Girl Friday – Androgynous Mary

Rezensiert von am 25. August 2020

       

Girl Friday prägen den Sound des Außenseiterdaseins in Amerika im Jahr 2020 und vereinen Stimmungen zwischen Kampfeslust und Niedergeschlagenheit in einem gelungenen Debüt. Aber von Anfang an: Girl Ray stammen aus den Studierendenkreisen der University of California Los Angeles (UCLA). An der Uni besuchte Gitarristin und Frontfrau der Band Vera Ellen eine Freundin. Dort sah sie Libby Hsieh, die auf einer Couch Bass übte und sprach sie an. Durch den gemeinsamen Musikgeschmack freundeten sich die beiden an und gründeten ein Duo. Nach ca. einem Jahr beschlossen sie ihr Projekt zu erweitern und über einen Aufruf fanden Schlagzeugerin Verena Pettis und die Gitarristin Sierra Scott den Weg in die Band. 2017 erscheint ihre erste EP und jetzt im Jahr 2020 folgt ihr Debütalbum “Androgynous Mary”. 

Gleich der Opener “This Is Not The Indie Rock I Signed Up For” zeigt auf sarkastische Weise, dass es auf diesem Album nicht nur die eingängigen Harmonien und fröhlichen Vibes gut gelaunter Indiegirls gibt. Zwar beginnt der Song noch in diesem Stil, in seinem Verlauf wandelt er sich in etwas dunkleres und böseres. So lange bis es zu einer Instrumentalphase kommt, die doch glatt aus dem Freejazz entnommen ist, und jeder einfach das spielt was ihm gerade passt. Das klingt dann schon mal wie blinde Zerstörungswut. Letztendlich endet der Song jedoch wieder in seinen harmonischen Indievibes, mit denen er begonnen hat.  Weg von den Indieklängen bewegt sich dagegen auch der zweite Song “Amber’s Knees: A Matter Of Concern”. Hier werden dann schonmal punkigeren Gitarrenriffs hervorgeholt, bei einer Thematik des Hinterfragens. Diese schließt sich übrigens gut an das Cover an, in der einen ältere Person in der Perspektive des Denkers dargestellt ist. Mit “Eaten Thing” schließt sich ein sehr düsterer Track an, den man wohl eher in das Genre des Postrock zählen würde. Mit Textzeilen wie “I want to eat you up” kommt sich schon fast wie in einer Zombieapokalypse vor. Einen Kontrast zu dieser radikalen Düsterkeit bietet dagegen bereits wieder der Song “Public Bodies”, der Stimmungstechnisch zunächst etwas heller wirkt. Jedoch wird hier auf brachiale Weise thematisiert, wie sich das Outsiderleben am Rande der Gesellschaft anfühlt und auch am Ende sorgt die Band musikalisch für eine gelungene Überraschung in dem der Song sich noch einmal rhythmisch komplett verändert. Der Song “What We Do It For” hat eher diese leichte Grungeattitüde, diesen gewissen “alles ist mir ein bissen egal”-Vibe, besticht aber melodiös vor allem durch einen ungewöhnlich eingängigen Chorus, der die ungleich verteilte Liebe einer Partnerschaft zum Thema macht. Was darauf folgt ist vor allem für Fans des Punk und Metals das absolute Highlight des Albums. Der Song “Earthquake” brilliert durch diese unbändige Zerstörungswut. Der vorantreibende Beat putscht einen richtig auf und vor allem im Chorus heißt es dann dass man gerne ein Erdbeben wäre und gerne mal alles so richtig schön in Grund und Boden legen möchte. Um die ZuhörerInnen dann wieder etwas zu beruhigen folgt der Song “Clotting”, der wohl als glatte Indieballade durchgeht und definitiv zu einem der softeren Songs auf dem Album gehört. Thematisiert wird ebenfalls eine unglückliche Beziehung. Am Anfang ruhig, aber doch um konsequente Steigerung bemüht, mutet dann auch der Song “Gold Stars” an und auch thematisch bleibt der Song in der Verarbeitung einer toxischen Beziehung. Vor allem die Textzeile “I said leave but you heard love” brennt sich in das Gedächtnis ein. Gen Ende beschließt das Album etwas ruhiger zu werden und statt den kampfeslustigeren Songs eher nochmal ein wenig stimmungsvoll melancholisch zu werden, dem Song “Favorite Friend” folgt auf diese Weise der Closer des Albums “I Hope Jason in Happy”. Nachdem man bei dem letztgenannten Song schon fast denkt Girl Friday verabschieden sich mit einem Instrumentalsong, taucht am Ende doch noch einmal Gesang auf. Eine Art Mutmacher als Abschluss des Albums. 

Insgesamt begeistern Girl Friday mit ihrem Erstlingswerk mit einem Mix aus ruhig melancholisch und wild aufbrausenden Songs die von den schönen Stimmen des Sängerinnen atmosphärisch begleitet werden und schaffen es so eine Art Welt für Außenseiter und Verletzte zu kreieren in der diese ihren Platz finden.


Label: Hardly Art
Veröffentlicht am: 21.08.2020
Interpret: Girl Friday
Name: Androgynous Mary
Online: Zur Seite des Interpreten.


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