20. Jubiläum von “Loose” – Nelly Furtado
Written by Redaktion on 22. Juni 2026
Es gibt ja manchmal einfach Songs, die sich nach Sommer anfühlen. Wisst ihr schon, was euer Sommerhit des Jahres wird? Oder erinnert ihr euch noch an euren Lieblings-Sommerhit der vergangenen Jahre? Unser Musikreporter Maximilian Boquoi hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und ist bei Nelly Furtado rausgekommen.
Es ist Sommer 2006. Lordi hat soeben den Eurovision Song Contest mit “Hard Rock Hallelujah” für Finnland gewonnen und das Sommermärchen, die WM im eigenen Land, beginnt. Taylor Swift nimmt ihr Debutalbum auf und Pluto ist noch ein Planet. “High School Musical” verändert das Leben zahlreicher Teenager und der zweite Fluch der Karibik erobert die Kinos in allen Ländern. Die Welt ist noch eine andere. Und plötzlich läuft “Maneater” im Radio.
Am 07. Juni 2006 veröffentlicht die portugisisch-kanadische Sängerin Nelly Furtado ihr drittes Studioalbum “Loose”. Es verkauft sich über 10 Millionen mal, wird das erfolgreichste Album der Künstlerin. Es hält sich 49 Wochen in den Top 10 der deutschen Charts. “Loose” ist ein Bruch mit dem, was vorher kam. Produziert von, unter anderen, Timbaland lassen sich Club-Attitüde und Hip-Hop-Beats nicht wegdenken. Furtado erobert die Tanzflächen und macht sich endgültig einen Namen als experimentierfreudige Künstlerin. “Sie war elegant aber sexy, ALLgegenwärtig, episch, iconic!”, beschreibt Furtado Madonna, von deren Selbstbewusstsein über den eigenen weiblichen Körper sie sich inspirieren ließ. Songs wie “Maneater” oder “Promiscuous” setzen sich mit der eigenen Sexualität und Weiblichkeit auseinander.
Furtado, die spanisch studierte, veröffentlicht mit Juanes zusammen “Te Busque”, einer von zwei nicht englischen Songs auf dem Album. Eine Latin-Pop Ballade, geparkt zwischen den perkussiven “No Hay Igual” und “Say It Right”. “Te Busque” (auf deutsch so viel wie “ich suchte dich”) setzt sich mit Furtados Erfahrungen mit schweren Zeiten auseinander, Juanes schreibt mit ihr den Chorus. Zwischen Gitarren und spanischem Gesang klingt der Song romantisch, sehnsüchtig und zärtlich. Doch auch hier mischt Furtado ein bisschen Hip-Hop Kultur in ihr Repertoire.
Das Ende des Albums bietet das melancholisch angehauchte “All Good Things (Come To An End)”, mitgeschrieben von Chris Martin von Coldplay. Akustikgitarren, unaufgeregte Melodien, Hip-Hop Drums: Nelly Furtado präsentiert zum Schluss einen Song, der alle Elemente von “Loose” vereint. Klar, es gibt Songs, die mehr zum Tanzen einladen. Songs, die ruhiger sind. Songs, die stärker ihre portugiesischen Wurzeln aufzeigen. Aber selten war ein Lied so durchschnittlich in allen Aspekten und so perfekt darin.
Im Laufe der Jahre veröffentlicht Furtado diverse Versionen von “Loose”, mit zahlreichen Bonustracks, Remixes, Features oder spanischen Versionen. Und heute, 20 Jahre später? “Loose” hat Nelly Furtado für ewig in den Pop-Olymp gehoben, ist eines der meistverkauften Alben des 21. Jahrhunderts, gilt als Inspirationsquelle für Dua Lipa oder Lorde. Furtado beschreibt das Gefühl des Albums als “wieder 14 sein”. “Loose” ist auf ewig das Gefühl des Sommers 2006. Als Pluto noch ein Planet war, Italien noch an Weltmeisterschaften teilnahm (und diese gewann) und Nelly Furtado der Maßstab aller Dinge war.