Mano Le Tough – At The Moment

Rezensiert von on 23. August 2021

       

Das Hamburger Independent Label “Pampa Records” des norddeutschen Musik-Kulturguts DJ Koze beheimatet seit 2009 solch Größen elektronischer Musik wie etwa Axel Boman, DNTL oder Sophia Kennedy und veröffentlichte im Jahr 2018 das allseits gelobte “Knock Knock” von Stefan Kozalla aka DJ Koze selbst (u.a. gefeatured von Roisin Murphy und Bon Ivers Justin Vernon). Dass von einem Album, dass hier erscheint also nichts Triviales erwartet werden kann, ist selbstverständlich.

Releasing music that’s seriously danceable without recourse to the tried and tested ingredients. A home for tunes that will conquer hearts and take root there forever, music that’s brave and not afraid to break convention.

https://pamparecords.bandcamp.com/music

lautet der Claim von Pampa Records. Es geht also um die Veröffentlichung von Musik, zu der ehrlich getanzt werden kann, ohne auf bewährte Methoden zurückzugreifen und die sich traut, mit Konventionen zu brechen, während sie Herzen erobert. 

Alles in allem ist die Erwartungshaltung für ein Album bei Pampa also keineswegs gering, so auch für das am 21. August 21 erschienene “At the Moment” von Mano Le Tough. Der Ire, bürgerlich Niall Mannion aus der Nähe Dublins ist kein unbekannter Name in der elektronischen Tanzmusikszene. Unter anderem war der in Zürich wohnende Mannion schon 2010 als Produzent des Duos “Dirt Crew” (Dirt Crew Recordings) tätig und veröffentlichte 2013 dann  sein eigenes Longplayer-Debüt “Changing Days” beim Münchener Label Permanent Vacation, zwei Jahre später folgte “Trails”. Und auch die Verbindung zu DJ Koze ist nicht neu: Auf dem eingangs erwähnten “Knock Knock” ist Mano Le Tough im Track “Planet Hase” zu hören.

Die Freude zu experimentieren

Musikalisch ist “At The Moment” deutlich experimentierfreudiger als seine beiden Vorgängeralben – waren diese noch geprägt von deutlich strukturiertem House, der genau weiß, in welche Richtung er gehen und welche Aussage er treffen möchte, zeigt sich “At The Moment” mutiger – aber dafür leider auch teils zielloser. 

Mano Le Toughs musikalische Ursprünge sind zwar stets zu hören, doch “At The Moment” schlägt keine eindeutige Richtung ein. Von Minimal House und LoFi- bis Oldschool Hiphop-Beats, über Psychedelische und Progressive-Noise Rock-Strukturen a la Psychedelic Porn Crumpets bis hin zu mikrotonalen Gitarrenklängen wird hier alles mal ausprobiert. Und das ist hin und wieder wirklich anstrengend, gleichzeitig aber auch herrlich erfrischend – sobald man als Hörer*in denkt, man hätte die Atmosphäre eines Songs verstanden, bringt Mano Le Tough unglaublich vielseitige, unerwartete Elemente zum Vorschein, die im Musikverständnis den “Reset”-Knopf drücken.

Aye Aye Mi Mi

Der Wechsel zu Pampa Records scheint für diese Experimentierfreudigkeit allerdings genau richtig – nach eigener Aussage ermutigte DJ Koze Mannion selbst immer wieder vor allem dazu, die eigenen Vocals sehr präsent in den Vordergrund zu stellen. Und dort machen sie sich ziemlich gut. Vor allem positiv hervor sticht hier der rund 5 ½ minütige Dancefloor-Hit “Aye Aye Mi Mi”, der sehr deutlich in Richtung Pop geht und durch eingängige Gitarrensounds, einen klassich housigen Beat, aufleuchtende Synth-Strukturen und eben Mano Le Toughs mystische Stimme besticht. Gefühlt wird der Song auf dem Album außerdem durch die beiden Tracks “Empty Room” und “Snow on Bamboo” eingeleitet, die es unglaublich feinfühlig schaffen, Spannung und eine gewisse aufgeregte Erwartungshaltung zu erzeugen, die dann endlich in “Aye Aye Mi Mi” in tanzbare Leichtigkeit aufgelöst wird. 

Together

Im Closer “Together” scheint Mano Le Tough am deutlichsten zu seinen musikalischen Wurzeln zurückzukehren – “Together” ist eine schnulzig-kitschige Ravehymne, die atmosphärisch unglaublich passend als morgendlicher Schlusstrack eines Sets vorstellbar ist und in seiner übertriebenen Romantik diese Achterbahnfahrt an Album wahnsinnig schön abrundet. 

Too much creativity?

Leider fühlen sich manche Tracks auf “At the Moment”, wie “Fadó Fadó” oder “Short Cuts”, zu verkopft an und es hat den Anschein, als habe Mano Le Tough schlicht und weg zu viele Ideen; die Songs verlaufen sich und nehmen sich für ihre Entwicklung keine Zeit. 

Insgesamt macht das Album aber vor allem dann Spaß, wenn Mano Le Toughs schier grenzenlose Kreativität ausgewogen mit seinem Mut zu experimentieren korrelieren. Das funktioniert in Tracks wie “Aye Aye i Mi”, “Pompeii” oder auch “So Many so Silent” großartig und liefert ein erfrischendes und vielfältiges Hörerlebnis.


Label: Pampa Records
Veröffentlicht am: 20.08.2021
Interpret: Mano Le Tough
Name: At The Moment
Online: Zur Seite des Interpreten.


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