The Architect – Une Plage Sur La Lune

Rezensiert von am 14. Juni 2020

       

Ein paar spielende Kinder, ein kleiner Wasserlauf, Sandburgen und Sandhaufen, die solche mal werden sollen – auf den ersten Blick könnte dieses Bild in vielen Familienfotoalben vom Sommerurlaub auf Amrum zu finden sein. Aber etwas an diesem Bild ist anders. Im Hintergrund sind weder Wellen noch ein strahlend blauer Himmel zu sehen. Stattdessen Planeten, kleine Sterne und der endlose Weltraum. Ein Strand auf dem Mond, „Une Plage Sur La Lune“, mit seinem Album entführt uns der französische Künstler The Architect musikalisch genau in dieses träumerische kleine Bild. 

„Une Plage sur la Lune“ ist das Debütalbum von The Architect, ein Debüt, das seit seiner 2013 veröffentlichten EP „Foundations“ viel Zeit hatte, um musikalisch zu reifen. Die lange Wartezeit hat sich gelohnt, denn wie der Musiker in den knapp 15 Tracks elegant Genres wie Reggae, Hip-Hop, Jazz, Soul und elektronische Elemente miteinander verwebt, ist ziemlich einmalig und in keinem Ton aus erzählt oder langweilig. Groß und bekannt geworden ist The Architect (über dessen Identität sich ein Mantel des Schweigens legt) vor seiner Solokarriere als Produzent des französischen Hip-Hop Kollektivs L’Enterloop. Mit 15 erwacht sein Interesse für das Auflegen von Platten und sammeln von Samples, dann beginnt der junge Mann irgendwann selbst Beats zu produzieren. Später arbeitet er auch für weitere bekannte Größen der Downbeat/ Hip Hop Szene wie Chinese Man oder Troy Berkley und tritt weltweit als DJ auf. Mit „Une Plage sur la Lune“ tritt The Architect aus dem Schatten der großen Namen heraus, führt bekannte Richtungen nicht einfach fort, sondern erfindet sein beheimatetes Genre vor allem durch den vielfältigen Einsatz verschiedener Jazz-Samples noch einmal neu.

Das Album beginnt gleich mit dem titelgebenden Track, der einen sehr sanft, aber doch drängend auf den Strand am Mond katapultiert. Ein entspannter Beat unterlegt spoken word- Passagen, die schließlich in einen lalala-Gesang spielender Kinder münden. Die leichte Richtung zum LoFi zieht sich in „Jacqueline“ fort, so schafft The Architect einen sehr leichten Einstieg in dieses Album, quasi eine Loslösung von allem Irdischen, die ab jetzt ein störungsfreies Schweben durch die kommende Stunde Musik eröffnet. Die nächsten drei Songs gehen dann treibender voran mit einigen Rap-Passagen, die sich mit Bläsern und tiefen LoFi Beats im Dancehall Stil mischen, wie in „Cretien de terrien“ oder „Tigerz“ (mit Rapper Johaz), dass mit einer kleinen Fanfare a la 20er Jahre-Swing beginnt.

Eine kurze Pause zum Durchatmen folgt dann mit „Darling“, welches mit seinen leisen französischen Sprechgesang eine Cafehaus Stimmung erzeugt, die stark in Richtung Ambient fließt. Mit diesem Song beginnt sich das Album stärker Elementen der World Music zu zuwenden, und zwar unglaublich vielfältig einmal um den Globus. Während „Baile de Sol“ von von afrikanischen Tanzrhythmen dominiert wird, legen sich in „East Raw“ dann wieder total orientalische Samples zwischen double time-Rap von Aeron Cohen. Den Höhepunkt dieses Mixens setzte The Architect mit „Watch Me Dance“, in der zweiten Hälfte des Albums, wo afrikanische Zupfinstrument gesamplet werden, natürlich immer über dem Downbeat Rhythmus.

Nachdem „Sin Jaza“ mit seinem leichten Elektro-Swing Touch und dem Einsatz von jazzeigen Klavier sehr an Chinese Man erinnert, setzt „Boogie Dola“ dann nach einer atemlosen langen Rap-Passage, die super überraschend in einer Panflötenmelodie endet, den letzten experimentellen Höhepunkt des Albums. Einen Ausklang gestaltet The Architect dann wieder ähnlich wie den Einstieg in den letzten drei Tracks mit Entschleunigung, Lo-Fi Gesang über einem langsamen, sanftem Beat („Royom“). Dieses unglaublich kreative, genreübergreifende Album „Une Plage De La Lune“ endet am „Nulle Part“, im Nirgendwo, wo wir uns zu einer leisen, hallenden Trompete vom Mond erheben und überall hinschieben können.


Label: X-Ray Productions
Veröffentlicht am: 12.06.2020
Interpret: The Architect
Name: Une Plage Sur La Lune
Online: Zur Seite des Interpreten.


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