Liela Moss – Who The Power

Rezensiert von am 17. August 2020

       

“Why should I continue to re-enact the narcissistic habits of our generation, desperate for validation, desperate for space, for ‘a platform’?”

Ein Album außerhalb des narzisstischen Produzieren von Musik erschaffen. Ein Album, wo Inhalt um des Inhalts willen vermieden wird und stattdessen etwas „Dringlicheres“ in den Fokus rückt, diesen Anspruch stellte Sängerin Liela Moss an ihr zweites Album. Und der Prozess dorthin begann für sie mit einer harten Selbsterforschungsphase inklusive Schweige-Meditation Auszeit, um zu dem zu gelangen, was wirklich wichtig ist. 

Die Ergebnisse dieser Reise formen nun ihr neues Album “Who The Power”. Liela Moss, bekannt geworden durch die Londoner Rockband The Duke Spirit, startete 2018 ihre Solokarriere. Mit ihrem Debüt “My Name Is Safe In Your Mouth” lieferte die englische Sängerin einen sehr persönlichen Erstling, der sich durch stürmische Popsongs ausgezeichnete. “Who The Power” hat Liela Moss nun mit ihrem Partner und Produzenten Toby Butler in ihrem Home-Studio in Somerset produziert, und sich dabei viel Zeit zum Experimentieren mit Vintage-Synthesizern und Drumcomputern gelassen. Herausgekommen ist ein sehr vielschichtiges Album, welches von intensiven Synth-Klängen aufgeladen ist, die eine melancholische, fast schon bedrohliche Grundstimmung erzeugen. Liela Moss schafft hier die Gratwanderung zwischen eindringlichen Momentaufnahmen ihrer Wahrnehmung, die teilweise auch sehr politisch adressiert ausgedrückt werden, und einem leichteren Grundgroove, der es möglich macht, einfach ein bisschen mitzutanzen, wenn man dabei nicht zu sehr auf die tiefgründigen Texte hört. 

“Who The Power” wird eröffnet mit den treibenden Beats von “Turn Your Back Around”, wo Moss über einen wabernden Synthesizer Klangteppich, fast schon im Sprechgesang, eine Ansage macht, “knowledge Baby, I’m the power!”. In „Watching the Wolf“ geht es politisch und düsterer weiter, wo zu marsch-ähnlichen Rhythmen und Chorgesängen die Geschichte von Wölfen erzählt wird, die sich zusammentun um einen Polit-Experten zu entthronen. Denn von den Jagdstrategien dieser Raubtiere könnten die Menschen laut Moss noch einiges lernen. Weiter gehts mit der vorherigen kraftvollen Videoauskopplung “Atoms At Me”, ein fast schon psychedelischer schneller Tanz gegen die eigenen Dämonen, unterlegt mit Vibraphone-Beats. 

Über die nächsten Songs wird klar, dass die Sängerin in ihrem zweiten Album zu ihren rockigen Wurzeln zurückkehrt, denn zu so politischen Anklagen passt einfach kein heiter angehauchter Pop. Eine Ausnahmen bildet “White Feather”, wo über anmutige Synthesizer Liela Moss schon fast Balladen-artig einen Appell an die Menschheit richtet, mit unserem Planeten besser umzugehen.  

Zum Ende des Albums wird “Who The Power” nach den teilweise dystopische Botschaften wieder ein bisschen optimistischer: „Suako“  bildet einen energiegeladenen Höhepunkt mit kraftvollem Synth-Rock, der an einen Neuanfang erinnert. So und auch mit dem sanften Closer „Stolen Careful“, übrigens die Nummer, die Moss’ wunderschöne Stimme am strahlendsten zeigt, beendet Liela Moss ihre Suche mit einem erfrischenden Gefühl der Wiederbelebung.


Label: Bella Union
Veröffentlicht am: 07.08.2020
Interpret: Liela Moss
Name: Who The Power
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