Chastity – Home Made Satan

Rezensiert von am 23. September 2019

       

“All I ask Is the impossible task of being happy as a human and making it last”

Dieser Satz ist die erste Zeile aus der Single Bliss und fasst unser Album der Woche “Home Made Satan” von Chastity schon ziemlich gut zusammen

Chastity – was übersetzt so viel wie Keuschheit bedeutet, hat in Whitby, Ontario in Kanada. seinen Ursprung. Im Jahr 2015 gründete Frontman Brandon Williams die Band. Seitdem sind ein paar EPs veröffentlicht worden, ehe im Jahr 2018 ihr Debütalbum Death Lust erschienen ist. Chastity haben ihre ersten Alben als Trilogie ausgeschrieben und somit erscheint mit Home Made Satan nun der zweite Teil dieser Triologie.

Dabei ist Home Made Satan kein Album voller willkürlich aneinandergereihter Songs, sondern verfolgt ein Konzept: Es geht um eine Person, die sein/ihr persönlichen Chaos in Zeiten politischer Unruhe durchlebt. Und dieses durchleben von Unglück, Schmerz und Melancholie gepaart mit der “Die-Welt-ist-scheiße”- Attitüde, wie es sich auch im Anfangszitat widerspiegelt, zieht sich auf einzigartige Weise durch alle Songs des Albums.

Den Start macht der Song Flames. Musikalisch ist es zunächst der klassische Indierocksong mit diesem gewissen 80er-Gitarrenglanz, der auf einen einprasselt und zunächst einmal nichts böses erahnen lässt. Der Songtext jedoch rechnet gleich mit einer selbstzerstörerischen Gesellschaft ab in der das Motto “lashes for lashes” also Peitschenschläge für Peitschenschläge vorherrscht. Gleich im zweiten Song “Dead Relatives” lassen es sich Chastity nicht nehmen  Konservativismus anzuprangern – manifestiert in der poetischen Textzeile – “There is a special place in hell for the Christian right. Bury your parents tonight.” Fast schon als Rachegedanken zu einer konservativen Erziehung. Musikalisch bleibt der Song, dabei aber eher ruhig. Dennoch zeigen Chastity, in machen Songs auch musikalisch, dass dieser Gesellschaftsfrust schnell in Aggression umschlagen kann. So klingt der Song Spirit Me Up zu Beginn eigentlich so, dass man jeden Moment erwarten könnte, dass Tim McIlrath von Rise Against anfängt seine raue Punkrockstimme in Aktion zu bringen. Dieser Song verläuft sich dann jedoch wunderbar und bietet einen unglaublichen Mix aus Indie, Punk und Postrock und ist musikalisch definitiv das Highlight auf dem Album. Textlich scheint hier schon fast eine Radikalisierung der Kernfigur des Albums vorgenommen zu werden. So ist in dem Song die Rede davon, dass das Töten eine ganz neue Bedeutung bekommt, wenn man es für eine ganz bestimmte Sache macht. Solche textlich radikalen Songs werden aber ebenfalls intelligent abgelöst von Songs wie Anxiety oder Last Years Lust, die einfach das Gefühl vermitteln, wie es ist nachts einfach dazuliegen und seinen Ängsten und Gedanken schutzlos ausgeliefert zu sein. Die musikalisch allerdings nach nicht weiter dramatischen Feelgood Indie-Rock klingen. Ob dieser Kontrast gelungen ist oder nicht, oder ob nicht weitaus düstere Musik die textlichen Emotionen hätte besser wiedergeben können, darüber lässt sich streiten.
 
Letztendlich gelingt Chastity eine großartige Partitur auf dem Klavier der negativen Emotionen: Angst, Alleinsein, Melancholie, Gesellschaftsfrust, Aggression, Zynismus und Unglück. Kein Wunder also warum das Veröffentlichungsdatum dieses Albums auf Freitag den 13. gefallen ist. All diese Emotionen werden verpackt in einem glänzenden Gewand des Indierocks, der sich in einem Spannungsfeld zwischen melancholischer Singer-Songwriter Einflüsse und Punkrock bewegt und somit ein einzigartiges Album kreiert.


Label: CAPTURED TRACKS
Veröffentlicht am: 13.09.2019
Interpret: Chastity
Name: Home Made Satan
Online: Zur Seite des Interpreten.


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