Wie sich Stress in der Uni auf dein Studium auswirken kann – Burnout im Studium

Geschrieben von am 15. Juni 2022

Bald beginnt wieder die Prüfungsphase. Viele von euch kennen es vielleicht: Ewige Nächte am Schreibtisch, unendliche Bib-Aufenthalte und nicht enden wollender Stress. Gerade deswegen sind auch Studierende nicht von einem Burnout ausgeschlossen!
Radio Q Reporterin Luisa Eick hat mit Lisa über das Thema gesprochen. Lisa ist Studentin und litt selbst an einem Burnout. Aufgrund der Anonymität wurde der Name der Interviewpartnerin geändert.

Aufgrund der Anonymität wurde der Name der Interviewpartnerin geändert.


Radio Q: Hallo Lisa! Heute geht es ja um das Thema Burnout, aber zunächst wollte ich dich erstmal ganz allgemein fragen was du studierst.


Lisa: Hi, ich studiere Grafikdesign in einem höheren Semester und mache aktuell meinen Bachelor. Zwischen den Semestern habe ich auch zwei Praktika gemacht.


Radio Q: Ich finde es eigentlich cool, wenn man im Studium ein bisschen Praxis einbringt und sich jetzt die Zeit nimmt und das ausprobiert. Zum Thema Burnout wollte ich dich fragen: Was war so der Moment, in dem du gemerkt hast, dass du ein Burnout hast?


Lisa: Also das war in dem Rahmen eines freiwilligen Projektes. Ich habe gemerkt, dass sehr viel Verantwortung auf mir lastet und ich dem gerade nicht mehr gerecht werden kann. Ich konnte nicht aufhören das zu machen, weil kein anderer das hätte weitermachen können. Ich konnte nicht mehr arbeiten, ich konnte mich nicht mehr hinsetzen und irgendwas machen. Das ging einfach nicht.


Radio Q: Hat sich das bei dir auch durch unterschiedliche Symptome geäußert?


Lisa: Ich konnte mich gar nicht mehr konzentrieren. Sobald ich an dieses Projekt gedacht habe, hatte ich nur noch Bauchschmerzen. Es hat sich durch körperliche Symptome geäußert, ich war dann krank und habe voll viel abgenommen. Es hat sich dann in Depressionen geäußert und ich hatte auch Suizid Gedanken. Ich hatte Angst, die Leute zu enttäuschen aber gleichzeitig konnte ich mich nicht mehr aufraffen. Ich habe gemerkt, dass es bei mir die Grenze ist. Dann habe ich mir auch eine Überweisung von meiner Hausärztin geholt für eine Psychotherapie.


Radio Q: Also war es für dich nicht so, dass es diesen einen Moment gab, in dem du gemerkt hast gerade bricht irgendwie alles zusammen, sondern es ist eher so nach und nach immer mehr dazu gekommen?


Lisa: Ja es ist eher so schleichend gekommen und irgendwann konnte ich halt nicht mehr. Ich hätte, jetzt im Nachhinein, einfach eine Pause gebraucht. Es ist so, dass Graphikdesign super viele Leute studieren und der Konkurrenzdruck im Studium sehr hoch ist. Es ist keine angenehme Branche, was die Solidarität anbelangt, obwohl ich mir das wünschen würde. Ich habe mich immer voll reingehängt. Ich habe immer alles gegeben und manchmal ist man dann im Flow und dann macht es auch mega Spaß. Aber weil ich mit diesem einen Projekt so gegen die Wand gefahren bin, ist mir das alles gar nicht mehr so wichtig. Eigentlich weiß man, dass Arbeit nicht alles ist, aber irgendwie musste ich das dadurch erst verinnerlichen.


Radio Q: Ich wollte nochmal darüber sprechen, wie es besser wurde. Also wie hättest du dir gewünscht, wie sich Personen in deinem Umfeld verhalten? Und wie haben sich Personen in deinem Umfeld verhalten, was dir geholfen hat?


Lisa: Also gewünscht habe ich mir gar nicht so viel. Ich war in einem Tunnel und war dann, wenn Freunde sich mit mir treffen wollten, davon komplett überfordert. Ich wollte eher auch in Ruhe gelassen werden tatsächlich. Eigentlich war das gar nicht gut. Ich habe meinen Mitbewohnern erzählt, was so abging und die meinten dann immer: „Du musst aufhören. Scheiss auf das Projekt“. Also das war eigentlich ganz gut, von denen mal von Außen auch mehr Einblick zu kriegen, dass es echt nicht mehr geht. Aber sonst waren alle sehr verständnisvoll.


Radio Q: Ja, ich kann mir vorstellen, dass das sehr hilfreich ist. Hast du denn viel mit deinen Freunden oder deiner Familie darüber geredet? Und das so genannt, dass du ein Burnout hast, oder hast du eher gesagt, dass es dir zu viel wird?


Lisa: Ich glaube eher habe ich so aus Witz gesagt, dass ich ein Burnout habe. Aber dann habe ich gemerkt, okay ich habe halt echt ein Burnout.


Radio Q: Und was hat dir im Endeffekt geholfen?


Lisa: Also mir hat es halt geholfen, so gar nicht mehr in diesem Universum auch gedanklich drin zu sein. Also einfach ein Cut. Ich hatte danach ein Praktikum und ich fand es entlastend, dass es gar keine Verantwortung im Praktikum gab. Da hing nicht so viel dran. Ich habe das Gefühl, dass ich da erst jetzt langsam so richtig raus komme. Ich will nie wieder so viel Stress haben und habe Angst, dass das nochmal passiert.


Radio Q: Ich kanns sehr gut verstehen, dass man Angst hat, dass es nochmal passiert, wenn du diese Situation schon hattest. Was machst du denn jetzt anders, um das Burnout zu vermeiden?


Lisa: Ich weiß auf jeden Fall mehr, wo meine Grenzen sind und würde nie wieder so ein Projekt über mich selber stellen. Ich priorisiere mich jetzt. Es ist bei kreativen Sachen oft so, dass man viel von sich rein steckt und es ist so kreativ und so toll. Aber nein, es ist halt einfach nur ein Job. Also ich halte jetzt mehr Abstand zu den Sachen.


Radio Q: Es klingt auf jeden Fall richtig schlüssig, wie du das erklärst. Hast du irgendwie eine Empfehlung für andere Studierende, wenn sie merken, dass sie ein Burnout oder Symptome haben?


Lisa: Ich würde sagen, dass man auf jeden Fall darauf hören sollte, wenn einem der Körper sagt: ja lass es. Weil im Endeffekt dankt es einem niemand, wenn man über die Grenzen geht und es lohnt sich nicht. Es lohnt sich wirklich nicht. Es ist kein Weltuntergang, wenn man Sachen nicht zu Ende macht. Man sollte auf sich und seine Gesundheit hören und sich ruhig trauen „Schwäche“ zu zeigen.


Radio Q: Ich finde es richtig schön was du gesagt hast. Es tut mir natürlich mega leid, dass du das alles durchmachen musstest und ich hoffe, dass es nie wieder passiert.


Lisa: Ich bin fast froh, dass ich es jetzt hinter mir habe, weil ich jetzt gelernt habe, dass man auf sich achten muss. Und jetzt geht’s mir wieder gut.


Radio Q: Ja vielen Dank, dass du mit mir drüber geredet hast. Ich fand es auf jeden Fall interessant und wichtig. Bis dann!


Lisa: Gerne, ciao!


Autorin: Luisa Eick


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