linda: Vielleicht um so ein bisschen im Thema zu bleiben, am Sonntag ist ja feministischer Kampftag. Auf “Girlboss”, ein Song auf “Ich träum doch nur von Liebe”, singt ihr mit einer ordentlichen Portion Ironie von der Verwechslung von einer klaren feministischen Haltung mit Marketingstrategien und performativem Konsum. Was sind denn so eure Tipps, um das Patriarchat am Sonntag und an allen anderen Tagen im Jahr richtig zu ficken?

Nina: Also es immer gut – da kommen wir wieder zu dem kollektiven Gedanken – wenn man auf die Straße geht, sich mit anderen zusammentut, sich vernetzt, sich irgendwo engagiert bei Bündnissen, Vereinen, usw. Und am 8. März ist natürlich viel los auf der Straße.

Das ist wirklich was, wo ich sage, das macht komplett Sinn. Und sich vernetzen halt, sich austauschen, zusammenhalten, im Gespräch bleiben. Vielleicht auch ein bisschen mehr aus dem Internet raus, mehr ins echte Leben und gucken, wo da quasi Hilfe gebraucht wird.

Linda: Habt ihr vielleicht noch einen guten Soundtrack, um das Patriarchat zu ficken?

Lotta: Ich will jetzt nicht meinen eigenen Song vorschlagen.

Nina: Ich gucke jetzt mal hier kurz bei meinen Lieblingssongs. Vielleicht nehmen wir ja gleich einen von einem unserer Support Acts. Oder wir nehmen von Ikkimel “Giftmord”

Lotta: Ja!

Linda: Okay, eine gute Choice. Dann würde ich sagen, haben wir zum Abschluss noch mal, um den Bogen zu spannen, zwei random Fragen. Und zwar starte ich einmal: was nervt euch gerade besonders?

Lotta: Mich hat genervt…

Nina: Ich finde es gerade ganz schwer nicht genervt zu sein von allem, also im Sinne von vom gesamten Weltgeschehen.

Lotta: Okay, ich wollte extra irgendwas richtig dummes sagen. Ich wollte sowas sagen wie, ich kaufe mir Paprika und die war geschimmelt innen.

Linda: Oh mein Gott, das letzte Interview, das ich geführt habe, da hat die Person auch gesagt, dass sie eine verschimmelte Paprika im Kühlschrank hat.

Lotta: Die sind gerade alle verschimmelt und teuer. Ich habe mir drei Paprikas gekauft. Mir wurde gesagt, die roten sind gesünder als ein Apfel. Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Das habe ich auch nicht noch mal nachrecherchiert. Und da war ich so, doch, ich gehe da jetzt rein und dann habe ich die aufgeschnitten und die war komplett durchgeschimmelt innen, alle drei. Und das macht mich sauer.

Fee: Und dann zum Schluss: worauf seid ihr gerade besonders stolz?

Nina: Auf den GEMA Preis immer noch. Das zieht sich gerade.

Lotta: Das wird auch jetzt erstmal bis zum nächsten Preis lange anhalten.

Linda: Dann würde ich sagen, ganz lieben Dank an euch beide, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Ich würde sagen, wir sehen uns auf jeden Fall in Münster.

Nina: Ja, sehr gerne und kommt gern vorbei.

 

Beitragsbild: © Can Wagener (@canwagener)

Artikelbilder: © Mia Morgan (@mialisamarie), Pixabay, Canva

Grafiken: © Fee Briesemeister

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