Tame Impala – The Slow Rush

Rezensiert von am 24. Februar 2020

       

Dass Tame Impala mal als Support Act für MGMT und The Black Keys unterwegs waren, kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Das 2007 gegründete Psychedelic-Projekt um den Australier Kevin Parker ist spätestens mit dem ersten Grammy und dem Headlining von Coachella in 2019 absolut im Mainstream angekommen. Es ist also verständlich, dass das vierte Studioalbum „The Slow Rush“ von einer ziemlich großen Fanbase gespannt herbeigesehnt wurde; vor allem, da es ganze 5 Jahre auf sich warten ließ.

Musikalisch passt sich „The Slow Rush“ aber, trotz längerer Pause, vollkommen seinem Vorgänger „Currents“ an. Waren die ersten Studioalben noch stark vom Psychedelic Rock der 60er und 70er Jahre inspiriert, entwickelte sich Parkers Stil, der übrigens alle Songs allein im Studio zusammenschustert, in den letzten Jahren sehr in eine elektronische Richtung. Auf „The Slow Rush“ finden sich neben Elementen des Dream, Psychedelic und Synthie-Pop, Disco-Funk, Alternative Rock und Shoegazing zahlreiche elektronische Komponenten. Bekannt ist Tame Impala schon immer für den sehr experimentellen Umgang mit verschiedensten Soundeffekten: so wimmelt auch dieses Album nur so von Hall, Distortion und Delays. Trotz dessen und den wahnsinnig aufwendigen Kompositionen lassen sich alle Songs aber angenehm hören, sie erfragen freundlich die Aufmerksamkeit des Hörers und erzwingen sie nicht, wie das bei anderen Psychedelic-Projekten oft der Fall ist. Dass Kevin Parker nach eigener Aussage von Fleetwood Mac, Supertramp oder den Bee Gees inspiriert ist, hört man dabei immer heraus. Funkige Basslines auf Disco- und Hip-Hop-Beats, die sanfte Stimme hinterlegt mit Harmonien, Songs, die sich entwickeln und den Hörer mit auf eine Reise nehmen – all das gibt Tame Impala den unverwechselbaren Wiedererkennungswert. 

Doch auch wenn „The Slow Rush“ vor guter Laune und positiver Energien nur so zu vibrieren scheint, sieht es textmäßig teils ganz anders aus. Im 6-Minuten-Song „Posthumous Forgiveness“ verarbeitet Parker beispielsweise seine Wut und Trauer um seinen verstorbenen Vater: „That you left us alone / Me and Steve on our own/ I wanna tell you ‚bout the time / Wanna tell you ‚bout my life / Wanna play you all my songs“. Im Song beschreibt er zunächst, dass er immer zu seinem Vater aufgeschaut habe und nach seinem Tod nicht verstehen konnte, wieso dieser ihm nie von seinen Sorgen und Ängsten erzählt habe. Parkers Gefühle entwickeln sich im Lied aber, er wendet sich direkt an seinen Vater und verzeiht ihm, gibt ihm zu verstehen, dass sein Handeln nur menschlich war und er es heute endlich nachvollziehen kann. 

Auch andere Songs des Albums beschäftigen sich stark mit introspektiven Themen. „Lost in Yesterday“ dreht sich um die Abhängigkeit zur Nostalgie, in „Instant Destiny“ ruft Kevin Parker, ganz in guter alter „Carpe Diem“-Manier, zum Leben im Hier und Jetzt auf. Obwohl, laut dem Songwriter selbst, für ihn die Musik immer vor dem Text kommt, bildet eben dieser einen interessanten Kontrast zur sehr beschwingten, leichten Musik. Es scheint, als setze sich der Australier mit seinen Sorgen und Ängsten auseinander, indem er sie musikalisch mit positiver Energie und Leidenschaft bekämpft. Sehr angenehm ist auch der Unterschied zwischen der vielschichtigen Komposition und den klaren, eindeutigen Texten: Parker redet hier nicht groß um den heißen Brei herum, es finden sich keine aufwendigen Metaphern, die Texte sind klar und eindeutig. 

Man kann „The Slow Rush“ definitiv vorwerfen, es zeige zu wenig musikalische Diversität im Vergleich zu früheren Werken und Kevin Parker hat Tame Impala mit diesem Album auch sicherlich nicht neu erfunden. Doch die Frage ist, ob Veränderung überhaupt der Anspruch an das Album war. Eigentlich tut es doch genau das, was wir erwartet haben: „The Slow Rush“ nimmt uns im grauen Februar mit auf eine Reise in den pulsierenden, bunten Sommer und versprüht ein bisschen gute Laune, Lebensfreude und Sorglosigkeit.

Rezensiert von Nicola Koch


Label: MODULAR RECORDING
Veröffentlicht am: 14.02.2020
Interpret: Tame Impala
Name: The Slow Rush
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