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Behind the Lyrics – (No One Knows Me) Like the Piano

Written by on 22. Juni 2026

Kunst, und besonders Musik, kann ja ganz viel Gefühl tragen. Oft verarbeiten ja Künstler*innen auch ihre eigene Geschichte damit. Wie so eine Geschichte aussehen kann, wie man eigentlich trauert und was das ganze mit einem Klavier zu tun hat, hat sich unser Musikreporter Maximilian Boquoi mal angeschaut und sich dafür “(No One Knows Me) Like the Piano” von Sampha angehört.

Sampha Lahai Sisay’s erste Schritte kamen auf dem Klavier im Haus seiner Eltern in Morden, einem Stadtteil im Süden von London. Damals war er drei Jahre alt. Sein Vater hatte 1991 ein altes Klavier gekauft, um seine Kinder vom Fernseher fernzuhalten. Auf eben diesem Klavier begann ein Weg. 2017 veröffentlicht Sampha sein Debut-Album “Process”. Es gewinnt den Mercury Prize, eine Auszeichnung für das beste britische Album des Jahres. Er produziert es selbst, zusammen mit Rodhaidh McDonald, der unter anderem für the xx und daughter gearbeitet hat. Und auf diesem Album findet sich ein Lied über dieses Klavier. 

Sampha schreibt es im Haus seiner Eltern, während er seine an Krebs erkrankte Mutter pflegt. 2013 fängt er an mit der Arbeit an seinem Debütalbum, doch der Krebs ändert alle seine Pläne. Er zieht zu seiner Mutter zurück. Und schreibt dort ein Lied auf dem alten Klavier, das immer noch dort steht. Im Interview mit Ruth Saxelby sagt er, sie habe den Song vielleicht noch gehört, aber er könne nicht mit Gewissheit sagen, ob sie noch die Kraft gehabt hätte, ihm zuzuhören, so schwach wie sie gewesen sei. Die schiere Intimität und Melancholie dieses Momentes kann man sich kaum vorstellen, außer man kennt sie. Sampha macht sie hörbar: Ein leicht unsauber gestimmtes Klavier, umhüllt von kaum mehr als einem Synthesizer und kleinen Percussions lassen der Trauer in seiner Stimme viel Raum. Trauer, über einen Verlust, der noch bevorsteht. Und gleichzeitig so viel Liebe, für ein Geschenk, für Verständnis, ein Symbol der Verbundenheit.

“Es gibt keinen Trauerprozess. Es ist wie ein Traum, der nie…es wird sich niemals real anfühlen.” So beschreibt Sampha 2014 seine Gefühle, nachdem seine Mutter den Kampf verloren hat. Er schafft es, dieses Gefühl in 3 Minuten 38 zu verpacken, in dem Knarzen im Holz seines Klaviers, in seiner einzigartigen Stimme, in der Stille zwischen seinen Worten, in dem Vogelgezwitscher in den letzten Sekunden. Aus über 40 verschiedenen Liedern wählt er 10 aus für sein Album. “(No One Knows Me) Like the Piano” wird als dritte Single (seines Albums) veröffentlicht. Das Musikvideo ist gleichermaßen simpel wie surreal: Sampha, am Klavier, in einem sanft beleuchteten Raum. Eine Frau, gekleidet in panafrikanischen Farben, die langsam zu Staub zerfällt. Eine sehr plastische Metapher für den Krebs, den Verfall seiner Mutter. 

Inzwischen lebt Sampha mit seiner Partnerin und Tochter zusammen. 2022 tritt er zusammen mit Kendrick Lamar bei Saturday Night Live mit dem gemeinsamen Song “Father Time” auf. Ein Jahr später veröffentlicht er “Lahai”, sein zweites Album. Samphas Reise ist lang und gleichzeitig noch nicht vorbei. Er möchte noch viel lernen, besser werden, vielleicht ein Musical schreiben: “Ich glaube, das ist Teil des Ganzen – Ich fühle so viel.”, sagt er. “Ich möchte die Dinge magisch halten, so wie es war, als ich jünger war. Wenn man älter wird, versucht man Dinge und arbeitet härter, um die Magie im Leben zu finden.” Viel zu tun, aber Sampha hat Geduld. Das hat er von seiner Mutter gelernt. 

“(No One Knows Me) Like the Piano” ist eine Ode an die eigene Mutter, aber gleichzeitig auch an die eigene Identität. Und was ein altes Instrument für ein Kind bedeuten kann, ein Kind wie Sampha es war. Niemand kennt uns so, wie die Instrumente, die wir spielen. 

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