Current track

Title

Artist

Current show

Abwasch

18:00 19:00

Current show

Abwasch

18:00 19:00


Künstler*innen Portrait – Ella Red

Written by on 22. Juni 2026

Jetzt kommen wir zu einer Künstlerin, die erst im Januar 2026 ihr erstes vollständiges Album veröffentlicht hat und zwar Ella Red. Sie ist eine Newcomerin, die Pop, Dark Aesthetics und Storytelling in ihrer Musik verbindet, wobei sie selbst sagt, dass es die Aufgabe von Songwritern sei, Geschichten zu erzählen – und das nicht nur ihre eigenen. Wie sie das umsetzt, könnt ihr in diesem Beitrag von Musikreporterin Lea Kossak erfahren.

Ella Red gehört zu den spannendsten Newcomerinnen im Alt-Pop und fällt vor allem durch ihren Mix aus pointierten Themen, düsteren Ästhetiken und eingängigen Hooks auf. Aufgewachsen in Frisco, Texas, kam sie früh mit Musik in Kontakt: erst über das Klavier im Elternhaus, später spielte sie auch Cello. Eigentlich wollte sie in die klassische Richtung gehen, doch schon als Teenagerin begann sie, eigene Songs zu schreiben und entwickelte daraus Schritt für Schritt ihren ganz eigenen Sound.

Mit „I Like You Best“ gelang ihr der große Durchbruch und das nicht leise. Der Song ist bewusst provokant angelegt und setzt sich mit weiblicher Sexualität und Selbstbestimmung auseinander. Ella Red bricht hier ganz gezielt mit Tabus: Sie spricht offen über Verlangen, Intimität und körperliche Nähe. Das sind Themen, die gerade für Frauen oft noch stigmatisiert sind. Die Lyrics sind direkt, teilweise explizit und genau darauf ausgelegt, Grenzen zu verschieben. Gleichzeitig bleibt der Track extrem eingängig und zeigt perfekt, wie sie kontroverse Inhalte mit Pop-Appeal verbindet. Der virale Erfolg sorgte dafür, dass ihre Reichweite schnell wuchs und sie früh für größere Touren als Support-Act gebucht wurde.

Im Laufe von 2025 arbeitete sie weiter an neuer Musik und entwickelte ihren Stil immer stärker in Richtung eines zusammenhängenden künstlerischen Konzepts, musikalisch wie visuell.

Ein wichtiger Schritt in dieser Phase war „Ball and Chain“, ein Pre-Release aus 2025. Der Song zeigt eine introspektive Seite von Ella Red. Inhaltlich geht es um Selbstzerstörung, mentale Struggles und das Gefühl, in den eigenen Gedanken gefangen zu sein. Gleichzeitig kritisiert der Track gesellschaftliche Oberflächlichkeit. Musikalisch bleibt er zwar zugänglich, trägt aber eine klare emotionale Schwere in sich und erweitert damit ihr künstlerisches Spektrum.

Diese Entwicklung mündete schließlich in ihrem Debütalbum It’s Not Real, das am 23. Januar 2026 erschien. Das Album vereint Songs aus verschiedenen Lebensphasen, viele davon entstanden bereits in ihrer Jugend, und setzt sich intensiv mit Identität, Selbstbild und emotionaler Verarbeitung auseinander. Gleichzeitig zeigt es, wie vielseitig Ella Red als Künstlerin ist und wie bewusst sie mit Themen und Ästhetik arbeitet.

Mit „He Asked For It“ wird diese künstlerische Linie besonders deutlich. Der Song greift die problematische Phrase „she asked for it“ auf und dreht sie bewusst um. In einer düsteren, fast theatralischen Inszenierung wird daraus ein Ausdruck von weiblicher Wut und Selbstermächtigung. Dabei setzt Ella Red auf Provokation, um gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen, insbesondere Victim Blaming und patriarchale Strukturen.

Ella Red verbindet Pop mit Haltung, klaren Botschaften und einem starken künstlerischen Konzept. Mit Songs wie „I Like You Best“, „Ball and Chain“ und „He Asked For It“ zeigt sie, wie moderner Alt-Pop klingen kann: ehrlich, unbequem und gleichzeitig absolut eingängig. Eine Künstlerin, die man definitiv im Blick behalten sollte.

Autor