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Vom ersten Gig direkt zu Rock am Ring – Friends Don’t Lie im Interview

Geschrieben von am 8. August 2023

Direkt bei ihrem ersten Auftritt konnten die drei Jungs der Band Friends Don’t Lie den Warsteiner Bandcontest gewinnen. Dadurch hatte die deutsche Pop-Punk Band die Möglichkeit, bei dem Festivalduo Rock am Ring und Rock im Park auf der Bühne zu stehen. Im Anschluss an ihren Auftritt bei Rock am Ring hat sich Radio Q-Musikredakteur Thomas Dahlmanns mit der Band getroffen und unter anderem über ihren schnellen Aufstieg, das Problem mit rechten Strömungen im Genre Rock und über die Unterrepräsentation von weiblichen Acts auf Festivals gesprochen. (Credits Titelbild: Sebastian Becker)

Ole Emser, Stefan Suchoroschenko und Markus Ziesch von Friends Don’t Lie im Warsteiner Bereich bei Rock am Ring (Foto: Sontje Mölders)

Q: Ihr habt bei eurem ersten Liveauftritt direkt an einem Bandcontest teilgenommen. Was war das für eine Idee bzw. von wem kam diese?

Markus: Den Warsteiner Bandcontest gab es ja letztes Jahr schon. Wir hatten den seit Sekunde eins fest im Blick, weil wir halt Rock am Ring-Gänger sind und da auch mit Herz dabei sind. Und uns war klar, wir müssen da hin und wir müssen da spielen.

Q: Habt ihr euch da denn ernsthafte Chancen ausgerechnet oder war das eher so ein Spaß Ding für euch?

Markus: Das war, wie du auch gesagt hast, unser erster Auftritt. Von daher ist es natürlich schon ein bisschen was anderes. Also man hofft natürlich immer, aber eigentlich war der Plan tatsächlich, sich dann im Folgejahr zu bewerben und das durchzuziehen. Dass es jetzt direkt geklappt hat, war schon sehr überraschend, muss man sagen.

Q: Bei eurem Konzert hattet ihr schon eine sehr starke Bühnenpräsenz. Es hat gar nicht so gewirkt, als wärt ihr frisch auf der Bühne. Wo kommt das her? Habt ihr vorher schon in anderen Bands gespielt?

Stefan: Wir haben vorher zusammen in einer Hip-Hop Band gespielt, das ist aber schon zehn Jahre her. Und da hat man natürlich so ein bisschen Bühnenerfahrung gesammelt. Aber man macht sich natürlich vor dem Auftritt Gedanken, ob man denn die Bühne so zu dritt gut bespielen kann. Aber ich denke, das hat tatsächlich ganz gut funktioniert.

Q: Der Schritt war dann trotzdem jetzt ziemlich groß, mit einer neuen Musikrichtung direkt auf den großen Bühnen und nicht in kleinen Jugendzentren vor ein paar Leuten zu spielen. Denkt ihr, euch fehlt dann langfristig irgendwas, wenn ihr direkt groß anfangt?

Markus: Eigentlich finde ich es genau so gut. Wir hatten ein gutes Gefühl gestern auf der Bühne. Wir hatten krassen Support von unseren Freunden, die hier vor Ort waren, von Warsteiner, die das für uns organisiert haben. Von daher war das eigentlich richtig toll, so auch zu starten. Wir haben hier so viel gelernt, alleine schon das Wochenende über. Das ist eigentlich ein super Start.

Wir haben hier so viel gelernt, alleine schon das Wochenende über. Das ist eigentlich ein super Start.

Markus Ziesch
Friends Don’t Lie im Interview mit Radio Q-Musikredakteur Thomas Dahlmanns (Foto: Sontje Mölders)

Q: Ihr sprecht in euren Songs auch allgemein gegenwärtige Themen an, zum Beispiel das Thema Mobbing, was ihr auch gestern im Song Love und Solidarity auf der Bühne hervorgebracht habt. Sprecht ihr bei der Thematik aus Erfahrung?

Markus: Ja, auf jeden Fall. Auf die eine oder andere Art und Weise hat uns Mobbing alle sehr betroffen. Ich habe den Text ja auch als Sänger dahingehend geschrieben und das kommt auch ein bisschen aus der Jugendzeit, als in Deutschland dann auch viel Rap-Musik angesagt war. Man war dann doch eher dieses klassische Emo-Kind, Pop-Punk-Kind und hat auch mal aufs Maul bekommen dafür. Und das wollen wir einfach raushauen, dass sich da was ändern muss – immer noch.

Q: Warum habt ihr euch entschieden, dass ihr eure Texte auf Englisch schreibt?

Markus: Die Antwort ist eigentlich sehr einfach, denn ich habe in der alten Band Gitarre gespielt und vorher noch nie in meinem Leben einen Songtext geschrieben. Diese Lieder, die wir jetzt da geschrieben haben, sind meine ersten Texte. Es ist einfach schon was anderes, sich auf Englisch auszudrücken. Das hat jetzt nichts mit der Reichweite zu tun, gar nicht. Also nicht, dass wir gedacht haben: “Oh, wir wollen den weltweiten Markt abgreifen”, sondern es fällt tatsächlich einfacher, Gedanken dahingehend auszudrücken. Es klingt halt auf Deutsch immer direkt sehr schnulzig. Also ich würde jetzt glaube ich niemals singen: “Ich liebe dich, ich liebe dich und das und das und das und du bist der Größte.” Aber auf Englisch funktioniert das einfach besser.

Es klingt halt auf Deutsch immer direkt sehr schnulzig.

Markus Ziesch

Q: Euer Sound erinnert ja ein bisschen so an die frühen 2000er, wo der Punk ja auch in Deutschland beliebt und groß war. Es gibt viele Bands, die Musik in diese Richtung machen. Warum denkt ihr, hebt ihr euch von diesen ab und habt gerade so einen Erfolg? 

Stefan: Klar, es erinnert ein bisschen an die guten alten Pop-Punk-Zeiten. Aber wir wollten einfach so einen modernen Touch mit reinbringen. Wir haben ja viele Backings hinten dran und einfach irgendwie auch moderne Elemente. Das große Ziel war, einfach das ein bisschen neu, modern zu interpretieren.

Das große Ziel war, einfach das ein bisschen neu, modern zu interpretieren.

Stefan Suchoroschenko

Q: Für uns bei Radio Q und auch allgemein gesellschaftlich ist es ja gerade ein großes Thema, dass man eine Gleichberechtigung von Geschlechtern auch auf Festivals erkennen sollte. Bei Rock am Ring ist das jetzt nicht unbedingt der Fall. Wie seht ihr das? Wie relevant ist das Thema für euch, dass Frauen noch immer so unterrepräsentiert sind?

Markus: Das ist voll wichtig, keine Frage. Es stand ja auch in der Kritik, auch letztes Jahr schon, warum das so ist. Da muss sich was ändern. Wir haben auch schon drüber nachgedacht, wenn wir noch mal ein Bandmitglied dazu holen sollten – weil wir auch jetzt merken, die Auftritte werden größer – dass wir gesagt haben, wir würden aktiv den Schritt gehen und eben nicht noch mal einen weißen Heteromann nehmen, sondern da auch ein bisschen Diversität reinbringen. Aber auf der anderen Seite müssen wir auch ehrlich sagen, wir stecken nicht in so einem Orga-Team drin. Wir wissen auch nicht, wie viel Arbeit das ist und wir können da nicht hinter die Kulissen blicken, wie viel Aufwand das wirklich ist. Da fehlt uns auch der Einblick, einfach die Frage wirklich für Rock am Ring jetzt zu beantworten. 

Q: Wenn wir jetzt schon bei diesen gesellschaftspolitischen Themen sind, gerade in der Rockmusik und das hat sich auch im Line-Up bei Rock am Ring gezeigt durch die Absage von Pantera: Es gibt viele rechte und auch rechtsextreme Bands. Was könnt ihr als Band dagegen tun und was können die Zuschauer*innen und die Gesellschaft dagegen tun?

Ole: Einfach nicht aufhören, sich dagegen zu positionieren und das Maul aufzumachen. Ich glaube das und rohe Gewalt sind das einzige, was wir dagegen machen können. Leider Gottes. Ich selber bin da auch, glaube ich, der Extremste von uns. Man kann eigentlich nur gucken, dass man nicht aufhört, das Maul aufzumachen.

Markus: Unser Closer ist All Caught Up, einer unserer ältesten Songs. Wir hätten auch damals noch gar nicht gedacht, dass das vielleicht mal unser Hit oder der Closer wird für so einen Auftritt. Und eigentlich ging es ursprünglich in dem Song nur um Social Media und was das mit sich bringt. Aber es hat sich herausgestellt, dass die Leute den Song auch anders interpretieren. Und so interpretieren wir ihn jetzt auch mittlerweile, dass man halt offen ist und eben Menschen nicht vorschreibt, wie sie ihr Leben zu leben haben. Das habe ich so auf der Bühne auch gesagt. Wenn die Leute dir auch das Gefühl geben, das kommt an, dann glaube ich, können wir zumindest einen ganz, ganz kleinen Teil dafür tun. Das ist natürlich schön. Wir haben gestern auf Instagram eine Nachricht bekommen von jemandem, der gesagt hat, ihn hat es total berührt. Er ist seitdem er sechs ist trans*. Eigentlich ist das ja das tollste für uns, dass wirklich so Nachrichten kommen und da sieht man auch, es bringt was, es hat ihm weitergeholfen und das ist schön.

Einfach nicht aufhören, sich dagegen zu positionieren und das Maul aufzumachen. Ich glaube das und rohe Gewalt sind das einzige, was wir dagegen machen können. Leider Gottes.

Ole Emser

Q: Demnach ist es für euch bestimmt auch schön, dass ihr nicht die Bühnen mit Bands wie Pantera teilen müsst und ihr findet es gut, dass die dann nicht hier sind.

Markus: Ja, auf jeden Fall. Wir würden, glaube ich, nicht auf jedem Festival spielen, wenn es jetzt heißen würde: Da habt ihr zwar den größten Gig eures Lebens, aber die Rahmenbedingungen mit denen stimmen wir nicht überein.

Q: Ihr habt auf der Bühne auch politische Aussagen getroffen. Habt ihr Angst, dass eure Aussagen auch dazu führen, dass ihr vielleicht Absagen bekommt?

Markus: Nö, absolut nicht. Da stehen wir auch voll dahinter. Ich würde auch gar nicht sagen, dass das von uns so politisch gemeint ist, sondern eher gesellschaftlich gesehen. Wir versuchen bewusst nicht jetzt in den Songs irgendwie große politische Themen anzubringen, das wäre von uns oder von mir selbst nicht mehr komplett authentisch. Wir wollen die Songs rausbringen, die uns gesellschaftlich auch berühren, dass wir da dahinterstehen können. Wenn das nicht so wäre, dann könnten wir auch nicht auf irgendwelchen Festivals spielen, die da nicht mit einhergehen.

Q: Gestern war vor der Bühne ziemlich viel los, wahrscheinlich sogar der größte Gig in eurer Karriere. Ihr habt bisher eine EP draußen. Habt ihr jetzt vor, ein Album zu planen oder eine eigene Tour zu machen?

Stefan: Also wir haben auf jeden Fall schon neue Musik aufgenommen. Die kommt jetzt die nächsten paar Monate raus und das steht auf jeden Fall in den Startlöchern. Wir werden jetzt auch wieder Songs schreiben. Das ist auch geplant. Und wir wollen auch einfach irgendwie alles mitnehmen, was jetzt noch auf uns zukommt und eine gute Zeit haben. Wir nehmen den Schwung mit.

Q: Bei uns gibt es die Kategorie “Platte für die Insel”. Da sucht man sich das Album aus, das man mitnehmen würde, wenn man auf einer einsamen Insel strandet. Welche Platte würdet ihr da einpacken?

Ole: Glow On von Turnstile, weil es das beste Album ist, das je rausgekommen ist. Ich habe noch nie ein Album gehört von vorne bis hinten, was so perfekt ist vom Sound, von der Atmosphäre, vom Feeling. Das ist das geilste Album, das je rausgekommen ist.

Stefan: Ich habe kurz überlegt, aber ich glaube, bei mir ist es Planet Punk von Die Ärzte. Das ist so ein Album, das mich meine ganze Kindheit lang begleitet hat. Damit verbinde ich einfach so viele Erinnerungen. Das ist einfach ein gutes Ding für mich.

Markus: Ich habe gerade überlegt, ob ich jetzt wie Stefan auch eine Kindheitsplatte nehme – der Schlümpfe-Mix war sehr gut immer. Aber bei mir wäre es tatsächlich von Fever 333 Made an America, weil das rundet vielleicht auch ganz genau ab, was ihr gefragt habt. Es ist natürlich politischer, aber nichts hat mich, glaube ich, in den letzten zwei Jahren so beeindruckt wie die Live-Show plus die Aussagen. Es ist ein sehr rundes Bild.