Filmfestival Münster 2019 (Vorbericht)

Geschrieben von am 17. September 2019

In diesem Jahr findet das Filmfestival Münster vom 18.09. bis zum 22.09. im Schlosstheater statt. In den drei Wettbewerben des Filmfestivals treten 40 Kurzfilme und 8 Spielfilme an, um ein Preisgeld von insgesamt knapp 10.000 Euro zu ergattern. Daneben laufen aber noch eine Reihe von Filmen außerhalb der Konkurrenz.

v.l.n.r. „Mein Ende.Dein Anfang“, „Above us only sky“ und „Swallow“ (Fotos: Filmfestival Münster)

Das 18. Filmfestival in Münster beginnt mit dem deutschen Spielfilm „Mein Ende. Dein Anfang.“, der sich um das Thema dreht, dass uns wohl alle hin und wieder mal gegen Wände laufen lässt: Die Liebe.

„Und gerade bei “Mein Ende. Dein Anfang” ist das ein Film, der sehr stark auch sagt: Ich bin Kino. Ich mach hier nicht eine übliche Fernsehdramaturgie auf. […] Dieser Film ist auch in seiner ganzen Dramaturgie anders und herausfordernd und nicht so glatt, wie manch andere deutsche Filme.“

Carsten Happe (Festivalleitung)

Sieben weitere Werke kämpfen in der Kategorie Europäischer Spielfilmwettbewerb um den Preis für die beste Regiearbeit. Dabei geht es um so bedeutende und aktuelle Themen wie die Selbstbestimmung der Frau (Papicha), den Zusammenhalt der eigenen Familie (Phoenix) oder Fußball (The Champion). Das Besondere in diesem Jahr: Alle Acht sind Debütfilme. Waren vor zwei jahren noch sechs von acht Filmen von Regisseuren gedreht, die zuvor keinen Langspielfim produziert hatten, trifft dies nun auf alle acht zu. 

„Diesmal haben wir komplett gesagt: Wir gucken auf Debütfilme, weil das die interessanten Filme sind, das sind die Sachen, bei denen sich Regisseure richtig beweisen und ausprobieren können.

Carsten Happe (Festivalleitung)
v.l.n.r. „Lillian“, „All Gods in the Sky“ und „Papicha“ (Fotos: Filmfestival Münster)

Der Kurzfilmwettbewerb wure in diesem Jahr für den europäischen Raum geöffnet. Das Ergebnis in Zahlen: 34 Filme aus 14 Ländern.

„Es ist überhaupt nicht mehr so, dass es ein deutschsprachiger Wettbewerb gewesen ist, weil auch viele deutsche Filmhochschüler viel auf Englisch gedreht haben. Das heißt dieser alte Anspruch einen deutschsprachigen Wettbewerb zu machen, hat sich eh schon verwässert.“

Carsten Happe (Festivalleitung)

Dabei versuchen die Veranstalter eine möglichst breite Auswahl an Kurzfilmen in jedem Kurzfilmblock zu präsentieren: Animationsfilme, Kurzspielfime, Experimentalfilme und Dokumentationen über absurde Themen in einer Länge von 4-30 Minuten. Noch mehr Kurzfilme gibt es in der „Westfalen Connection.“ Hier werden Fime gezeigt, die mit der Region Münsterland in Verbindung stehen. 

v.l.n.r. „Aquarium“, „Cat Days“, „Gott ist schon weg“, „Make Aliens Dance“, „Red Hands“ und  „Three Cords and the Truth“ (Fotos: Filmfestival Münster)

Neben den drei Wettbewerbskategorien, gewährt das Filmfestival Münster seit einigen Jahren einen landesweit einmaligen Einblick in die niederländische Filmlandschaft. Dieses Mal steht die Kategorie „Focus NL“ ganz im Zeichen zweier kürzlich verstorbener Größen: Rutger Hauer, der sich als philosophierender Replikant Roy Batty in Blade Runner verewigte, und Robby Müller, dem Kameramann und „Meister des Lichts“ hinter den Arthouse Filmen von Jim Jarmusch und Wim Wenders. Passend dazu gibt es neben der Doku „Living the Light“ über Müllers Schaffen einige der ikonischen Filme mit Rutger Hauer zu sehen, darunter gleich zwei Filme des polarisierenden Kult-Regisseurs Paul Veerhoven.  

Für einen der Filme von Paul Veerhoven gibt es ganz besondere Aufmerksamkeit: „Showgirls.“ Dieser wird nämlich als Teil der neuen Reihe „Let’s Talk Movies“ behandelt. In dieser Reihe werden einige Dokumentationen gezigt, die das Thema Kino und Kinoerlebnis in den Blick nehmen. Im Anschluss wird dann eine Diskussion stattfinden. So auch mit der Dokumantation „You don’t Nomi“ über den modernen Erfolg des Flops „Showgirls.“ Aber es gibt auch einen Werkstattbericht der Webserie „Haus Kummerfeld“, die hier im Münsterland gedreht wird. 

„Aber dann entdeckt man im Laufe der Recherche auch Filme, wo man denkt, die passen zwar jetzt nicht so in eine bestehende Sektion, aber die würden wir gerne zeigen.  Das war dann halt dann der Aufhänger für unsere neu Reihe “Let’s Talk Movies”. Weil wir einfach gesehen haben, es waren ein paar interessante Dokumentationen im Umlauf, die sich mit Filmgeschichte und dem Ort Kino beschäftigen. “

Carsten Happe (Festivalleitung)
v.l.n.r. „You don’t Nomi“, „Heimatkino“ und „Haus Kummerfeld – Werkstattbericht“ (Fotos: Filmfestival Münster)

Ebenfalls ein fester Bestandteil ist die Horror und Thriller-Reihe „Nightwatch.“  Ein Film, der dieses mal eigentlich für diese Reihe vorgesehen war, aber letztendlich im Spielfilmwettbewerb läuft,  ist „All the Gods in the Sky“.  Aus dieser Kategorie stammt auch die Empfehlung von Carsten Happe (Festivalleitung): „Swallow“.

„Über eine Frau, die als eine bisschen gelangweilte Hausfrau eine Obsession entwickelt, Gegenstände herunterzuschlucken, die man normalerweise nicht schlucken sollte. Von der ersten Büroklammer bis zu irgendwelchen gefährlichen Stecknadeln und so weiter. Der Film ist einerseits so leise und durchkomponiert und andererseits macht der auch so eine schleichende Horrorstimmung auf, die wirklich sehr sehr beachtlich ist, gerade für einen Regiedebütanten, der seinen ersten Spielfilm dreht. Das ist wirklich der rundeste Film und er hat trotzdem immer noch scharfe Ecken und Kanten. Einerseits natürlich auch in dem, was er als Thema transportiert und in dem, was er zeigt und was er auslöst, weil man natürlich sofort denkt: Oh Gott, was kann man sich damit antun, wenn man solche Sachen schluckt. Und dann ist er gleichzeitig so behutsam mit seinem Thema. Das ist schon der Film, bei dem ich sagen würde: Wow, der hat mich in der Sichtung umgehauen.“

Carsten Happe (Festivalleitung)
„Swallow“ (Foto: Filmfestival Münster)

Das ganze Interview mit dem Festivalleiter Carsten Happe findet ihr hier

Wo? Das ganze findet im Schlosstheater Münster (Melchersstraße 81) statt.

Eintritt? Der Eintritt zu einem Spielfilm oder einem Kurzfilmblock kostet mit Kultursemesterticket 5 Euro. Eröffnung und Preisverleihung kosten allerdings 6 Euro. Alle Filme werden in Originalsprache (mit deutschen oder englischen Untertiteln) gezeigt.

Mehr Infos? Mehr Informationen zum Programm gibt es auf der Webseite des Filmfestivals.

(0:00 Rückblick auf 2017; 2:54 Blick auf die Organisation des Festivals; 8:29 Programmvorschau 2019; 23:26 Veranstaltung des Frauen*-Kollektivs)


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