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Jo The Man The Music im Interview

Written by , on 27. Februar 2026


Jo The Man The Music – so heißt das Solo-Musikprojekt der aus Österreich stammenden Johanna Gußmagg. Zusammen mit introspektiven Lyrics kreiert sie einen intimen Sound, der einen zum innehalten bringt, um genauer hin zu hören. Ihre Debüt-Single „Skinny Dipping” hat unsere Musikredaktion beim Hören direkt überzeugt und ihr konntet sie einige Wochen bei uns auf Rotation hören. Am 16. Januar 2026 erschien dann ihre Debüt-EP „Soft Skin”. Radio Q Musik-Redakteurinnen Linda Kurtenbach und Marie Herrmann hatten die Chance mit Jo über Zoom zu sprechen. Dabei ging es um ihre musikalischen Anfänge, ihren kreativen Schaffensprozess und wie wichtig es ist, verbündete Menschen um sich zu haben, mit denen man sich über seine Erfahrungen austauschen kann.


Q: Wir sind hier heute mit Joe The Man The Music. Erst mal schön, dass du da bist. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

Jo The Man The Music: Danke euch. Ich freue mich.

Q: Vielleicht um erstmal reinzustarten: wie geht es dir?

Jo The Man The Music: Gut, eigentlich. Also ich bin gestern Nacht von der Support-Tour nach Hause gekommen. Das geht jetzt heute direkt nach gleich weiter mit den Vorbereitungen für den ESC-Vorentscheid, mit dem Band Projekt. Also sehr, sehr, sehr viele aufregende Dinge, die sehr dicht aneinander gereiht sind. Aber gut, eine gute Art von Müdigkeit.

Q: Das klingt auf jeden Fall auch ein wenig stressig. Hast du denn heute schon Musik gehört, um dich ein bisschen auf diesem Vibe zu begleiten?

JTMTM: Nein, irgendwie nach den letzten zweieinhalb Wochen und jeden Abend Konzert und immer lauter Musik höre ich gar nicht so viel Musik. Also ich war heute schon spazieren und ich habe kurz überlegt, die Kopfhörer mitzunehmen und dann dachte ich, ich muss kurz mal auf die Umgebung irgendwie hören und keine Musik hören.

Q: Manchmal tut das ja auch ein bisschen gut, mal nichts auf den Ohren zu haben. Du hast es gerade schon ganz kurz angesprochen. Du warst gerade viel unterwegs auf Support-Tour. Wie sah denn dein Tagesablauf in den letzten Wochen aus? 

JTMTM: Spät ins Bett und spät aufstehen und wenig Schlaf, aber ganz, ganz, ganz, ganz schöne Konzerte jeden Abend. Es war echt eine große Ehre, dass ich da dabei sein durfte. Ich hatte das davor noch nie, wirklich elf Konzerte in Folge zu spielen und jeden Abend oder jeden Mittag in einer anderen Stadt aufzuwachen. War wirklich extrem aufregend.

Q: Du warst ja quasi selber auf Tour, als Support für Benjamin Amuro.

JTMTM: Ja.

Q: Hast du etwas Besonderes über dich oder über das Tourleben dazugelernt?

JTMTM: Ich habe mega, mega, mega viel dazugelernt. Richtig schwer, das so runterzubrechen und ich glaube, ich brauche auch noch ein paar Tage, das zu verarbeiten. Aber es war eine ganz, ganz, ganz liebe und sehr eingespielte Crew. Und ich glaube, da kann man sich ganz viel von abschauen, was man alles so gemeinsam erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Das war richtig, richtig schön zu sehen. Und auch, dass in deren Show und Produktion so viel Liebe drinnen steckt und die das so durchgedacht haben von vorne bis hinten, war extrem inspirierend.

Q: Wie sieht denn so eine Joe The Man The Music Live-Show aus? Weil wir sind ja leider nicht in den Genuss gekommen.

JTMTM: Ich rede gerne auf der Bühne, meistens auch viel, wenn ich gut gelaunt bin, was im Idealfall bei einem Konzert-Tag der Fall ist. Ich habe das Gefühl, es ist immer eine sehr aufmerksame Stimmung, was mich total freut, sogar auch jetzt bei den Support-Konzerten, aber vor allem natürlich bei den eigenen Shows. Es ist irgendwie mega das schöne Gefühl, wenn man spürt, dass alle gerade so in einem Bann sind und alle gerade das Gleiche fühlen. Mein Lieblingssong, den ich spiele, ist Soft Skin, weil ich da meistens das Publikum frage, ob die mit mir singen. Ich habe das Gefühl, das öffnet immer alle noch mal so ein bisschen, da kommen immer alle ein bisschen aus ihrer Haut raus. Das ist, glaube ich, aktuell mein Favorite Song, den live zu spielen.

Kids are mean, so are men With guitars in their hands Make me wish to be like them Don’t you think that I could be your man? And in the dark when all the tension Leaves my body feeling sore You’ll see, that once you hold me I got Soft Skin only
— „Soft Skin“ · Jo The Man The Music

Q: Letztes Jahr ist ja super viel für dich passiert. Hast du eine Lieblingserinnerung an die Zeit?

JTMTM: Ich war im Herbst mit meiner Band in Frankreich und wir haben eine Live-Session aufgenommen, die jetzt auch bald rauskommen wird. Und ich glaube, das war schon eine meiner allerliebsten Lieblingswochen, weil es gegen Ende vom Jahr war und ich auch so ein bisschen die Zeit hatte, zu realisieren, was dieses Jahr eigentlich alles so passiert ist. Wir haben die EP-Songs recordet, wir haben auch an neuen Songs gearbeitet, was mir sehr gut getan hat. Dann fühlt man sich wieder inspiriert für das, was danach noch kommen könnte. Ich hatte eine gute Freundin dabei, ich hatte meine ganz wunderbare Band dabei und es war eine sehr bereichende Woche.

Q: Das klingt auf jeden Fall super, super schön. 2025, haben wir jetzt gehört, war super viel los. Das war so der Start von deinem Projekt. Und es ist jetzt Februar, also vielleicht ein bisschen spät für Neujahrsvorsätze, aber was ist für 2026 vielleicht die Erwartungshaltung oder was sind deine Wünsche für das Jahr?

JTMTM: Ich glaube, ich habe echt wenig Wünsche, weil ich mir immer denke, das, was sich ergibt, das wird sich ergeben und alles andere hätte wahrscheinlich eh gerade nicht so rein gepasst ins Leben. Und bisher war irgendwie immer klar, was der nächste Schritt sein wird und es hat immer das eine zum anderen geführt oder die eine Möglichkeit zur anderen Möglichkeit. Vielleicht wünsche ich mir, dass es so weitergeht, dass man Schritt für Schritt irgendwie weitergeht, ohne dass es jetzt der riesengroße Erfolg plötzlich sein muss. 

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© Friedrich Peters

Q: Ist ja vielleicht auch eine ganz gesunde Haltung, vor allen Dingen im Musikbusiness. Würdest du sagen, dass du diese affirmative Haltung, dass du es so nimmst, wie es kommt, von Anfang an gehabt hast oder war das eine Sache, die du lernen musstest?

JTMTM: Ja, schon. Ich hatte wirklich keine bestimmte Erwartungshaltung, als ich das Projekt gestartet habe. Auch nicht, als ich nach Berlin gegangen bin. Ich kann mich noch erinnern, manche Leute waren irgendwie so: „Oh, und was erwartest du dir jetzt?” oder „In Berlin wartet auch niemand auf dich.”
Die Musikbranche wird dich nicht mit offenen Armen begrüßen, aber irgendwie hat sich es doch von Anfang an so angefühlt. Es war immer sehr organisch, irgendwie, dieses Wachstum und auch, dass ich daran wachsen konnte. Ich glaube, ich würde mir gar nicht wünschen, dass es mehr Konzerte gerade wären oder mehr was auch immer. Ich will es ja auch wahrnehmen und ich will die Konzerte wahrnehmen, will die Menschen wahrnehmen, die die Musik hören. Und auch, dass ich jetzt bei der Support-Tour irgendwie alleine gespielt habe und alleine jeden Abend den Merchstand aufgebaut und wieder abgebaut habe und jede Platte den Personen persönlich in die Hand drücken konnte war so schön, weil man dann ein besseres Gespür dafür bekommt, wohin diese Musik irgendwie auch geht.

Q: Ich würde gerne noch mal kurz über die Anfänge und auch deinen Namen ein wenig quatschen, weil ich kann mich noch super gut an die Promo-Mail erinnern, in der deine Single geschickt wurde, weil die da geschrieben hatten: „Was passiert vor eurem inneren Auge, wenn ihr ,Jo The Man The Music’ hört? Wir bezweifeln irgendwie, dass ihr eine junge Songwriterin Mitte 20 gesehen hättet…” und das ist irgendwie super bei mir hängen geblieben, auch weil ich selber erst mal kurz überlegen musste: Ja, was oder wen stelle ich mir denn jetzt unter Jo The Man The Music vor? Welche Assoziationen hast du oder hattest du bei dem Namen und inwieweit wolltest du gezielt mit diesem Irrtum spielen?

JTMTM: Also ich glaube, meine erste Assoziation war schon so eine Dead Rock Band, Mitte 50, vielleicht. Aber ich liebe das irgendwie auch daran und ich liebe auch, dass der Name so viele Fragen mit sich bringt. Bisher kam auch in jedem Interview die Frage: „Warum The Man oder warum der Name?” und ich finde es voll schön, weil die eine Frage dann zur nächsten leitet: „Okay, was ist meine Erwartungshaltung an The Man oder an den ganzen Namen?” Und ich habe ganz lange überlegt, wie ich das Projekt taufen soll. Die Songs waren quasi alle fertig und es gab noch immer nicht den finalen Namen. Und dann kam der irgendwie zu mir und von Sekunde eins hat sich es mega richtig angefühlt. Ich habe Freunden davon erzählt und die haben mich alle mega verwirrt angeschaut und waren so: überleg vielleicht noch mal. Und das war das erste Mal, dass es mir ganz egal war, weil ich fand den Namen mega schön. Ich fand die Bedeutung mega toll, ich fand es richtig gut, dass es eine gewisse Art von Dialog aufmacht und eine Frage mit sich bringt und dann hoffentlich hängenbleibt         

Q: Das ist auf jeden Fall schön, dass der Name und du so zueinander gefunden haben. Vielleicht mal so ein bisschen plakativ gefragt: Wie kam es denn dazu, dass aus Johanna, Joe The Man The Music geworden ist? Gab es Schlüsselmomente, die für dich den Weg geebnet haben, diesen dann auch zu gehen?

JTMTM: Auf jeden Fall. Ich glaube, so der Umzug oder die Zeit in Berlin waren, vor allem wenn ich jetzt so rückblickend draufschaue, mega prägend. Auch den Schritt zu machen, aus einer Stadt rauszuziehen, die man gut kennt und wo alle Freunde sind und die so total die Komfortzone ist. Und es waren mega viele Eindrücke in dieser ersten Zeit und es waren auch voll schöne Erfahrungen, aber mein Umfeld – auch musikalisch – war anfangs extrem männlich geprägt. Ich musste dann auch wirklich irgendwann aktiv beschließen, okay, ich organisiere jetzt einen FLINTA* Songwriting-Circle und schaue, dass mehr Frauen wieder in mein Leben kommen, weil ich es richtig vermisst hatte.

Das war schon sehr prägend. Auch zu sehen, mit welcher Leichtigkeit, manchmal auch Sicherheit, sie Räume betreten können und automatisch wahrgenommen werden. Und ich glaube, nach diese Art von Sichtbarkeit habe ich mich schon auch gesehnt oder ich dachte mir so: Okay, krass. Ich habe schon das Gefühl, vielleicht zweimal so laut etwas sagen zu müssen, dass es ansatzweise so ernst genommen wird, wie eine männliche Person neben mir.

Trotzdem bin ich sehr froh, dass es so passiert ist und ich glaube, ich habe mir mit dem Namen auch in einer gewissen Art und Weise diese Art von Sichtbarkeit geschnappt.

Q: Deine Songs drehen sich inhaltlich um die Zeit als junge Frau in den 20er und alles, was irgendwie damit einhergeht. Wir haben uns gefragt, was inspiriert dich momentan oder hast du Empfehlungen, die dir gerade super viel geben?

JTMTM: Ich glaube, am meisten gibt es mir tatsächlich immer, Musik zu schreiben oder generell zu schreiben, auch Tagebuch abends zu schreiben. Vielleicht eine Empfehlung, sich Verbündete zu suchen. Ich habe das richtig gemerkt, die letzten Monate oder auch im letzten Jahr, wie unglaublich wertvoll das ist, wenn man Menschen um sich hat, die im gleichen Boot stecken und die die gleichen Erfahrungen haben, die ähnliche Probleme auch erlebt haben. Das gibt so unglaublich viel Kraft, wenn man denen eine Situation schildern kann und die einfach sagen können: „Ich kenne es. Ich hatte es genau das schon mal”, und man dann darüber sprechen kann. Also ja, sich zu verbünden, würde ich sagen.

© Friedrich Peters

Q: Du hast ja jetzt gerade schon kurz das Tagebuchschreiben erwähnt und ich finde, auch bei deinen Liedtexten merkt man schnell, dass die von einer Person kommen, die sehr reflektiert schreibt oder der man anmerkt, dass das Schreiben eine Art ihrer Kunst ist. Würdest du sagen, dass das schon immer so gewesen ist, dass das Schreiben deine künstlerische Art ist, Selbstausdruck zu finden, oder ist das was, was du erst lernen musstest?

JTMTM: Ich glaube, es war schon in einer gewissen Art und Weise immer … Also ich habe, seit ich denken kann, Gedanken oder Gedichte oder einfach Dinge aufgeschrieben und auch schon seit ich denken kann, Songs geschrieben. Deshalb fühlt sich das sehr natürlich auf eine Art und Weise an. Aber ich finde es auch mega schön, mit anderen kreativen Dingen irgendwie Ausdruck zu finden. Dieser musikalische Prozess ist mir total ans Herz gewachsen, auch im Entstehungsprozess dieser EP. Ich habe Studioarbeit davor schon teilweise eher immer als stressig wahrgenommen oder vielleicht ein bisschen anstrengend, gerade wenn man das Gefühl hat, man muss sich irgendwie mega behaupten oder man muss seine Meinung eher mit Anstrengung durchsetzen. Und ich glaube, bei der EP hatte ich das Glück, dass ich die richtigen Leute gefunden habe, mit denen ich das machen kann. Die mir auch mega viel Raum gegeben haben, wo ich dann auch gemerkt habe: „Boah, ich habe so viel Freude daran, irgendwie Gitarren einzuspielen.” Und für mich ist das genauso emotional und erzählt genauso eine Geschichte, in Kombination natürlich mit den Texten. 

Q: Wo findest du in der Schnelllebigkeit, die ja schon eine sehr essentielle Charaktereigenschaft von der Musikbranche ist, Momente für dich, deinen Ideen und deinem Sound Raum zu geben? Weil ich finde, wenn man die EP hört, muss man sich ein wenig darauf einlassen und es ist ein sehr intimer Sound. 

JTMTM: Ich glaube, dadurch, dass es jetzt die erste EP war, hatte ich den großen Vorteil, dass niemand darauf gewartet hat, bzw. ich mir die Zeit nehmen konnte und das dann auch gemacht habe. Ich bin persönlich einfach kein Fan von dieser Schnelllebigkeit. Ich habe das Gefühl, mein Kopf kommt da teilweise nicht mit.Und ich glaube, ich versuche, einfach bewusst ein bisschen in die andere Richtung zu gehen und bewusst mir Zeit zu nehmen für die Dinge, die mir auch musikalisch in diesem ganzen Entstehungsprozess wichtig sind. Es ist so viel Masse da, nicht nur an Musik. Man macht sein Handy auf und man wird überflutet mit irgendwelchen Eindrücken. Und ich habe schon das Gefühl, dass Dinge, die eine gewisse Art von Qualität haben, wo man merkt, dass Leute Liebe und auch Zeit reingesteckt haben, sich schon durchsetzen können.

Generell glaube ich, dass man alles, was man an Energie reinsteckt, man in irgendeiner Art und Weise auch zurück bekommt. Man weiß vielleicht nicht in welcher, aber ich glaube, bewusst nicht mitgehen mit dieser gewissen Art von Geschwindigkeit ist für mich mega wichtig.

Q: Ist ja auch mal gut, sich da ein bisschen abzukapseln von. Du hast ja eben darüber gesprochen, dass du im Studio dann auch super gerne Gitarren einspielst, aber wir haben auch mitbekommen, dass du ja mit klassischer Musik aufgewachsen bist. Wie ist dann dieser Bruch entstanden, dass du dann von Geige und Klarinette dann eher zu Gitarren und kommerzieller Musik eher geswitched bist?

JTMTM: Ich habe, seit ich denken kann, eigene Songs geschrieben und das anfangs so auf einem ultra-günstigen Plastikpiano zu Hause gemacht oder auch teilweise mit Geige irgendwie versucht zu begleiten. Ist nicht das optimalste Instrument, um nebenbei noch zu singen. Dann hatte ich halt schon immer dieses Songschreiben, was ich für mich gemacht habe, habe es aber ganz, ganz lange niemandem gezeigt, weil ich das ultra-komisch fand. Ich komme aus einem mega kleinen Dorf ohne Bands oder ohne Live-Musik-Szene. Also das gibt es einfach nicht. Es gab in dem Ort, wo ich zur Schule gegangen bin, ein Kammerorchester und in dem Ort, wo ich aufgewachsen bin, eine Musikkapelle und das wars dann irgendwie. Es gibt Blasmusik, es gibt Kammermusik und das waren meine einzigen Berührungspunkte, abgesehen davon, dass ich für mich Songs geschrieben habe. Und als ich dann nach Graz bin zum Studieren, habe ich etwas Kreatives studiert und dann so mitbekommen: „Oh, krass, da spielen Leute in Bands und die haben Konzerte.” Das war so total die fremde Welt. Und auch mega schön zu sehen, dass das einfach Leute machen. Und dann bin ich da immer weiter hineingeschlittert.

Q: Nimmst du aus dieser Prägung und dieser Erfahrung, mit dieser Musik, mit der du aufgewachsen bist, in deine heutige Musikproduktion irgendwie was mit?

JTMTM: Ja, ganz bestimmt. Ich glaube, auch einfach eine gewisse Art von musikalischem Gespür. Es ist mega wertvoll, das als Kind schon gelernt zu haben. Ich spiele jetzt auch noch nicht lange Gitarre und ich habe das Gefühl, ich habe auch noch nie wirklich geübt, aber es klappt irgendwie trotzdem ganz gut. Vielleicht ist es auch wegen dem Geige-Spielen. Ich weiß es nicht.

Q: Ich muss jetzt einen thematischen Bruch machen, weil ich glaube, da kriege ich keine kreative Überleitung hin. Wir haben nämlich gerade noch kurz vor Interviewbeginn etwas auf deinem Instagram gesehen, was wir so noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Du bist nämlich auch Teil einer Band und zwar Dreamboys The Band und ihr habt heute einen Song releast mit dem Titel „Jeanie” Erst mal Happy Release! Wie kam es zu dieser Band-Konstellation?

JTMTM: Es war genau dieser Zeitpunkt Ende letzten Jahres, wo ich gemerkt habe, okay, krass, mein Umfeld ist so männlich gerade irgendwie. Ich habe ganz viele tolle Künstler:innen auch in Berlin kennengelernt, aber hatte nicht das Gefühl, dass es eine Szene gibt, die so krass miteinander connected ist, als Gruppe oder als gegenseitiges Support-System. Ich habe dann einen Songwriting-Circle bei mir im Zimmer veranstaltet und hatte das kurz in meine Story gepackt. Und das waren, ich glaube, 50 Anfragen oder so. Ich konnte dann leider nur 20 einladen, weil ich glaube, alles andere wäre im Zimmer zu knapp geworden. Und dann habe ich per Zufall diese 20 ausgewählt und wir haben uns bei mir im Zimmer getroffen und mit dabei waren eben auch Nina, Philippa und Villy. Wir waren am Abend die Letzten, die auf der Couch übergeblieben sind und die haben gemeint: „Ach, lass uns nächste Woche mal treffen.” Und dann haben wir uns getroffen und haben direkt am ersten Abend ein Cover gemeinsam miteinander aufgenommen. Das hatte dann damals ein bisschen mehr Reichweite und es gab unglaublich viele Kommentare wie „Ach, wir brauchen euch als Band” oder „Ihr seid jetzt schon meine Lieblingsband.” Und wir kannten uns zu dem Zeitpunkt eine Woche und waren so: „Never wird das passieren.” Also ultra süß natürlich, dass das Leute schreiben, aber wir waren auch irgendwie auf unser Solo-Projekt fokussiert und hatten das gar nicht so am Schirm, dass wir das jetzt so machen könnten. Und dann ist im Herbst dazu gekommen, dass wir das erste Mal zu viert auch miteinander geschrieben haben, nachdem wir uns auch gegenseitig voll viel unterstützt haben bei den anderen Projekten und gegenseitig in den Bands irgendwie so gespielt haben. Und dann gab es auf einmal „Jeanie”, den Song, und dann war es so „Okay, jetzt haben wir einen Song, jetzt können wir offiziell eine Band sein.”

Q: Das ist eine sehr, sehr coole Entstehungsgeschichte. Ihr habt in einem Insta-Reel den Song als Getränke beschrieben. Das ist mir gerade noch im Kopf geblieben. Es ging von Fanta über Tee mit einem Schuss Whiskey. Ich glaube, bei dir war es Holunder-Schorle.

JTMTM: Ja, stimmt.

Q: Was ist die Geschichte, die ihr auf Jeanie erzählen wollt?

JTMTM: Wir waren mehrere Tage im Studio, als an einem Tag auch Jeanie entstanden ist. Und lustigerweise gehen alle drei Songs, die da entstanden sind, um ähnliche Themen. Ich glaube, für uns ist so ein bisschen die Grundessenz, dass jede Person Jeanie sein kann und dass man seine eigene Jeanie auch entdecken kann als eine sehr bestärkte oder sehr freie Version von sich selbst. Und beim Schreiben hatte ich die ganze Zeit das Bild im Kopf, wie wenn Jeanie das eigene Spiegelbild ist, was sich selbst noch einen Pep Talk gibt am Morgen. 

Q: Dann zur letzten offiziellen Frage: Ihr seid mit dem Song auch im Rennen einen deutschen ESC-Startplatz. Wie kam es denn dazu?

JTMTM: Das war tatsächlich auch ein Zufall. Wir wurden gefragt, ob wir Lust hätten, bei diesem Writing Camp dabei zu sein und das war tatsächlich für den ESC. Wir haben da mitgemacht mit sehr wenig Erwartungen und waren irgendwie so: „Okay, eine Woche in Frankreich? Es gibt Schlimmeres” Am letzten Tag ist dann Jeanie entstanden und es war irgendwie mega die besondere Stimmung an dem Abend und es wurden dann immer so am Abend alle Songs auch gezeigt von den anderen und es gab eine Listening-Session. An dem Abend war es auch egal in welchem Studio man war oder in welchem Raum. Es wurde überall Jeanie gespielt. Wir waren, glaube ich, auch richtig überfordert mit dieser Art von Anerkennung. Es waren mega spannende Personen bei diesem Camp, auch voll viele internationale Songwriter:innen und dass die das so wertgeschätzt haben, was wir da gebastelt haben, war mega das schöne Gefühl. Und dann gab es diese Auswahl und dann hieß es auf einmal: „Okay, wir sind jetzt in der Auswahl” und dann waren wir so: „Okay, dann machen wir das jetzt. Aber ich glaube, wir haben es auch alle noch nicht ganz realisiert. Wir starten jetzt heute direkt mit dem Proben und ich glaube, dann wird es ein bisschen realer und ernster.

Q: Das ist auf jeden Fall super cool und es klingt so, als wäre das alles so super organisch entstanden und das sind ja meistens einfach die besten Stories. Wir drücken euch auf jeden Fall einen krassen Daumen.

JTMTM: Dankeschön.

Q: Wir hätten zum Abschluss noch zwei random Fragen für dich. Die Erste wäre: Was nervt dich gerade besonders? 

JTMTM: Da muss ich kurz überlegen. Ich bin nicht so leicht genervt. Ich finde den Schnee gerade eigentlich gut, das Wetter gut. Ich überlege gerade, worüber man ranten könnte. Ich habe eine verschimmelte Paprika im Kühleschrank, die muss ich heute noch entsorgen. Ja, da haben wir es doch. Die habe ich vor der Tour vergessen aufzubrauchen. Ist sehr schade, aber die zum Biomüll zu tragen ist schon eine kleine Überwindung.

Q: Das kann ich verstehen. Und unsere letzte Frage für dich: Worauf bist du gerade stolz?

JTMTM: Ich glaube, ich bin sehr stolz auf diese Tour und die EP auch und dass ich diese Musik so echten Menschen zeigen darf. Es liegt auch nicht nur in meiner Verantwortung, aber es ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl und es fühlt sich sehr belohnend an.

Q: Das ist auf jeden Fall was, worauf man stolz sein kann. Dann würde ich sagen, ganz lieben Dank an dich, dass du dir die Zeit genommen hast.

JTMTM: Danke euch!

Beitragsbild: © Andy Kohl