Mit der Rikscha durch Münster: ÖPNV mal anders

Written by on 17. August 2022

von Marina Scheling

Heute lasse ich mein Fahrrad mal Zuhause stehen. Kein gestresstes Strampeln und Hetzen in letzter Minute. Nur ein paar Klicks und ich steige in den kleinen Wagen eines dreirädrigen Transportfahrrads – eine Rikscha. Neben Fahrrädern, Inlinern und E-Scooter wird sie ab sofort das klassische Bild auf der Promenade und in der Innenstadt zieren. Vorerst sollen die Transportfahrräder bis zum 25. September verfügbar sein. Das Angebot der Stadt, Stadtwerke und Leezen Heroes ist klimafreundlich und wir Studierende können es sogar mit dem Semesterticket nutzen.

Radio Q-Reporterin Marina Scheling unterwegs im LeezenLoop, eine der neuen Fahrrad-Rikschas für Münster.
Radio Q-Reporterin Marina Scheling unterwegs im LeezenLoop, eine der neuen Fahrrad-Rikschas für Münster.

Klimaneutral fahren und entspannt zurücklehnen

Das ab sofort bestehende Rikscha-Angebot LOOPmünster ist ein neues Projekt, um die Mobilität in Münsters Innenstadt zu fördern. „Wir haben uns überlegt, wie man es schaffen kann, gerade in Münster die Fahrräder in den Nahverkehr einzubinden und dann sind wir auf die Idee gekommen, ein On-Demand Rikscha System zu bauen“, erklärt Florian Adler, Ansprechpartner der Stadtwerke. „Für den Nahverkehr ist das gerade in der Innenstadt eine schöne Ergänzung, weil es da viele engere Straßen gibt, durch die gar keine Busse fahren. Oder unechte Einbahnstraßen, die mit dem Fahrrad aber nicht mit Auto oder Bus befahren werden dürfen.“ Gerade in der Innenstadt kann die Rikscha also einen Mehrwert als Ergänzung zum bestehenden Busverkehr schaffen. Zudem können die dreirädrigen Fahrzeuge auch an den ca. 90 Tagen im Jahr fahren, an denen die Innenstadt für Demonstrationen oder Veranstaltungen gesperrt ist, so Adler. Die Rikschas fahren dort, wo es weniger Fahralternativen mit dem Bus gibt. Ohne Fahrplan und feste Wege sollen sie neue Querverbindungen ermöglichen.

Wer eine Fahrt buchen möchte, braucht die App LOOPmünster und kann sich bis 90 Minuten im Voraus einen Platz für eine beliebige Strecke im Fahrgebiet sichern. Das erstreckt sich von der Promenade und der Innenstadt bis hin zum Hafen. Zur Fahrt berechtigt sind alle mit einem ÖPNV-Ticket: Sei es das Semesterticket oder das 9€-Ticket. Nur in der Rikscha selbst kann kein Ticket erworben werden.

Als ich in der Hafenstraße stehe, öffne ich die App und wähle meinen Zielort aus. Innerhalb der nächsten paar Minuten ist eine Rikscha auch schon verfügbar und kann mich an einer der naheliegenden Haltestellen abholen. Täglich sind die Rikschas von 7 bis 21 Uhr unterwegs.

Und wie ist das jetzt eigentlich im Selbsttest? Zunächst vielleicht etwas ungewohnt und komisch. Die Buchung der Fahrt ging nach Registrierung in der App einfach und reibungslos. Nachdem mich der Fahrer gefunden hat, ging es auch schon los, wenn auch langsamer, als ich es erwartet hatte. Da die Rikschas eine transparente frontale Abdeckung besitzen, ist man sowohl vor Regen, der Sonne als auch entgegenkommenden Insekten während der Fahrt geschützt. Das macht die Rikscha zu einem Allwetter-Allrounder!

Die Rikscha-Fahrer*innen werden mit einem Elektromotor unterstützt.

Einmal durch den Ludgeri-Kreisel und dann Richtung Aasee: Anstatt abgehetzt mit dem Fahrrad über die Promenade zu düsen, lehne ich mich heute mal entspannt zurück und nehme die Strecke viel bewusster wahr. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass es sich schon seltsam angefühlt hat, von jemandem gezogen zu werden. Die Fahrer werden glücklicherweise aber von einem Elektromotor unterstützt.

Mein Fazit: Für One-Way Fahrten ist es bestimmt eine interessante Alternative zum Fahrrad, E-Scooter oder dem Bus. Da bisher sonst in Deutschland eher selten Rikschas eingesetzt werden, ist es natürlich erstmal etwas gewöhnungsbedürftig. Dennoch ist mir aufgefallen, dass auch während meiner Fahrt, viele Menschen interessiert geguckt und auch den Fahrer angesprochen haben. Es bleibt also abzuwarten, inwiefern sich die Rikschas in den Münsteraner Nahverkehr integrieren werden. Nach der knapp zweimonatigen Testphase wird evaluiert, inwiefern die Rikschas in Münster angenommen wurden und wie sie weiterhin eingesetzt werden können.


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