KDK Open Air 2026 – Ein Vorbericht
Written by Linda Kurtenbach on 11. Juni 2026
Kinder der Küste Open Air 4.0
Lugatti & 9ine laden auch dieses Jahr wieder an die Kölner Südbrücke ein und bringen auch diesmal wieder hochkarätige Acts auf die Stage, von langjährigen Rap-Legenden wie Celo & Abdi, bis hin zu vielversprechenden Newcomer*innen, die die Szene aufmischen, wie Baran Kok. Mit dabei sind bei der vierten Ausgabe des KDK Open Air am 19. und 20. Juni außerdem Makko, Kwam.E, Tom Hengst, Luvre47, OG Lu, Charlize und natürlich die Kinder der Küste themselves, Lugatti & 9ine.
Aus der anfänglichen Idee auch eventtechnisch mal was auf die Beine zu stellen, nachdem die beiden Künstler bereits einige Jahre zusammen Musik gemacht haben, ist heute eins der spannendsten Hip-Hop-Festivals in NRW geworden. Zusammen mit dem Kölner Veranstalter Hush Hush und dem Engagement einer motivierten Crew, stellen Lugatti & 9ine dieses Jahr nun zum vierten Mal ihr eigenes Festival auf die Beine, mit einem Line-Up, das keine Abstriche macht.
“Ich komm’ mit der ganzen Mannschaft, ja (ah-ah)/ KDK wir machen anders (yeah, yeah)”
Runclub, Lugatti, Traya, Lugatti & 9ine
Der kollektive Gedanke und die DIY-Ambition machen das KDK Open Air zu weit mehr als einer klassischen Festival-Veranstaltung. Es versteht sich als Verlängerung einer Szene, die aus Freundschaften, der Leidenschaft zum Hip-Hop und einer langjährigen Verbindung zu Köln entstanden ist. So fällt auch beim Blick in die KDK Festival-Playlists, die auf Spotify rumschwirren, schnell auf, dass man sich vielleicht auf den ein oder anderen Feature-Auftritt in den zwei Tagen erwarten kann. Auf welche Acts wir uns besonders freuen, lest ihr hier.
Lugatti & 9ine als Gastgeber
Die “Kinder der Küste” kommen gebürtig aus dem Kölner Stadtteil Sürth und haben 2017 ihr erstes Album auf Soundcloud veröffentlicht. Es folgten viele Jahre, in denen die beiden ihren musikalischen Weg konsequent verfolgten und sich vom Underground zu wichtigen Stimmen in der Hip-Hop-Szene entwickelt haben. Musikalisch bewegen sich Lugatti & 9ine in einem modernem Boom-Bap-Sound mit catchy Sample-Loops. Gleichzeitig finden sich aber auch Tracks mit drückenden 808s in der Diskographie der beiden. Da lässt sich dann wohl auch kaum der ein oder andere Moshpit umgehen. Der aktuelle Release aus dem Hause Kinder der Küste, das Album “Mit der Concorde über den Atlantik”, das nach längerer Pause wieder mit dem langjährigen Produzenten der beiden, Traya, produziert wurde, fängt das ganze ziemlich gut ein. Darauf verbindet Lugatti nostalgische Rückblicke auf seine Vergangenheit, Köln und frühere Projekte mit einer neuen, reflektierten Perspektive auf das Leben, geprägt von Selbstfürsorge, Fitness und persönlicher Weiterentwicklung. Zum Glück für uns: einer der stärksten Feature-Parts, ist dieses Jahr auch beim KDK Open Air dabei.
Cute aber auch assig bei OG Lu

Auch wenn man nur am Rande mit der Hip-Hop-Szene zu tun hat, ist man an einem Namen in den vergangenen Jahren nur schwer dran vorbeigekommen. Die Frankfurter Rapperin OG Lu hat sich mit einer Mischung aus Straßenrap, feministischer Perspektive und kompromissloser Ehrlichkeit als eine der vielversprechendsten Stimmen im Rap-Game etabliert. In ihren Texten rappt sie vom Aufwachsen im Gallusviertel, vom Kampfsport, gesellschaftlichen Konflikten und hat sich eine Position im Straßenrap genommen, die eine Perspektive abseits etablierter Erzählern (aka Männern) bietet. Wir freuen uns besonders darauf, die Energy, die sie in ihre Tracks packt, live erleben zu dürfen.
Doppel H represent: Die Concrete Cowboys Joinen den Kindern der küste
Ein weiteres Highlight steht für Samstag auf dem Plan. Sowohl Tom Hengst, als auch Kwam.E treten dieses Jahr am zweiten Festivaltag auf und bringen den Hip-Hop-Sound aus Hamburg mit. Tom Hengst ist sowieso schon wichtiger Dreh- und Angelpunkt zwischen den einzelnen Künstler*innen, sei es mit Lugatti auf der Bärenbrüder EP, oder mit OG Lu auf mehreren Tracks – um Tommy H kommt keine*r von ihnen so wirklich vorbei. Zusammen mit Kwam.E hat er außerdem zwei der wichtigsten Deutschrap-Alben der letzten Jahre gedropped: “Concrete Cowboys” und “Concrete Cowboys 2”. Sein Rap-Stil verbindet klassische 90er-Jahre-Boom-Bap-Elemente mit modernem New-Wave-Rap und Memphis-Trap. Und zusammen mit Kwam.E und seinem selbstbetitelten Phunk geht das besonders hart.
Weil ich billig bin? Nein, weil jeder Baran verdient
Eine weitere Energy, auf die wir uns live freuen und die wir uns definitiv auch verdient haben, ist Baran Kok. Während viele Rap-Newcomer versuchen, sich in bestehenden Konventionen und Sounds einzunisten, macht er genau das Gegenteil und dreht die (leider doch immer noch) queerfeindliche Rapszene auf links. Als erster schwuler, kurdischer Rapper hat er sich in der Hip-Hop-Szene einen Raum genommen, der ihm wohl liebend gerne von alteingessenen Rap-Fans verwehrt worden wäre. Mit Blick auf seinen musikalischen Werdegang (u.a. sein Auftritt auf der splash! Mainstage, sein Tour-Support bei Ikkimel, oder seine Feature-Parts bei Soho Bani und auf dem neuen Kitschkrieg Album), sollte aber schnell klar sein: “Scheiß auf Hip-Hop und euren schwul’n Slang / Wenn die Sonne untergeht, dann wirst du gebangt”
“Wenn du schon mal da warst, weißt du, wie es ist. Wenn nicht, wird’s Zeit.”
Neben den genannten Acts stehen mit Celo & Abdi, Makko, Charlize und Luvre47, der für den ausgefallenen Boondawg einspringt, weitere große Namen auf dem Programm, die jeweils für unterschiedliche Facetten des aktuellen Deutschrap stehen. Die Tagestickets starten bei 50 Euro (zuzüglich Gebühren). Die Südbrücke als Location direkt am Rhein gelegen, bietet die perfekte Kulisse für ein vielversprechendes Festivalwochenende. Und falls ihr nach dem Festivaltag am Samstag immer noch nicht genug habt, geht’s ab ins Schrotty zur Aftershowparty mit verschiedenen DJs (unter anderem auch dem Münsteraner DJ Snoritz). Oder alternativ zum WM-Spiel von Deutschland gegen die Elfenbeinküste, aber das sei jeder*m selbst überlassen. Wer wissen möchte, wie Deutschrap 2026 klingt, welche Künstler*innen die kommenden Jahre prägen und was die Kölner Szene so an Hip-Hop zu bieten hat, der findet an der Südbrücke vermutlich eine Antworten darauf.

Beitragsbild: © negativebynature
Autor
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Linda Kurtenbach
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