Disclosure – Energy

Rezensiert von am 31. August 2020

       

Seit wir in diesem Paralleluniversum Corona-Pandemie leben, scheint es fast unmöglich, an neuen Alben vorbeizukommen, bei denen sich nicht mindestens ein Song mit der grade herrschenden Isolation beschäftigt. Und auch wenn das alles seine Berechtigung hat, strengt das mich ehrlich gesagt mittlerweile ziemlich an. Aber letzten Freitag kam ein Album raus, das schon 2019 fertiggestellt wurde, und so zum Glück nicht dieser Corona-Blues mitschwingt sondern pure Energie. Wie passend, denn das Electronic-Duo Disclosure hat ihr neues Album genau so benannt. 

Nach ihrem großen Erfolg mit zweiten Album „Caracal“ und über 300 Liveshows in drei Jahren, nahmen sich die beiden Lawrence-Brüder 2017 eine Auszeit. Guy reiste einige Monate durch Südostasien, während Howard zuhause bliebt und anfing, Gemüse anzubauen. Diese Pause tat den beiden gut, um durchatmen und wieder kreativ sein zu können. Die ersten beiden Alben kamen immerhin sehr schnell hintereinander. Was nicht schlecht war, aber jetzt mit größerer Bekanntheit und Fanbase konnte sich die beiden Guy und Howard Lawrence endlich zurücklehnen.

„Energy“ ist das dritte Studioalbum der Brüder aus Großbritannien. Es schließt in seiner Deluxe-Edition die fünf Tracks der genau ein halbes Jahr zuvor veröffentlichten EP „Ecstasy“, sowie zwei Singles, die mit dem Khalid entstanden sind, mit ein. Und wieder kreieren das Duo hier einen wilden Mix aus UK-Garage-Sound, Drum and Bass Rhythmen Richtung Dupstep, elektronischen Samples und World Music.

In der Standradversion ist „Energy“ mit 43 Minuten bisher das kürzeste Album von Disclosure. Die einzelnen Songs bewegen sich auch mehr in Nähe von radiotauglicher Länge und sind voll gepackt mit treibenden Beats, die ganz schön Geschwindigkeit aufbauen. Nach dem etwas poppigen , mir ein bisschen zu sehr in Richtung generische Clubmusik abdriftenden „Watch your step“(feat. Kalis), folgt in „Lavender“ von Channel Tres die Aufforderung, doch mal näher zu kommen und zu tanzen. Erste Elemente von World Music, welche in der vorherigen EP „Ecstasy“ viel präsenter waren (man erinnere sich nur an den großartigen Songs „Tondo“ und „Etran“) tauchen dann in „My High“ auf. Mit den Rappern Aminé und slowthai, welche über elektronische Samba- Rhythmen abliefern, wird ein fast unerbittlicher Drang aufgebaut, sich in ein nur Beat-gemachtes Delirium zu tanzen.

Den Höhepunkt bildet für mich aber „Douha (Mali Mali)“ mit der wunderbaren malischen Sängerin Fatoumata Diawara. Über tiefen Bässen und kleinen, laserartigen Synthesizern singt Diaware mühelos ein Liebeslied an ihre Heimat, dass den Vibe vom House der 90er Jahre mitschwingen lässt und sämtliche Endorphine aus dem Körper kitzelt. Gut, dass Disclosure danach erstmal ein instrumentales „Interlude“ zum Luft holen dazwischen schieben, bevor Blick Bassys Stimme in dem Song „Ce n’est pas“ über einem leisen, monotonen Beat über einen hinweg schwebt. Dazu am besten einfach die Augen schließen und davontragen lassen.

Danach endlich taucht der titelgebende Track des Albums auf, der einzige übrigens auch der (mit Ausnahme der Interludes) ohne Gäste auskommt und mit einer geballte Ladung Samba Beats startet. Die ziehen sich auch voll durch, durchbrochen von rhythmischen Pfeifen und nach zwei Minuten dann einem neuen, immer weiter ENERGIE spendenden Synth-Beat- Strudel. Mit dem alternativen Hip Hop Anklängen in „Reverie“ finden die beiden Brüder einen kurzen aber schönen Ausklang ihres dritten Albums, dessen letzte Tönen plätschernde Wellenklänge bilden und mich an einen Strand nach einer durchtanzten Nacht reisen lassen, in diesem anderen Universum, in das ich mich so sehr zurückwünsche.


Label: Island Records
Veröffentlicht am: 28.08.2020
Interpret: Disclosure
Name: Energy
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