Fotzenrap: An wen sollte der Credit gehen ?
Written by Musikredaktion on 15. Mai 2026
Habt ihr schon gesehen, dass Ikkimel für dieses Jahr noch ein Konzert in Münster angekündigt hat? Wir bei Radi oQ lieben ja Ikkimel und ihren fotzigen Rap. Woher der aber ursprünglich kommt, erklärt uns jetzt Radio Q-Musikresporterin Nidal Sekmen.
Sie ist wieder zurück, mit „Crashout Freestyle“ beendet Juju ihre Releasepause und macht ein lautstarkes Comback wieder zurück in die Rap Szene, genauer gesagt in den Fotzenrap.Bar für Bar verarbeitet JUJU, das damalige SXTN Mitglied, in ihrem neuen Song, was in den letzten Jahren so passiert ist, lässt ihre Wut über die Musikbranche raus und spielt nebenbei noch raffiniert mit sexistischen Narrativen.
Sie thematisiert in dem Song aber noch etwas anders, mit der Zeile: „Ja ich habs cool gemacht, dass ihr euch Fotze, nennt“ deutet die Berliner Rapperin darauf hin, dass sie die eigentliche Pionierin des Fotzenraps sei und fordert ihre jahrelang verschonten Credits ein.
Aber erst einmal zum Verständnis: Fotzenrap ist ein Sub-Genre im Deutschrap, der sich explizit von der degradierenden männlichen Perspektive von Sex mit Frauen löst und gegen die Hierarchisierung, Abwertung und Objektifizierung von Frauen kämpft.
Das Wort FOTZE diente ursprünglich als Abwertung gegenüber Frauen in dieser männlich dominierten Deutschrap-Szene. Das Wort wird also gereclaimt, indem es als positiv konnotierte Selbstbezeichnung verwendet wird. Die Sexualisierung steht hierbei für Selbstermächtigung und wird als klares Macht-Element genutzt. In dem Genre geht es also darum, dass Frauen selbstbewusst über ihre eigene Lust und Bedürfnisse rappen. Es ist ein Weg, wie sich Frauen ihre zustehende Macht und die Autonomie über ihren eigenen Körper zurückerobern.
Sobald wir einen Blick in die Vergangenheit und den Ursprung des Fotzenraps werfen, landen wir jedoch erstmal schnell bei Schwarzen US-amerikanischen Rapperinnen wie Little Kim, Salt-N-Pepa oder später auch Missy Elliott, sie sind die eigentlichen Vorreiterinnen des Fotzenraps und ohne sie wäre die ein oder andere Rapperin die wir so kennen und lieben, wahrscheinlich nicht da, wo sie heute ist.
Ein Name ist, wenn es um Fotzenrap geht gar nicht wegzudenken: Lady Bitch Ray; eine der ersten deutschen Sexpositiven Rapperinnen und die eigentliche Pionierin deutschsprachigen Fotzenraps.
Aber warum geben wir die Credits dann nicht auch, wo sie wirklich angebracht sind?
Lady Bitch Ray beantwortet diese Frage im Podcast mit Stephanie Giesinger. Denn egal, wie feministisch der Fotzenrap angibt zu sein, die Musikszene ist immer noch eine sexistische Branche, in der kein Intersektionaler Feminismus herrscht. Sie betont:
„Es sagt einiges aus, dass ich darauf hinweisen muss, dass ich die Pionierin des feministischen Fotzenraps war“
Es wird also deutlich das aufgrund der Intersektionalität sich unterschiedliche Diskriminierungsformen überschneiden. Somit haben betroffene wie Lady Bitch Ray, als türkisch-alevitische Frau, in der deutschen Mehrheitsgesellschaft leider immer noch ein benachteiligteres Standing im Gegensatz zu einer weißen Cis-Frau wie Ikkimel. neben dem Sexismus nämlich auch noch mit Rassismus zu kämpfen)
Für mich wird hierbei also eins klar, egal wie gut Jujus Comeback sein mag, die Lorbeeren, die sie hier einfordert, gehören am Ende des Tages doch an eine ganz andere Stelle.