The KVB – Unity

Rezensiert von am 28. November 2021

       

Zwei massive Ringe in Mitten einer natürlichen Idylle zur Unendlichkeit, einer Einheit verwoben – ganz im brutalistisch-ehrlichen Kontrastmodell zur gierigen Postmoderne präsentiert sich das Cover von neuen The KVB-Album. “Hörbare Architektur” zu erschaffen war das Ziel des Duos bei ihrem sechsten Album, eine audiovisuelle Verschmelzung im Sinne des vom französischen Architekten Le Courbusier in den 60ern entwickelten Strömung des Brutalismus. Die bei diesem Album schnell vom dafür stilprägende Sichtbeton (wie will man den auch über die Länge von 10 Songs ernsthaft vertonen?) und rohen Häuserwänden zu einer futuristischen und vor allem kinematografischen Fahrt aller Blade Runner oder Mullholland Drive wird. 

Das Londoner Duo The KVB startet 2010 noch als Soloprojekt an der englischen Südküste. In Southhampton nimmt Musiker Nicholas Wood aus seinem Schlafzimmer gitarrenlastigen Shoegaze in Eigenregie auf, spielt das Ganze auf Kassetten und veröffentlicht erste Singles unter dem Pseudonym Klaus von Barrel. Daraus wird der etwas weniger sperrig klingende Name The KVB, und mit dem Einstieg der Kunstwissenschaftlerin Kat Day nimmt das Projekt mehr Form an. Ein mit Techno-, New Wave- und Postpunk-Elementen angereicherten Darkwave-Sound ala The Jesus And Mary Chain entsteht. Klingt an vielen Stellen ein bisschen retro und aus der Zeit gefallen, was das Duo sich aber auf gar keinen Fall nachsagen lassen möchte. Vielmehr soll hier auf dem schmalen Grad zwischen neugeboren und vertraut gewandelt werden, was ja so einige Bands versuchen, wenn alte Genres ausgegraben werden. Bei The KVB funktioniert dieser Spagat vor allem durch den künstlerischen Ausdruck der Video- und Bühnenprojektionen von Kat Day. Das Kino im Kopf anknipsen und von außen ein bisschen füttern ist auch das Geheimrezept von “Unity”.

Der instrumentale Opener Sunrise Over Concrete macht mit einer Flut an Synthesizer Flächen direkt den Film im Kopf an, wie viele kleine helle Strahlen ergießt sich die Musik über durch die tiefen Bässe sehr massiv scheinenden Oberflächen. Die sich im folgenden Unité dann als eben diese massiven “französischen” Wohnbauten des Brutalismus konkretisieren, angelehnt an die ersten ineinander verschachtelten Wohneinheiten von Le Courbusier, den Unité d’Habitation. Kat Days verwaschene Stimme begleitet den Flug durch die industrialisierte Großstadt. In einem ähnlichen Vibe gehts mit Unbound weiter, allerdings mit deutlicherer Weisung in Richtung Post-Punk – mehr Schlagzeug, mehr industrial Sounds, mehr Gitarren Soli ergänzen den immer weiter stampfenden Synthesizer-Teppich. Unendliche Möglichkeiten deuten sich im lyrischen Nebel an, der auf dem gesamten Album im metaphorischen Dämmerlicht bleibt.


In that safe space in your dreams // What is outside, underneath?

The KVB – “Future”

Future weist musikalisch irgendwie mehr zurück als der Titel es vermuten ließe – krasse New Order-Vibes und der dystopische Darkwave vergangener Alben lassen grüßen. Lyrisch wird eine Isolation des Selbst in einer ständig präsenten Welt beschrieben, die die eigene Zukunft so unkonkret erscheinen lässt, dass die musikalisch Eintönigkeit des Songs ganz gut dazu passt. Ideal Living ist mit seinen tickenden Klängen im Hintergrund und dem Herzschlagbass, der sich in einen raveartigen Sound im Duett beider Musiker ergießt wesentlich interessanter. Kleine Gitarrenlinien am Ende vom Refrain machen den Sound noch raumgreifender, während hier Maschinen mit uns über die eigene Vergänglichkeit zu sprechen scheinen.

World on Fire kontrastiert dann diese Stimmung heftig, der Song der am ehesten in den Bereich Indierock fällt auf diesem Album geht mit einer deutlich positiveren Aufbruchsstimmung voran. Die Energie wird weitergetragen im hauptsächlich instrumentalen Structural Index. Mit Omni bekommt “Unity” einen einigermaßen kitschigen Closer, die einzige (wieder etwas düstere) Synth-Ballade auf dem Album. Am Ende steht die Liebe für alle Zeiten neben den architektonischen Verweisen der (Wohn-) Einheit in Einfachheit. So ist die Unity, die Gemeinschaft vom Titel, Cover und Musik nach diesem langen Weg durch die Sichtbeton-Häuserschluchten bei einem ganz optimistischen Ende angekommen.


Label: Invada Records UK
Veröffentlicht am: 26.11.2021
Interpret: The KVB
Name: Unity
Online: Zur Seite des Interpreten.


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