Romare – Home

Rezensiert von am 10. August 2020

       

Archie Fairhurst hat in der englischen Provinz sein neues Zuhause gefunden und eine Familie gegründet. Wo sich zunächst ein skeptischer Blick bezüglich kleinbürgerlicher Traumwelten breit macht, klingt der Sound des Ninja Tune Vorzeigeproduzenten dennoch diverser und spannender als je zuvor. Scheinbar muss das Hinterland der Insel für frischgebackene Familienväter gigantische kreative Energien freisetzen (looking at you King Krule). Dabei hat sich Romares Trademark-Sound zwischen Deep-House Sphären, globalen Samples und zischenden Hi-Hats im vergangenen Jahrzehnt eine breite Fanbase erarbeitet – sowohl Hip-Hop Heads als auch House- und Techno-Nerds finden in Romare einen gemeinsamen Nenner. Der Sound des Briten war schon immer einzigartig und auf dem Dancefloor schien es ziemlich einfach Romares Songs aus diversen Sets herauszuhören. Allerdings führte dieser Trademark-Sound zu einem Mangel an Varianz im Klang der Songs. „Home” wagt in dieser Hinsicht einen Bruch.

Das wird schon im Opener deutlich. „Gone” baut sich ruhig auf, spielt mit verwaschenen Vocals, Distortion und Deepness on Mass, bevor nach knapp zweieinhalb Minuten der Drop die Peak-Time einläutet und den viel beschworenen Schweiß von der Decke tropfen lässt. Schade, dass dieses Dancefloor-Biest bereits zu Beginn des Albums freigelassen wird und nicht den Höhepunkt in Mitte/Ende markiert.

Nach dem verträumt-sphärischen „Dreams”, bekommen wir mit „Sunshine” und „The River” klassische Romare Songs geboten. Gerade letzterer könnte mit seinen Bongo-Samples auch auf dem 2016er „Love:Songs: Part Two” erschienen sein, was den tropischen Vibe allerdings nicht weniger genießbar macht.

Trotzdem glänzen auf „Home” besonders die Ausflüge Romares in diverse House Spielarten: „Deliverance” geht in eine wunderschöne, fast schon kitschige Richtung. Wer weiß, ob das Familienleben auch mehr Liebe in Romares Sound bringt, aber ein ähnlich gefühlsbetonter, romantischer House-Track lässt sich aktuell nur schwer finden. „High” ist Piano-House an Puls der Zeit, wie ihn sonst nur ein Omar S. produzieren kann. Dem Song tropft das Dopamin aus allen Poren! Pflicht-Track für den Sonnenaufgang!

Das darauffolgende „You See” driftet zunächst in Tribal-House Gefilde a la Rampue oder Nu ab, wird dann plötzlich von verwaschenen Tönen abgebremst, bis sich die Wogen gegen Ende glätten um in die tiefsten Tiefen melancholischer House-Musik abzudriften. Ein Song, der eine knapp siebenminütige Geschichte erzählt, ohne auch nur ein Wort zu sagen – Highlight!

Geschlossen wird „Home” vom gleichnamigen Song. Langsamer, verschwurbelter Sound für die After-Hour in den eigenen vier Wänden.

„Home” ist der perfekte Soundtrack für eine euphorisch-romantische Clubnacht (abgesehen von der leider sehr willkürlich wirkenden Reihenfolge der Tracks). Vor allem aber sollte die wunderbar ausgefeilte Produktion des Albums gelobt werden. Wo andere Producer ihre Zukunft inzwischen lediglich in LoFi-Ästhetik und im Nachbau nostalgischer 90s Rave Hymnen sehen, vermengt „Home” die Besten Teile des House von Gestern, mit dem Produktionsstand von heute. Somit kreiert Romare erneut ein Album, das den alten Hasen der Sampling-Schule genauso gefallen dürfte wie den jungen House Hedonist*innen. Nur ausgefuchster isses!


Label: Ninja Tune
Veröffentlicht am: 31.07.2020
Interpret: Romare
Name: Home
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