(Sandy) Alex G – House of Sugar

Rezensiert von am 15. September 2019

       

An Bedroom Aufnahmen ist in den 2010ern einfach kein Vorbeikommen. Aus den USA schwappt schon seit einiger Zeit eine Flut an minimalistischen Lo-Fi Tapes von emotionalen Teenagern und jungen Erwachsenen mit Slackerattitüde durch die Welt. Die reicht von Szenephänomenen wie Teen Suicide oder Florist hin zu Acts die inzwischen bereits im Mainstream angekommen sind wie Clairo. Von Anfang an dabei und ein wahrer Hohepriester dieser Strömung ist Alex Giannascoli, besser bekannt als (Sandy) Alex G. “House of Sugar” ist bereits das achte Tape in Albumlänge, doch sticht dennoch durch einen klareren Sound, aufgenommen mit neuem Equipment und einigen Soundexperimenten heraus.

Zwei Themen die auf dem Album immer wieder herausstechen sind Abhängigkeit und Selbstverletzendes Verhalten. Bereits der Opener “Walk Away” spielt mit der Abkehr von der Sucht, die zunächst immer wieder beschworen “Someday I’m gonna walk away from you” doch daraufhin wieder relativiert und verschoben wird “Not today, not today”. Das ganze zieht sich über vier Minuten Länge und kreiert durch Verzerrungen und Rewind-Effekt eine Atmosphäre des besessen seins – ein Song wie die Sucht.

Direkt darauf Hoffnung – “Hope”, was erstmal nach einem starken Kontrast zum Opener klingt, entwickelt sich zu einer traurigen Hommage an einen ehemaligen Freund Giannascolis, welcher, geplagt von schweren Depressionen, durch eine Überdosis Fentanyl ums Leben kam. Beide wohnten zusammen in der Hope Street in Philadelphia, daher der Name, denn Hoffnungsvoll ist hier nichts. Starkes Songwriting wird gepaart mit einer folkigen Instrumentalisierung und dem schwermütigen Einsatz von Alex Stimme, was an die frühen Belle and Sebastian erinnert – nur in weitaus düsterer.

Weitere Highlights sind das verspielte, düstere “Gretel”, in welchem das Märchen Hänsel & Gretel so umgedreht wird, dass Gretel Hänsel im Ofen verbrennen lässt und sich stattdessen über die Süßigkeiten im Hexenhaus hermacht – eine gelungene Persiflage auf den allgegenwärtigen, vom Markt entfachten Egoismus. Bei dem Track “Southern Sky”, der von einer Spieluhr eröffnet wird und mit Geigen überrascht, harmonieren Giannascoli und Emily Yacina im Refrain super, auch wenn das Songwriting über das Verdrängen von Problemen indem man an die Good Old Days denkt, ein wenig klischeebelastet daher kommt.

Eine Schwachstelle sind die experimentelleren Songs. “Sugar” ist rein instrumentell ein Song der sich fast schon Filmscoremäßig aufbaut, allerdings mit unpassenden Roboterstimmen die arrangierte Atmosphäre stört. “Project 2” klingt nach einem von M83 inspirierten Hip-Hop Beat mit Trap Elementen, der tatsächlich sehr belanglos daherplätschert. Doch der störendste Song ist definitiv “Near”, der sooft das Wort “You” wiederholt, dass man dazu verleitet wird, den Song bereits nach ein paar Sekunden zu skippen – sollte man auch denn verpassen tut man in den 2 Minuten nichts. 

Diese sollte man eher verwenden um den wunderschönen Closer “Sugar House”, einen Live mitgeschnittenen Song, welcher später mit Saxophon unterlegt wurde, zu genießen. Thematisch vergleicht der Song die Höhen und Tiefen im Leben mit einer Spielsucht im Casino (das in Philadelphia den Namen Sugar House trägt). Minimalistisch und irgendwie elegant kommt der Song daher und passt somit super zur Casino Thematik.

Mit “House of Sugar” untermauert (Sandy) Alex G erneut seinen Status als Bedroom Szene Star. Auch wenn die Aufnahmen klarer und instrumentell größer besetzt sind, bleibt die authentisch wirkende Melancholie erhalten. Die eher experimentellen Tracks scheinen zwischen den schwemütigen Folksongs eher fehl am Platz aber zeigen dafür, dass (Sandy) Alex G weiterhin ein spannender Künstler bleibt, getrieben von Innovation und nicht, wie andere Artists der Szene, gefühlt jedes Jahr dasselbe Tape auf den Markt wirft. Stay clean!


Label: DOMINO RECORDINGS
Veröffentlicht am: 13.09.2019
Interpret: (Sandy) Alex G
Name: House of Sugar
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