Billie Eilish – When We All Fall Asleep, Where Do We Go?

Rezensiert von am 7. April 2019

       

Die Musik geht ins Ohr, die Texte sind ehrlich, blutig und schmutzig. Der Sound dazu: eine Mischung aus Electro, Pop und Horror. Billie Eilish ist die catchy Stimme einer jungen Generation. Ein Hilferuf vor der Realität des Lebens.

Im Januar 2016 ist Billie Eilishs Debüt-Single “Ocean Eyes” viral gegangen. Verträumte Vibes und eingängige Beats, eigentlich die klassische Formel für ein romantisches Chanson. Dabei ist Billie erfrischend anders und herrlich eigenwillig: In weiten Shorts und Sandalen mit Socken singt sie mittlerweile über Verluste, psychische Erkrankungen und schlechte Liebelein. Eine warme, dunkle Atmosphäre zieht sich durch ihr erstes Album „WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO?“ und gibt der Platte eine rotzig-coole Stimmung. Im vierzehn-sekündigen Opener “!!!!!!!” nimmt die Sängerin ihre sabbrige Zahnspange aus dem Mund und gibt den Startschuss. Absolut unkonventionell, aber genau das macht Spaß. Vergleicht man das Debüt-Album mit den Anfängen ihrer Musikkarriere, so konnte man Billie Eilish eindeutig beim Erwachsenwerden zusehen.

“Bad Guy” ist elektrisierend, fühlbar klaustrophobisch und eröffnet die Platte. “I’m that bad type, make your mama sad type, make your girlfriend mad tight, might seduce your dad type”. Beim Zuhören vergisst man fast, dass eine siebzehnjährige Teenagerin diese Zeilen singt. Ähnlich wie ihre Debüt-Single fühlt der Song sich vage und träumerisch an, doch der Text ist düsterer. Die Sängerin schafft hiermit den Spagat zwischen lässiger Teenager Avance und Unabhängigkeit.

Der Track “Xanny” kommt ruhiger daher, rechnet inhaltlich aber mit dem süchtig machenden Mittel Xanax ab, dass besonders in Rap-Tiraden hoch gelobt wird. In einem Interview mit “The Guardian” spricht Eilish darüber, wie abstoßend sie die Verherrlichung von Drogen findet: “Ich weiß, dass Menschen um dich herum dich dazu bewegen diesen Scheiß auch mal auszuprobieren, aber das musst du nicht,” sagt sie über ihren Song. “Ich will nicht, dass noch mehr meiner Freunde daran sterben.”

Bereits am 18. Juli 2018 wurde “See Me in a Crown” veröffentlicht. Inspiriert ist dieser Songtitel von der BBC-Serie “Sherlock”. Moriarty, der Gegenspieler von Sherlock Holmes, äußert nämlich den Satz: „In a world of locked rooms, the man with the key is king, and honey, you should see me in a crown.“ Diese Aussage fand Billie so fetzig, dass sie, gemeinsam mit ihrem Bruder, einen Song darüber schreiben musste. Gute Entscheidung, der Track passt genau ins Bild. Die Offenheit darüber, dass Billie ihre Songs nicht alleine schreibt, ist im Übrigen sehr erfrischend. Zwar schwächelt die Platte an Tracks wie “Eight”, die gezwungen experimentell wirken, dennoch ist das Album rund.

Im Kern ist dieses Album wie die psychotische Begegnung mit einem Teenager. Zuerst ist da eine blickdichte Mauer, die gekonnt das innere Dilemma versteckt, noch nicht zu wissen, wer man überhaupt ist. Hört man Billie Eilish zu, erkennt man die Verletzlichkeit hinter der Existenzkrise eines jungen Menschens. Ganz gleich, ob es nun ein Klischee ist, dass Eilish in viele musikalische Topoi hineinschlittert, oder sie einfach die Gedanken der Generation Z brach legt. Mit Vergnügen werde ich ihr weiter zuhören.


Label: DARKROOM / INTERSCOPE RECORDS
Veröffentlicht am: 29.03.2019
Interpret: Billie Eilish
Name: When We All Fall Asleep, Where Do We Go?
Online: Zur Seite des Interpreten.


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