Bukahara – Canarias in a Coal Mine

Rezensiert von am 16. März 2020

       

In Zeiten des Coronavirus wird reisen merklich schwieriger. Viele europäische Städte fühlen sich schon wie Geisterstädte an und das “normale” Leben in unserem first-world Alltag kommt ins stocken. Wie gut, dass wir uns auch Zuhause, in Quarantäne, oder im Homeoffice mit guter Musik die Zeit vertreiben können. Mit “Canaries In A Coal Mine” schaffen Bukahara in diesen Tagen ein Album, dass zum Wegträumen einlädt. Ein Album, dass als musikalische Reise um die Welt das Fernweh gleichzeitig anheizt und befriedigt. In ihrem neuen Album schaffen Bukahara es, in jedem Song eine andere Art der musikalischen Kultur einfließen zu lassen. In einem Song fühlt man sich nach Griechenland versetzt, im nächsten sind es die Trommeln des afrikanischen Kontinents und in einem anderen die Töne der Zither aus dem osteuropäischen Raum. 

Doch zunächst einmal zur Band: Denn genau wie ihre Musik, sind auch die Bandmitglieder von Bukahara eine kleine internationale Gruppe. Angefangen mit Max aus Münster, Soufian mit tunesischen Wurzeln, Daniel ist Schweizer und Ahmed ist in Syrien geboren. Die Stadt, die sie alle verbindet, ist Köln. Dort haben alle vier an der Musikhochschule Jazz studiert. Eine Musikrichtung, die in ihrer Musik stets hörbar ist – nicht unbedingt durch die Musikstil an sich, mehr durch den Einsatz und die Auswahl der Instrumente. 

Um zu verstehen, was uns auf “Canaries In A Coal Mine” erwartet, begeben wir uns auf eine Reise:

Wir beginnen unsere kleinen Trip mit dem Song “Happy”, dem Opener des Albums. Er entführt uns musikalisch auf weite Landstraßen durch Südeuropa. Vorbei an den Orangenbäumen in Portugal, oder den Olivenplantagen in Griechenland. Vor allem der treibende Klang der Gitarre treibt unsere Reise voran. Begleitet wird die musikalische Fahrt mit Clap-Beat und Geige. Eine sehr skurrile, aber geniale Kombination.

Der Song, der für mich am meisten aus dem Album heraussticht, ist “Afraid No More”. Sein Intro hüllt den Hörenden in eine schönes Gitarrenspiel, zu dem man in den Abendhimmel gucken möchte. Gebrochen wird diese Stimmung durch den Refrain. In diesem bekommen wir einen Balkanbeat mit spanischer Gitarre geboten. Sofort wird man dazu verleitet den Rhythmus auf dem nächsten Bartresen, oder den eigenen Knie mitzuklopfen. Das Ganze abgerundet mit einer Stimme des Sängers Soufian, die so markant klingt und einen Akzent im Englischen hat, der mich als Hörenden sofort catcht. 

Auf ihrem Album “Canaries In A Coal Mine” finden sich neben englischen auch deutsche Songs. Kein Novum in der Bandgeschichte, dennoch ein mutiger Schritt. In Zeiten von weichgespülten Deutschpop alla Philipp Dittberner, Joris oder Philipp Poisel klingt deutsch Gesungenes schnell nach den 08/15 Texten der Pop-Poeten. Das, was die Songs “Wolken” und “Baum” von ihrem Hörenden verlangen, ist Aufmerksamkeit – nur so lässt sich erkennen, dass mehr dahinter steckt. Auch auf Deutsch mischen Bukahara ihre Songs mit internationalem Klang. Das ist es, was es zu mehr werden lässt. Das “gespotifyte” Gehirn des geneigten Zuhörenden sollte sich jedoch niemals bei einem Bukahara Album abschalten oder würdet ihr bei einer Weltreise die Sinne benebeln? Dennoch lädt vor allem der Sound der deutschen Songs zum Entspannen ein. 

Wir beenden unsere kleine Reise durch das neue Bukahara Album mit dem Song “Mafarr”. Einem Song, der mich an die afrikanische Steppe erinnert. Gedanklich fahre ich mit einem Geländewagen abseits der asphaltierten Straßen und tauche in die Schönheit der Natur ein. Afrikanische Trommeln und geselliger Clap-Rhythmus prägen den Song. Akzentuiert ist auch dieser Song mit Streichinstrumenten, die dem Sound einen angenehmen Flow verleihen. “Mafarr” ist durch seine Kombination der musikalischen Möglichkeiten der perfekte Road-Trip Song.

Auf das Album “Canaries In A Coal Mine” muss man sich genau so einlassen wie auf eine Reise. Es braucht vielleicht etwas, um sich an die fremden Klänge zu gewöhnen, dann sind diese Klänge aber um so erfrischender. Indie-Folk aus Deutschland klingt selten so international und multikulturell. Bukahara beweisen was internationales Zusammenspiel von Multiinstrumentalisten schaffen kann – echte Musikvielfalt.


Label: BML RECORDS
Veröffentlicht am: 13.03.2020
Interpret: Bukahara
Name: Canarias in a Coal Mine
Online: Zur Seite des Interpreten.


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