JW Francis – We Share A Similar Joy

Rezensiert von am 8. November 2020

       

Da sitzt ein sehr rothaariger, vollbärtiger junger Mann mit Baseballcap und Hornbrille auf seinem Bett in New York und schreibt verträumte Songs über die Liebe. Während draußen die Stadt rast und tobt und laut ist, herrscht drinnen Frieden – herrlich gedankenverlorene E-Gitarrenklänge erfüllen dieses Schlafzimmer, Lo-Fi Träume und Geborgenheit liegen in der Luft. 

So oder ähnlich stellt man sich JW Francis’ Songwritingprozess vor – der 25-jährige New Yorker veröffentlichte unlängst sein Debütalbum “We Share A Similar Joy” bei Sunday Best Recordings (L.A. Salami, David Lynch) – und macht damit dem Namen des Labels alle Ehre. Denn diese Platte schreit an einem trüb-tristen Lockdown-Sonntag nur so nach herumfläzen auf der Couch, nach Gedanken treiben lassen im Kerzenschein, nach dem ersten, zweiten, dritten und vierten Frühstück im Bett mit einem guten Buch, nach Räucherstäbchenluft und Pfefferminztee.

Über den Künstler JW Francis ist übrigens erstaunlich wenig zu finden – weder den bürgerlichen Name noch den Werdegang verrät uns das World Wide Web. Was zu finden ist: JW Francis ist lizenzierter Reiseleiter und Assistent eines Nobelpreisträgers. Eine interessante Kombination, die dieser charismatische New Yorker Barde nur noch durch seine künstlerischen Schöpfungen toppt:  

“We Share A Similar Joy” wechselt ab zwischen langsamen, gedankenverlorenen Tracks wie “I Told You” und “Everything” – Songs, in denen Francis seinem significant other all seine Gefühle und Gedanken offenbart – und schnelleren, ausgelassenen Gute-Laune-Stücken. Dabei bildet “New York” das Herzstück des Albums – eine aufrichtige Hommage an JW Francis’ Heimatstadt. 

“The best me / The worst me / Am I just my dreams / Amnesia, insomnia”.

Mit der “city that never sleeps” scheint Francis’ eine gepflegte Liebe-Hass-Beziehung zu führen, an der er uns hier mit schnellen, lebvollen Takten teilhaben lässt.

Musikalisch erinnert dieses gelassene Bedroompop-Werk an Mac DeMarcos “Salad Days”, wenn auch mehr nach Lo-Fi klingend und gespickt mit (noch) mehr Gefühls-Herz-Liebeslyrics. Schwingende Gitarrenriffs schweben hier um herrlich entspannte Keyboardmelodien, gefüllt mit locker-leichten Shaker-Sounds, unterlegt mit Drums, die immer wieder mal zwischen schnellen, beschwingten Rhythmen und gemächlichen, langsamen Takten abwechseln. 

All dies meistert JW Francis mit einer scheinbar grenzenlosen Leichtigkeit. Dem ein oder anderen mag “We Share A Similar Joy” zu gefühlsduselig sein – aber was unser rothaariger New Yorker neben all der Sentimentalität schafft, ist, den Klang sonntäglich-entspannter Jam-Sessions mit musikalischer Finesse zu verbinden. Dabei lädt Francis uns ein auf einen gemeinsamen gemütlich-ruhigen Ausflug voll dringend nötiger Zuversicht inmitten des hektischen Wahnsinns der Welt.


Label: Sunday Best Recordings
Veröffentlicht am: 06.11.2020
Interpret: JW Francis
Name: We Share A Similar Joy
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