Pauls Jets – Alle Songs bisher

Rezensiert von am 31. März 2019

       

“Wo stehst du mit deiner Kunst, Baby?” – Ja Paul, wo stehst du denn mit deiner Kunst? Nun ja, aktuell ziemlich im Mittelpunkt des Indie Kanons. Musikexpress, Falter, laut.de – alle scheinen in Pauls Jets das nächste dicke Ding aus Österreich zu sehen. Tatsächlich bekommt man das Gefühl, Bands aus dem Alpenland beherrschen jegliches Festivallineup: Bilderbuch, Wanda, Granada und und und… Angefangen hat das alles wohl mit der Gruppe Ja, Panik, zu welcher der referenzsüchtige Musikjournalist auch gerne mal eine Verbindung herstellt. Dabei macht man es sich viel zu einfach Pauls Jets auf eine Referenzband herunterzuspielen, denn “Alle Songs bisher” liefert eine ordentliche Bandbreite dessen ab, zu dem deutschsprachiger Indie im Stande ist.

Aber wer sind denn die Personen hinter diesem nischigen Hype? Namensgeber ist Sänger und Gitarrist Paul Buschnegg, gerade mal 22 Jahre alt und Lehramtsstudent (willkommen im Klub, Kollege). An seiner Seite spielen Bassistin Romy Park und Drummer Xavier Plus – beide nicht unwesentlich älter. Und so bekommen wir als Publikum volle Breitseite jugendlich verrückten, experimentellen und poetischen Indie geboten. Konventionen? Gibt es für die drei nicht! Es wirkt erstaunlich befreiend dieser kreativen Band zuzuhören. Plötzlich ist der Spirit des Kultlabels L’Age d’Or wieder da.

Eines der absoluten Highlights ist das bereits zitierte “Wo stehst du mit deiner Kunst, Baby?” – ab Sekunde eins wissen wir nun endlich, wie sich österreichischer Garage-Rock anhört. Ausrufe wie “Komm raus auf die Straße, du Kuscheltier”, oder “Wir sind so nüchtern, wir möchten zeitgenössisch sein”, bringen einen beim lesen vielleicht zum schmunzeln, klingen in dem Song aber wie Punk-Parolen. Irgendwie erwartet man als darauf folgenden Song: “Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein”. Da wären wir jedoch wieder bei einer anderen Band zu der gerne Referenzen gezogen werden…
Aber rebellisch wird es, beziehungsweise bleibt es, auch bei Pauls Jets. “Es ist erst gut […] nachdem wir unsere Sachen machen / den Eindruck gewinnen es wäre nicht von uns geschaffen” statuieren sie in dem psycheldelisch verspulten “Art Brut”.

Trotzdem gibt es auch die andere Seite, die romantische, wie im Opener “Ich will dich lieben, Baby!”. Sanft flüstert uns Paul bei leichter Gitarrenmelodie zu: “Wenn wir nachts rennen, auf den Mauern der Festung / dann möchte ich nie mehr alleine sein”, bevor er übersteuert herausschreit “Ich will dich lieben, Baby!”. Selten hat man die Worte eines Songs so ernst genommen. Dieser Schrei, dieses befreiende Liebesgeständnis, die Phase wo das Verliebtsein seinen vielleicht höchsten und schönsten Punk erreicht, wird hier eins zu eins eingefangen.

Melancholische Momente finden sich noch häufiger auf “Alle Songs bisher”. “Diese Villa ist verlassen” versetzt einen in schwermütige Schunkelstimmung und überrascht mit Bläsereinsatz nach dem Refrain.

Das gesamte Album lässt sich prima am Stück durchhören, die Songs vertonen ein breites Band von Gefühlslagen und überraschen immer wieder durch ihre Verrücktheit. So lauscht man gespannt Pauls Worten in jedem Song – Schmeichelt er uns? Rebelliert er? Bringt er uns zum schmunzeln? Oder alles zusammen? Spätestens wenn die Band fragt: “Sollen wir tschüss sagen und gehen?”, kann ein Verneinen die einzige Antwort sein. Lasst uns gemeinsam nicht erwachsen werden!

P.S. der Ja, Panik Fanbase sei trotzdem noch der Song “Fresha Fruscianteya”, aber sowieso das gesamte Album ans Herz gelegt 😉


Label: LOTTERLABEL
Veröffentlicht am: 22.03.2019
Interpret: Pauls Jets
Name: Alle Songs bisher
Online: Zur Seite des Interpreten.


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