Phoebe Bridgers – Punisher

Rezensiert von am 21. Juni 2020

       

Phoebe Bridgers ist wohl eines der größten Musiktalente, das die Indiewelt in den letzten Jahren dazugewonnen hat. 2014 begann die Karriere der Frau aus Los Angeles mit ihrer Debüt EP „Killer“. Gefolgt von ihrem gefeierten Debütalbum “Stranger in the Alps”. Aber nicht nur als Solo-Künstlerin ist Phoebe Bridgers erfolgreich. Auch als Teil von Gruppen wie Boygenius oder als Better Oblivion Community Center an der Seite von Conor Oberst. Jetzt ist ihr 2. Soloalbum erschienen mit dem Titel „Punisher“. Und dort zeigt uns Phoebe Bridgers einmal mehr, wieso sie der neue Stern am Indiehimmel ist. Selten konnte man in letzter Zeit ein so gefühlvolles aber gleichzeitig authentisches Album anhören wie dieses.

Der Opener “DVD Menu” führt wunderbar in den Grundton des Album ein und schließt perfekt daran an, wo Phoebe Bridgers uns auf ihrem letzten Album “Stranger in the Alps” zurückgelassen hat, denn der Song sampelt das letzte Stück ihres Vorgängeralbums “You Missed My Heart”. Dazu vereinzelte Gitarrentöne und Streicher und eine melancholisch düstere Atmosphäre wird geschaffen. An dieser Atmosphäre knüpft das zweite Lied “Garden Song” unmittelbar an. Grundbeat ist eine leichte Gitarre über die ein Effekt gelegt wurde, der unmittelbar Assoziationen zu dem frühen Bon Iver weckt. Über den Song selbst sagt die Künstlerin, dass es um die Vorstellung geht, alle deine Träume wären real, egal ob gut oder böse. So versucht sie die Alpträume zu verarbeiten, die sie selbst häufiger auf Tour plagen. Im Chorus wird der emotionale Gesang zudem von einer unglaublich tiefen harmonischen Männerstimme begleitet – wobei es sich im übrigen um ihren Tourmanager Jeroen Frijhoef handelt. Fast schon einen kleinen Kontrast im Vergleich zum Rest des Albums liefert der dritte Song “Kyoto”. Von der musikalischen Stimmung her wird die Reduzierung aufgehoben und ein intensiver Drumbeat und Bläser im Refrain durchbrechen ein wenig die bisher kreierte eher ruhig anmutende Atmosphäre. Inhaltlich handelt der Song von dem Gefühl, dass Bridgers immer woanders sein möchte, als sie es gerade ist. Ist man auf Tour will man zu der Familie, ist man bei der Familie will man schnell wieder auf Tour – ein Gefühl was Bridgers ständig umtreibt. 

Ruhiger gehts es dagegen wieder im Song “Punisher” zu. Langsame Gitarren, Klavier und Streicher und ruhiger melancholischer Gesang treiben wieder in die Grundstimmung des Albums zurück. Ein Punisher ist nach Ansicht Bridgers beispielsweise ein Fan, der nach einem Konzert ein Gespräch mit ihr führt und in diesem Gespräch voll aufgeht und dem man sehr wichtig ist, aber trotzdem möchte man aus dieser Gesprächssituation entkommen, weil man z.B. ins Bett möchte. In dem Song Punisher stellt sie sich vor, wie sie so eine Person für ihr großes Idol Elliott Smith gewesen wäre.  Während der Song “Halloween” von einer toten Beziehung handelt, geht es in „Chinese Satellite“ darum wie es ist keinen Glauben zu haben. Nach Aussage Bridgers verarbeitet sie in dem Song jedoch auch, dass sie in ihrer Kindheit keine Hogwartsbrief bekommen hat, der sie aus ihrem bisherigen Leben hätte befreien können. “Moon Song” und “Saviour Complex” sind thematisch miteinander verwandt und beschreiben, wie hart es ist sich um andere zu kümmern, die selbst mit sich und ihrem Leben unzufrieden sind. 

Nach dieser zwar schönen aber musikalisch tendenziell monotoneren Phase sticht der Song “I See You” musikalisch wieder mehr heraus – Etwas schneller vom Grundbeat und soundtechnisch voller arrangiert. Thematisch verarbeitet sie das Beziehungsende zu ihrem Drummer mit dem sie schon lange zusammen war. Dabei haben sich die beiden allerdings nur auf der Beziehungsebene getrennt. Die beiden sind noch immer gute Freunde und haben den Song sogar gemeinsam aufgenommen. Für eine kleine Überraschung der Platte sorgt der Song “Graceland Too”: Eine Country-Ballade, die auf einmal mit Banjo aufwartet. Thematisiert werden die Gedanken der Künstlerin, die sie während einem MDMA-Trip hatte. 

Letztendlich gelingt Phoebe Bridgers mit “I Know The End” ein bombastisches Finale ihrer Platte. Nachdem der Song eine ganze Zeit ruhig bleibt, steigert er sich hinten raus immer mehr und endet mit Schreien von Phoebe Bridgers, wobei sie eine apokalyptische Zukunftsvision Amerikas abzeichnet. 

Insgesamt gelingt Phoebe Bridgers ein grandioses zweites Album, dass mit extrem gefühlvollen authentischen Songs gespickt ist und großartige breite instrumentale Arrangements enthält. Gerade Abends wenn man sich in der Dunkelheit noch besser auf die dargestellte düstere Atmosphäre einstellen kann, ist das Album eine absolute Hörempfehlung. 


Label: Dead Oceans
Veröffentlicht am: 19.06.2020
Interpret: Phoebe Bridgers
Name: Punisher
Online: Zur Seite des Interpreten.


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