Ouzo Bazooka – Dalya

Rezensiert von on 31. August 2021

       

Wenn sich Radio Q für eine andauernde Liebe zu einem Genre entscheiden müsste, dann wäre es wohl der Psychedelic Rock. Zumindest wenn man sich die letzten zwei Jahre anschaut und King Gizzard and the Lizard Wizard fragt. Da ist es sehr erfrischend und gleichzeitig etwas offensichtlich, dass eine neue, israelische Platte mit dieser Musikrichtung in unser Redaktion für Tanzenthusiasmus zu sorgen vermag. 

Die Rede ist natürlich von Ouzo Bazooka, einem Quartett aus Tel Aviv, die Meister*innen der Genre-Vermischung und Verbindung von Elementen der westlichen und östlichen Tonsprache. Zwei Jahre nach ihrer letzten LP bringen sie nun ihr fünftes Album Dalya heraus, auf dem sie ihrem bekannten Sound treu bleiben: einem Mix aus Psychedelic-Rock mit Hand zum Blues und eben jenen mittelöstlichen Klangskalen, die einen von der ersten Sekunden in dieses Album einsaugen und in einem wilden Strudel an Eindrücken umschließen. Ouzo Bazooka, die seit 2014 ihre Alben in die lyrischen und aufnahmetechnischen Händen von Frontmann Uri Brauner Kinrot legen, nutzten auf ihrem neuesten Werk auch wieder eine gut verstecken Menge an klanglichen Spielereien, die dieses Album interessant machen: vom Einsatz von wiederbelebten Vintage-Tascam Tonbandmaschinen über mehrstimmigen Harmoniegesang bis zu einer guten Prise an Bluesrock.

Hämmernde Drums leiten bei Monsters den wiederholenden Strudel an pentatonischen Melodien ein, dieser Start kommt plötzlich und mit der großen Energie von Reisewütigen. Wir befinden uns am Anfang einer brachialen, etwas düsteren musikalischen Reise, die in diesem Opener erstmal den Blick auf eine endlos wirkende Steppe im Sonnenuntergang eröffnet und der Soundtrack zu einem Mad Max Film sein könnte. Oder Indianer Jones, den das geflüsterte “Watch Out” von Kinrot nach dem Refrain klingt verdächtig nach einem kleinen Peitschenknallen.

Der stampfende Rhythmus bzw. die Reise durch Zeit und Raum geht in Million Years of Light nahtlos weiter, wobei hier durch die stärkere elektrische Verzerrung der Gitarren und den mehrstimmig Gesang ein etwas entspannterer Roadtrip-Vibe entsteht. Die Sonne eines neuen Tages ist aufgegangen, die Fenster vom Bulli heruntergelassen und mit dem Fahrtwind im Gesicht ziehen Kakteen und Berge in hypnotisierender Gleichmäßigkeit an einem vorbei. Das instrumentale Alhagamal danach erschafft Bilder von gleichmäßig bedröhntem Tanzen abends unterm Sternenhimmel mit einer Melodie, die klingt wie durch dichten Rauch gewabert. Ähnlich geht es in Kruv weiter, wobei die klaren Bongos und Gitarren eher in Richtung Bluesrock wandern. It’s a Menace wird wieder energetischer und schraubt die Klänge durch mehr Synthesizer und in sich verschränkenden Melodien direkt zwei, drei Ebenen über die Oberfläche aus Wüstensand Richtung Weltall. Im Closer Nine scheint die Mad Max-Crew dann schon in den Sternen zu schweben und dort von nun an mit laser-artigen Sounds ihre traditionelle Skalen in den Orbit zu schießen.


Dalya klingt im Ganzen vertraut und Ouzo Bazooka erfinden sich nicht unbedingt so neu, wie es auf manchen Genre-Vetter Platten wie von KGLW der Fall ist. Aber das stört mich persönlich recht wenig im Psychedelic Rock. Denn hier sind irgendwie die Bilder und Möglichkeit zur Realitätsflucht beim Hören das wichtigste. Und so die Musik einfach mal auf sich einströmen und die Suche nach Erneuerung obsolet werden lassen zu können.


Label: Stolen Body Records
Veröffentlicht am: 27.08.2021
Interpret: Ouzo Bazooka
Name: Dayla
Online: Zur Seite des Interpreten.


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