Künstler*innenportrait – Hayley Williams
Written by Redaktion on 22. Juni 2026
Vergangenes Jahr wurde die folgende Sängerin vom Altpress Magazin zur Künstlerin des Jahres gewählt. Möglicherweise, weil Hayley Williams künstlerische Entfaltung über das Frontfrau-Dasein der Band Paramore hinausgeht. Aber dazu erzählt uns Musikreporterin Lea Kossak mehr.
Misery Business von Paramore fehlt heute kaum in einer Alternative, Pop Punk oder Emo Playlists und ist bald seit 20 Jahren der Song der Band rund um die Sängerin Haley Williams. In Deutschland wurde sie damals spätestens für den Titelsong „Decode“ für den Twilight Soundtrack bekannt, für den die Band damals gleich zwei Songs beisteuerte. Heute ist Haley Williams auf Features international bekannter Künstler*innen zu entdecken und steht als Support auf der Bühne, nicht zuletzt bei der Eras Tour von Taylor Swift. Die beiden kannten sich sogar schon, als Hayley mit 14 Jahren ihren ersten Plattenvertrag unterschrieb. Ihr stimmliches Talent hat ihr damals nicht nur zum frühen Erfolg verholfen, auch vor dem Label konnte sie ihren Willen durchsetzen: Ihre Bandkollegen sollen mitkommen, sie will nicht als Solokünstlerin vermarktet werden.
Beim Song All I Wanted erreichte Hayley Williams Stimme bei einem Live-Auftritt ihr Maximum und umfasst so vier Oktaven – dafür sind eigentlich nur absolute Weltstars bekannt. Der Vertrag mit dem Label lief direkt ganze 20 Jahre – damit ist Hayley Williams heute länger in ihrem Leben berühmt, als es nicht zu sein. Ihre Karriere prägen Grammy-Auszeichnungen, Chartplatzierungen und musikalisches Wachstum, aber auch mentale Probleme, Gerüchte und Neid. Wenn die Künstlerin an die sechs Alben mit Paramore denkt, steht jedes einzelne rückblickend für eine bestimmte Ära in ihrem Leben, auch im persönlichen Wachstum.
Die Zeit des letzten Paramore Albums „This is Why“ war geprägt von Ärger, der feststeckt, dem Bereitsein für etwas Neues, das nicht präsent im Moment sein können. Dass sie sich danach sehnt, ihre Kreativität anders zu entfalten, kam schon bei ihren beiden Soloalben 2020 und 21 in ihr auf, bevor sie den Vertrag bei Atlantic Records endgültig beendete. Sie spricht offen darüber, wie unwohl sie sich schon immer damit fühlt, von außen definiert zu werden und welche Struggles sie bis heute mit dem Aufwachsen unter öffentlicher Beobachtung hat.
Weniger Spotlight, Weich sein und Vertrautheit. Diese Stimmung fokussiert Hayley Williams in ihrem ersten Independent Soloalbum Ego Death at a Bachelorette Party von 2025, ohne zuvor zu wissen, dass daraus überhaupt ein Album wird. Passend dazu das Setting für die Premiere der Single Parachute: Die Sängerin spielte den Song im Kreis vertrauter Personen live im BBC-Radio in London. Zu allen Menschen, die an dem Album mitgewirkt haben, hat Williams eine persönliche Beziehung, weshalb das Projekt so organisch entstanden ist, ganz anders, als sie es bisher kannte. Menschen haben ohne Erwartungen und Ziel aus einem Haus einen kreativen und sicheren Ort geschaffen, beschreibt die Künstlerin. Aus diesem Nicht-Wissen, der Neugierde und natürlich der Unterstützung der Fans formte sich das Album nach und nach. Hayley Williams lernt die Ungewissheit gerade selbst mehr zu schätzen. Älter werden und weniger wissen sei vielleicht das Ziel. Seltsamer werden und noch mehr erschaffen.
Ein Callback zu seltsamen Phasen in Hayley Williams Karriere und gleichzeitig einen Full Circle Moment liefert der Song Ice In My OJ. Der Text stammt von einem ihrer allerersten Gigs, bei dem Williams für ein christliches Musiklabel performte, wovon Fans einen Clip fanden, der seitdem als Insiderwitz galt. Diese etwas andere Version erweitert nur das Spektrum an Emotionen, das Williams mit uns teilt. Künftig gerne eher hinter der Bühne, kleine lokale Bands supporten, Präsent Sein im realen Leben.