Haiku Hands – Haiku Hands

Rezensiert von am 14. September 2020

       

Hitzeflirren. 

Körper bewegen sich im Raum 

gefüllt mit Dopamin.

Dancepop kann wieder was, und vor allem kann er wieder neu, feministisch und wild klingen. Das bringen die drei Australierinnen Claire und Mie Nakazawa und Beatrice Lewis in die Musikwelt mit ihrem Kollektiv „Haiku Hands“. Das alternative Indie-Pop Trio hat sich erst 2017 gegründet und sich zunächst mal mit ein paar Songs im Gepäck auf ihre Live-Shows konzentriert. So haben Haiku Hands sich als Vorband von Tame Impala mit ihren energetischen und extrovertierten Auftritten einen Namen gemacht. Für mich auf jeden Fall jetzt schon eine Must-See- Live Band, sollten die Damen irgendwann nach Europa kommen und Festivals wieder normal stattfinden. Als zusätzliches Mitglied, nur für die Performance auf der Bühne, haben sich Haiku Hands in der Vergangenheit Mataya Young dazu geholt, die auch an der Produktion ihres selbstbetitelten Debüts beteiligt war, das letzte Woche erschienen ist. Eine gute Entscheidung, denn die Bühnenkraft der drei Frauen wurde perfekt auf Platte gebannt, mit einigen Feature-Gäste wie Sofi Tukker, Mad Zach oder Hermitude an ihrer Seite. Musikalisch beeinflusst von Hip-Hop, Electronic, Dance, Rn’B und natürlich Pop, dazu dann sehr intelligente Lyrics, die die sozialen Normen kritisch hinterfragen, legen Haiku Hands hier ein selbstbewusstes Debüt vor. 

Und das beginnt mit einer Ansage und einem Schub Richtung Tanzfläche. In „Not About You“ treffen harte, treibende Beats auf mehrstimmigen Sprechgesang mit einem sympathischen australischen Akzent, wunderschön in der Zeile „I’m gonna kick your arse“. Darauf folgt das nicht weniger soundgewaltige „Manbitch“, einer der ersten Songs, die Haiku Hands zusammen geschrieben haben. Ein humorvoller Text im Call-And-Reponse Prinzip, dazu ein poppiger Grundbeat, im Break dann noch ein bisschen Saxophon und rhythmisches Vibraphone – viel besser und intelligenter kann man sich dem „Bitch“ Konzept nicht geschlechtsunabhängig ermächtigen. Nach dem mir etwas zu kitschig-poppigen „Sunride“, kommen dann mit „Jupiter“ verzerrten Synthie-Beats ganz schön die 80ties-Vibes raus . Und auch hier beweisen die drei Musikerinnen ihren Humor, indem im Aufbau des Refrains Sias „Chandelier“ mit der Zeile „One two three/ One two three“ zitiert wird, was dann aber in ein direktes „fist pump“ mündet. 

Mit dem vorab ausgekoppelten „Fashion Model Art (ft. Sofi Tucker)“ geht das popkulturelle Zitieren weiter: das „Vogue“-Motiv von Madonna ist unverkennbar. Dieser Song macht sich auf charmante Art über sämtliche Klischees der Modewelt lustig (wunderbare Strophen wie „what do I do with my hands?“), alles gepaart mit sowohl club- als auch laufstegtauglichen Dancepop-Sound. Songs wie „Onset“ (mit Mad Zach) oder „Mechanical Animal“ sind dann deutlich Hip-Hop-lastiger und durch animalische Schreie und einbrechende Beats aggressiver gestaltet. Immer wieder setzten Haiku Hands männliche Sprechparts als Kontrast zu ihren drei Stimmen ein, was sehr gut funktioniert. Nach diesen vorantreibenden Tracks kommt mit „Car Crash“ ein ruhiger, poppiger und auf den ersten Blick etwas kitschig gestaltet, romantisch anmutender Song. Der entpuppt sich spätestens beim Refrain dann aber mit „You’re fucking awesome“ als ein starker Empowerment-Song und gleichzeitig wunderschöne Liebeserklärung an die beste Freundin. Im Closer „Morning Becomes“ wird diese positive Energie über einen futuristischen, nach kleinen Tropfen klingenden Beat eingefangen und das Album mit dreistimmigen Chorus beendet.

Haiku Hands bringen mit ihrem Debüt ein so zeitgemäßes und so wichtiges Dancepopalbum heraus, wie ich es lange nicht gehört hab. Genauso will ich Pop 2020 hören: von starken Frauen mit starken Texten, die scheinbar vor nichts auf der Welt Angst haben und eine unglaubliche Energie mitbringen. 


Label: Mad Decent
Veröffentlicht am: 10.09.2020
Interpret: Haiku Hands
Name: Haiku Hands
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