Interview mit der münsteraner Band Hermetrik

Habbo Lüdeling ist Mitglied der Münsteraner Band “Hermetrik”. Zusammen mit Kai, Thorsten und Ingmar macht er Musik, seit der Sänger Kai vor vier Jahren zur Band gestoßen ist. (Das Interview wurde am 4.9. geführt. Mittlerweile ist die Single “Skeleton” veröffentlicht.)

- gekürzte Fassung- (zur langen Version)

 (Foto: Susanne Lüdeling Photography)

Wie fühlt es sich eigentlich an sein eigenes Album in der Hand zu halten? Also letztes Jahr hatte ich euch interviewt, da hattet ihr erst eine EP - “Easy” - und jetzt das erste Album...

Ja genau wir haben zwei EPs veröffentlicht. Immer so im Abstand von zwei Jahren. Haben jetzt drei Songs davon auf das Album mitgenommen. Und das war schon ein ziemlich geniales Gefühl. Also wir haben da lange dran rumgebastelt und gearbeitet. Und ein bisschen was aus den EPs ist ja mit aufs Album gekommen. Ja aber diesmal haben wir noch das ganze Artwork und auch ein kleines Booklet gemacht, nicht nur einfach ein kleines Case. Und die ganze Arbeit dann in einem Produkt zu sehen, das war schon echt genial. 

Ihr wart ja jetzt auch das letzte Jahr immer auf verschiedenen Gigs - mal hier in Münster oder auch auf dem “Big Day Out Festival” in Anröchte mit ein bisschen größeren Bands. Was war so das Highlight?

Das Highlight hast du schon genannt. Wir waren einmal ein bisschen weiter zurückliegend beim “Porta Westfalica”, was auch ein größeres Festival war. Haben dann auch noch andere kleinere Festivals gespielt, aber das “Big Day Out” war jetzt schon von den Festivals so das Highlight.  Auch mal einfach komplett anderes Catering zu haben und solche Sachen. Eben auch im Backstage dann auch mit Bands, wie zum Beispiel “Von wegen Lisbeth” oder so dort zu sein. Mit denen auch mal kurz zu reden, je nachdem wie so der Kontakt war. Das war schon eine andere Liga. Und was wir noch gemacht haben ist so kleineren Läden und Clubs zu spielen. Und das kommt jetzt zum Album auch nochmal verstärkt, dass wir eine Tour machen, wo wir nicht nur vereinzelte Gigs in den verschiedenen Monaten spielen, sondern mal geballt viele Gigs auf einmal. 

Und dann ist ja auch die Releasetour bis kurz nach Weihnachten geplant. Wie komm da auf die verschiedenen Orte/ Locations, an denen man so spielt?

Ja… Das ist eine Menge Arbeit. Also wir haben zum Glück ja unser Label. Der Arthur vom Label hat uns dabei mit seinen Kontakten ganz viel geholfen: Zum Beispiel den Gig in Hamburg ordentlich zu organisieren oder in Kiel. Aber viel ist auch eigene Arbeit von uns. Das man einfach am Computer sitzt und recherchiert, bei anderen Bands guckt, wo spielen die und sie anschreibt anschreibt: “Habt ihr da irgendwie einen Kontakt?”. Also selber viel Booking betreibt. Jetzt die Tour machen wir zusammen mit “Klangfieber-Booking”. Das heißt, wir  haben jetzt noch eine Bookingagentur bekommen, die haben uns auch noch in der letzten Phase unter die Arme gegriffen. Aber “Klangfieber-Booking”  kümmert sich vor allem um die Gigs ab 2020. Da denk ich wird auch noch im Sommer für die Festivals ein bisschen mehr bei rauskommen als durch die Eigenrecherche. Das ist so ein bisschen ein Hybridding. Viel selbstgemacht, auch die ganze Promosache, aber wir suchen uns jetzt immer mehr Hilfe. Und da kommt so eins zum anderen. 

Was immer so mein Eindruck ist zu euren Songs: es ist alles sehr treibend. Dieser elektronische Synthesizer Beat als Basis für den Song… wie wichtig sind euch dabei die Texte, die dazukommen? Welche Rolle spielen die in dem Prozess?  

Texte haben wir eigentlich komplett unserem Sänger überlassen. Das ist ihm auch ganz wichtig, weil er merkt, dass dadurch,  dass die Songs kreativ entsteht im Proberaum, hat er verschiedene Zeilen, die ihm so eher intuitiv kommen. Er meint auch er verarbeitet viel auch aus seinem privaten Leben, was er so durchlebt hat, in den Texten. Hat dann erstmal eher so ein intuitiven Ansatz und dann bestimmte Zeilen, die ihm gut gefallen oder auch uns gut gefallen. Das sagen wir ihm auch: “Oh die Zeile klingt gut, die passt da gut rein!” Und dann kommt danach eher so die Patchworkarbeit aus diesen ganzen Sachen, die so im Raum entstanden sind. Er schneidet eigentlich auch  immer alles mit, damit er das Zuhause nochmal hören kann, weil vieles verschwindet auch einfach wieder aus der Erinnerung, und bastelt dann einen eigenen Text daraus. Aber man kann schons sagen, dass die Hälfte oder mehr als die Hälfte des Textes bestimmt sehr intuitiv entstanden ist. Wir haben mit ihm auch darüber geredet, ob wir mal was vorlegen sollen und ihm das zu viel ist. Aber das hat sich so noch nicht ergeben. Man kann sagen die Texte drücken auf der einen Seite das aus, was wir als Band so an Entwicklung haben, aber größtenteils schon von unserem Sänger Kai, weil der am stärksten damit beschäftigt ist die Texte zu schreiben. Also man kann es nicht als Autobiographie seines Lebens sehen, aber ein bisschen sein Leben oder seine Entwicklung steckt da schon drinnen. 

Ihr trefft euch ja zum Proben hier in Münster. Einer eurer Bandkollegen, Torsten, ist ja in Hamburg. Das ist wahrscheinlich auch immer nicht so ganz simpel zu organisieren.

Sagen wir mal so es funktioniert dafür erstaunlich gut. Da sind wir auch selber immer wieder überrascht, aber es ist immer ne ganze Menge Organisationskram. Zum Beispiel kann ich gleich mal eine ganz witzige Anekdote dazu erzählen, was so passiert, wenn man viel Planen muss. Wir haben ja auf der einen Seite die Probenwochenenden (dass wir überhaupt uns im Raum treffen und üben können), dann haben wir die Konzerte, die terminiert werden müssen und dann haben wir noch andere sachen: Wenn wir zum Beispiel ein Video drehn oder uns Treffen und sagen, wir müssen ein Artwork besprechen. Dann kann natürlich auch mal per Skype funktionieren. Darüber machen wir auch viel, wenn man sich nicht zusammen treffen muss. Manchmal denken wir schon jetzt ist das aber schon extrem organisiert, ist das überhaupt eine Rockband. Und dann wechselt das immer so ein bisschen hin und her zwischen Phasen, die gut organisiert sind, Phasen, die nicht so gut organisiert sind. Und ein Beispiel hatten wir jetzt letztes Wochenende: Wir wollten für die Single vom Album “Never Stop”, die nächstes Jahr rauskommen soll, wollten wir das Video drehen. Wir hatten das auch schon mal verschoben, weil wir noch eine Schauspielerin dabei haben wollten. Das war aber alles noch Planungsphase. Jetzt hatten wir alles organisiert: Wir hatten Kameras usw. bestellt, die Schauspielerin konnte und die beiden, die das Video drehen, konnten. Wir wollten das in einer Turnhalle drehen und hatten dafür auch eine organisiert. Und mitten in den Sommerferien kam dann eine e-Mail von der Stadt, in der die Turnhalle eben ist. Und die schrieben: “Da ist jetzt ein Basketballturnier hin verlegt worden. Ihr müsst eine neue Halle organisieren.” Haben wir auch und hat auch geklappt. Turnhalle wieder organisiert. -also tierischer Aufwand- Dann kommen wir in die Turnhalle rein und eine winzige Frage hat das ganze Projekt jetzt zum Kippen gebracht. Es waren sechs riesige Deckenlichter drin und wir brauchten eine abgedunkeltere Turnhalle.  Was bei der ersten so gewesen wäre. Das heißt wir mussten das ganze Equipment noch zurückschicken, die beiden Videoleute waren auch ein bisschen angefressen, konnten uns das aber verzeihen. Also nur mal so wieviel Organisation an den ganzen Sachen steckt. Und das meiste klappt, sonst würden wir auch nicht auf der Bühne stehen. Aber das war so eine Sache, wo wir kurz eine halbe Stunde alle ein bisschen angefressen waren. Dann aber einfach auch darüber gelacht haben und gesagt haben: “Gut das passiert halt einfach, Fehler sind halt menschlich.“ Dann war das ganze Projekt erstmal geplatzt und wir machen das in ein paar Monaten nochmal. Und müssen das ganze jetzt nochmal neu organisieren. [lacht]

Wie verändert sich so eine Bandzusammenarbeit über die Jahre?  Was hat hat sich seit ihr angefangen habt vor jetzt vier Jahren verändert? 

Was hat sich verändert...? Man wächst einfach mehr zusammen. Wir drei [Habbo, Torsten, Ingmar] hatten ja vorher schon länger zusammen gespielt. Aber man merkt halt einfach, das sind auch Herausforderungen. Wir haben uns früher eigentlich, als wir noch nicht so viel geplant und gemacht haben, hatten wir eigentlich mehr so diesen kreativen Prozess und wenn man live spielt, ist alles super. Und jetzt kommen manchmal auch so Engphasen, wo auch teilweise ein bisschen Stress dazu kommt. Und wenn dann so was schiefläuft, wie bei dieser Videoproduktionsplanung, dann wirds auch mal für zehn Minuten ein bisschen rougher, sodass einer auch mal lauter wird: “So ein Mist, wie kann das denn jetzt passieren.” Und dass man merkt da sind auch Spannungen. Aber andersherum man wächst auch zusammen und lernt sich super gut kennen. Und ich würde sagen, so dieses Bandgefühl hat sich total intensiviert dadurch. Es ist ja für alle letztendlich noch ein Hobby, was man macht, wird aber merkt man im Moment deutlich mehr als ein Hobby, weil so viel Anderes sich drum herum ergibt.  Und so viel organisatorisches, aber auch so viele andere Sachen, die mega viel Spaß machen daraus wachsen. 

Ihr macht ja alle noch was anderes nebenher. Denkt man sich dann manchmal auch: “Wie soll ich das alles schaffen?” Oder das wird einem zu viel?

Ja das ist wieder Thema. Also ich habe momentan in dieser Phase ein bisschen mehr Zeit, als die anderen. Unser Sänger arbeitet auch ein paar Stunden weniger als die anderen. Aber bei den anderen beiden und gerade Torsten, bei dem auch noch das Pendeln [aus Hamburg] hinzu kommt, da kommt öfter, dass sie sagen: “Puh, ich könnte das jetzt machen, aber kann das nicht jemand anderes übernehmen. Das wird mir jetzt zu viel” Und da hatten wir auch die eine oder andere Unterhaltung mal drüber. “Mmm.. Du könntest mal mehr machen!” Aber wir haben auch festgestellt: Jeder hat so seine eigenen 100%. Und wenn das jeder akzeptiert, dann gibt es auch kein Streit und, dass man  nicht sagen kann: “ich habe jetzt so und so viel gemacht, jetzt musst du das genauso machen, wie ich.” Dann würde es problematisch werden. Jeder gibt soviel rein, wie er kann und formt damit positiv etwas was. Diese Formel klappt eigentlich super.

Jetzt hab ich noch eine Frage zu eurem Auftritt am 11.10. für euer neues Album Silver. Bei Rare Guitar macht ihr den Auftritt auch mit ein paar Bands aus Münster zusammen. Wie ist man da eigentlich so vernetzt, wenn man hier als Münster als Band ist. Woher kennt man die?

Ja woher kennt man die? Ja entweder, weil man sich kennt. [lacht] Münster ist ja auch ein bisschen ein Dorf. Und sonst, muss ich sagen, sonst auch mal über Instagram tatsächlich. Man entdeckt  eine Band und sieht: “Ui die sind ja aus Münster”. Man schreibt die dann mal an, ob man zusammenarbeiten kann. Manchmal klappt das manchmal nicht. Und “Annie's Style” zu Beispiel, die mit uns spielen, die hatten uns gefragt für ihren Release im April. Da hatten wir auch mit denen zusammen im Sputnikcafe gespielt. Haben dann gesagt, wenn wir unser Release machen, dann kommt ihr doch auch mit dazu. The “Late Night Call” hab ich auf Instagram entdeckt. Der Witz ist aber unser Video-Mann Pascal ist mit denen befreundet. Das lief so parallel. Ich hatte gesagt: “Ich habe ne Band angeschrieben, die heißt “The Late Night Call.” “ Ach das ist ein Freund von mir dabei.” Dann kam darüber eine Verbindung. Und auf “Disco Damaged Kids” bin ich gekommen, weil ich die bei der Grünflächenunterhaltung gesehen habe, wir uns dann einfach unterhalten haben und festgestellt haben, das passt ganz gut zusammen. Und dann kam dann relativ spontan raus, ob die nicht noch mitmachen wollen an dem Abend. Sodass man den Abend so ein bisschen als Release aufzieht, aber auch ein bisschen so als Vernetzung von Bands in Münster. Und das klappt eigentlich immer ganz gut.  Wir haben davon profitiert, dass uns andere angesprochen haben. Und wir machen das eigentlich genauso, dass man dann untereinander sich anspricht und guckt, wie kann man sein Wissen so austauschen oder sich gegenseitig zu Gigs verhelfen.  

Also so nach dem Motto: “Wo habt ihr Kontakte, wo haben wir Kontakte?"

Genau, das ist eigentlich schon eine Share-Conomy, muss man sagen. [lacht] Jeder ist generell auch super positiv und bereit. Ich hab noch nie ne Band erlebt, die dann so egoistisch unterwegs ist und sagt: “Ne da spielen wir und ich schick da keine Kontakte rum.” Jeder ist da ordentlich am verteilen und teilen. 

Zum Abschluss: Wie kommt ihr eigentlich auf euren Bandnamen?

Hermetrik? Das kann man nicht in einem Satz beantworten, sondern ursprünglich sind wir mal auf den Namen “The Metric” gekommen. Haben dann festgestellt da gab es eine Band in Australien [Anm.d.R. Kanada], die den Namen schon hatte, auch in verschiedenen Schreibweisen. Haben dann überlegt irgendwie ist das doof das zu machen. Und dann ganz unspektakulär stand auf unserem Probenraumschlüssel “Hermetik”  drauf, von -ich weiß nicht ob man das kennt- hermetisch abgeriegelt. Und dann haben wir festgestellt: “Ne, dass ist auch irgendwie doof.” Und bei der nächsten Probe ist, glaube ich Kai, darauf gekommen die beiden Sachen doch verbinden könnte und wir ein eigenes Wort dann haben mit “k”.Haben das dann einfach mal aufgeschrieben und fanden das Wort eigentlich ziemlich genial. Und merkten so, das ist auch eingängig und das gefiel uns. Und so ist eigentlich aus zwei Worten der name Hermetik entstanden und wir sind jetzt mega zufrieden damit. Hat jetzt keine tiefere Bedeutung in dem Sinne, außer - hab ich jetzt nochmal gegoogelt- der Begriff hermetisch hat auch was mit der griechischen Philosophie zu tun (Hermetische Philosophie). Nur weil ich mich mal interessiert habe, wo das Wort herkommt. Könnte man da jetzt was reininterpretieren, aber wir haben eigentlich eher so ein neu geschaffenes Wort. 

Klingt gut gefällt uns gut und läuft gut. 


Von:
Paul Sattler