The Allergies – Say The Word

Rezensiert von am 20. Juli 2020

       

Eigentlich ist es eine Frechheit, genau jetzt in diesem Sommer, in dem alle Clubs geschlossen, und die meisten Festivals abgesagt sind, ein Album zu veröffentlichen, bei dem es unmöglich ist, keine Lust auf tanzen zu bekommen. Aber was wäre das Leben ohne ein bisschen bittersüße Vorfreude? Und das eigene Zimmer oder die WG- Küche ist schließlich auch immer noch eine Option, ein bisschen Energie raus zu lassen. Und genau dazu regen uns das DJ-Duo The Allergies mit ihrem vierten Album „Say The Word“ an. 

Die beiden Produzenten DJ Moneyshot und DJ Rackabeat aus Bristol schließen sich 2012 zusammen mit einer gemeinsamen Mission: die Vintage- Funk und Hip-Hop Sounds ins 21. Jahrhundert zu bringen, so erzählen die Musiker auch selbst über ihre Arbeit: „We like breaks, funky basslines, horns, and dancefloor grooves. We’re inspired by the golden eras of funk, soul, disco and hip-hop, and we try and cram that into three and a half minutes!“ 2015 veröffentlichen The Allergies ihr Debütalbum „As We Do Our Thing“, auf dem man in einem Mix aus Funk, Soul und Disco Beats aber vor allem ihre Wurzeln im klassischen Hip Hip heraus hört. Der kommt aber immer noch an, so feiern The Allergies große Erfolge mit ihrer Musik, besonders bei dem Heimat Sender BBC 6. In ihrem neuen Album „Say the Word“, das letzten Freitag nach zwei Jahren Produktionszeit erschien, bauen die beiden DJs vermehrt auch lateinamerikanische Beats in ihre Songs mit ein und holen sich einige namenhafte Künstler*innen mit ins Boot. Da wären zum einen Andy Cooper von Ugly Duckling, teilweise gemeinsam auftretend mit Soul-Sängerin Marietta Smith, zu nennen, aber auch The Cuban Brothers, die den Song „Let Them Know“ Richtung Samba stoßen. 

Say The Word beginnt mit dem Opener „Hit Me One Time“, der direkt eine Ansage macht in Richtung Hörer, was hier der Anspruch an guten Hip Hop ist: keine ewigen Hooklines, Texte punktgenau eingesetzt und alles in allem ein Sound, der einen direkt trifft. Wenn direkt darauf die kubanischen Rhythmen von „Let Them Know“ , die an Bossa Nova und Straßen-Karneval in Brasilien erinnern einsetzten, möchte man spätestens jetzt los tanzen. The Allergies kombinieren so mühelos die Rap-Texte mit einem sommerlichen-tänzerischen Sound, der immer wieder Richtung Funk der 70er abdriftet. Besonders Songs, in denen sich Cooper und Smith Sprechgesang und soulige Refrains hin und her werfen („Say The Word“), oder auch „Take My Love“ könnten als Soundtrack zu einem Blues Brothers Remake dienen. Etwa zur Hälfte des Albums kommt es mit dem langsamen LoFi-Beat von „I Just Got That Feeling“ zu einer kurzen Atempause von den treibenden Songs auf diesem Album. In „Felony“ wird mit gedämpften, nächtlichen Grooves eine Rückkehr zum klassischen Allergies-Sound der ersten Stunde angedeutet. Staubig, direkt aus dem alten Vinyl-Schrank kommend-klingende Beats treffen auf druckvolle Drums. Und natürlich die satten Blässer nicht zu vergessen, die auch in „Every Trick in the Book“ oder „I’m on it“ ganz organisch eine Einbettung in dieses Soul-Hip-Hop Feuerwerk finden. 

Das Album endet wieder mit der wunderbaren Marietta Smith in dem positiven „It Feels So Good“, in dem noch einmal zum krönenden Abschluss alles ausgepackt wird, was The Allergies in der letzten Dreiviertelstunde gezeigt haben: entspannt-positive Texte, mal mit souligen, mal mit rappigeren Anklang, funkige Bläser, LoFi- Beats und leichte Samba- Rhythmen. Diese dann auch wirklich neue musikalische Ausrichtung von The Allergies, hin zu lateinamerikanischen Rhythmen, zieht sich ebenfalls in jedem zweiten Titel der 12 Songs auf Say The Word“ durch. Die beiden DJs bringen so mit ihrem vierten Album einen Sommer-Soundtrack mit, der mit einer guten Prise Nostalgie gewürzt, sich genau auf das konzentriert, was im Hip Hop richtig gemacht wurde und nun nur noch durch die passenden Elemente ergänzt werden musste. 


Label: Jalapeno Ltd.
Veröffentlicht am: 17.07.2020
Interpret: The Allergies
Name: Say The Word
Online: Zur Seite des Interpreten.


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