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Ecca Vandal – LOOKING FOR PEOPLE TO UNFOLLOW

Rezensiert von on 27. Mai 2026

       

Sich nicht mehr verstecken, laut sein, so viel Platz einnehmen wie man will, experimentieren und dabei vor allem ehrlich bleiben — so beschreibt Ecca Vandal ihr zweites Album Looking For People To Unfollow.

Lange fühlte sich die südafrikanische Sängerin aus Melbourne wie ein Widerspruch in sich selbst: der Versuch, für alle Menschen um sie herum Sinn zu ergeben, auch wenn dabei Teile der eigenen Identität verloren gehen. Die 17 Songs des Albums wirken wie das Gegenteil davon. Sie sind laut, chaotisch, ungefiltert und vor allem kompromisslos ehrlich.

Vandal wurde in Südafrika geboren, nachdem ihre Eltern vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflohen waren. Schließlich bauten sie sich in Melbourne ein neues Zuhause auf. Doch auch dort fühlte sie sich nie wirklich zugehörig. Als Woman of Color beschreibt sie immer wieder das Gefühl, zwischen Identitäten zu stehen und von der Gesellschaft nie vollständig angenommen zu werden. Dieses Gefühl von Ausschluss und sich neu finden zieht sich durch das gesamte Album.

Schon mit ihrem nach sich selbst benannten Debütalbum “Ecca Vandal” reizte sie die Grenzen alternativer Musik aus. Sie kombinierte Hip-Hop mit Punk, Pop und Metal. Danach verschwand sie für fast 9 Jahre aus der Musikwelt. Doch nun kehrt sie zurück und das noch lauter: 

“The album isn’t about fitting in. It’s about subtraction. Stripping things back to whats real. Taking up space in a world that constantly asks you to shrink.”

Mit diesem Album versucht sie loszulassen und wieder Spaß am Prozess des Musikmachens zu gewinnen. Deshalb klingt das Album auch komplett ungefiltert und ist durch und durch selbstgemacht: Gemeinsam mit ihrem Partner Richie Buxton hat Ecca Vandal das Album in der Garage seiner Eltern produziert, nachdem sie aus ihrem Apartment geworfen wurden, weil sich über die Lautstärke beschwert wurde. Und so entstand das Album in einer Garage – vollkommen ohne Internet.  

Auch deshalb dauerte die Produktion so lange. Das niedrige Budget, die Tatsache, dass sie nebenbei arbeiten musste, und die Zusammenarbeit mit nur einer kleinen Gruppe enger Freund*innen machen das Album so roh und ehrlich.

Mit diesem digitalen Detox konnte Vandal sich ganz von jeglichem Druck lösen und sich vollkommen auf ihre eigenen Gefühle konzentrieren. Auch ihre Erfahrungen als Women of Color lässt sie dabei in ihre Musik mit einfließen: 

“Keep-keeping us living in the shadows / Speaking up big with the lingo / Still talking that shit in a deep dark doze / You look through us like ghosts”

Mit diesen Zeilen aus dem Song “GHOST” beschreibt sie das Gefühl, trotz Sichtbarkeit übersehen zu werden. People of Color werden zwar Teil der Gesellschaft gemacht, gleichzeitig aber oft ignoriert oder nur durch Vorurteile wahrgenommen. 

Diese Wut und Frustration verarbeitet Ecca Vandal aber nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch. Sie trennt sich auch dort von klassischen Album Erwartungen. Mitten im Album befinden sich Songs, die teilweise unter einer Minute lang sind. Gleichzeitig wechseln die Genres ständig. LEVITATE PART 1 + 2 bringt eher R&B-Einflüsse mit hinein, während DID A LITTLE MORE TO FORGET fast schon von Jazz geprägt ist.

Das Album soll chaotisch sein, anecken und Platz zum Ausprobieren schaffen. Genau deshalb fokussiert es sich nicht auf ein einzelnes Genre. Punk, Rap, Elektronik und alternativer Rock verschwimmen ständig miteinander. Gleichzeitig löst sich Vandal damit auch vom Druck der Musikindustrie. Deshalb zog sich die Entstehung des Albums über mehrere Jahre — nicht nur wegen finanzieller Probleme, sondern auch, weil Ecca Vandal sich bewusst keinem Druck unterwerfen wollte. 

LOOKING FOR PEOPLE TO UNFOLLOW beginnt sie bereits 2018 zu schreiben. Dabei schrieb sie an dem Song CRUISING TO SELF SOOTHE bereits in Großbritannien im Tour Bus. Der Song handelt davon, alleine seinen Weg zu gehen, dort anzukommen, wo man hingehört — auch wenn es dort einsam sein kann. Laut, aggressiv und voller Grölen zeigt der Song pure Girl Rage:

“Cruising on my own / I’m moving up where I belong / But at the top it’s fucking cold”

Alleinsein wird hier fast als Triumph dargestellt, wenn auch nicht ohne Konsequenzen. Der Song spiegelt generell die erste Hälfte des Albums wider, die stark von Rock geprägt ist. Schon der Einstiegstrack AIRPLANE MODE trägt zunächst ein fast ruhiges Gefühl in sich, bis EYES SHUT dieses komplett zerstört.

Gleichzeitig zeigt Ecca Vandal immer wieder Female Empowerment, indem sie laut wird und Raum einnimmt. Besonders in ihrem Song VERTICAL WORLD spricht sie davon, Geschichte neu zu schreiben, sich nicht an Rollenbilder anzupassen und gesellschaftliche Hierarchien zu zerstören. Traditionen können und sollen hinterfragt werden, Identitäten sind fluid und Frauen können genauso dominant und mutig sein wie Männer.

“girls can grow a pair like boys whose growing hair like girls”. 

Und genau dabei geht es ihr nicht nur um Geschlechterrollen, sondern auch um Identität allgemein. Neben Female Empowerment verarbeitet Ecca Vandal auf dem Album immer wieder ihre eigenen Erfahrungen zwischen verschiedenen Kulturen und Zugehörigkeiten. Deshalb lässt sie auch Einflüsse ihrer südasiatischen Herkunft in die Musik einfließen. In dem Musikvideo zu BLEED BUT NEVER DIE trägt sie ein Sari, ein traditionelles Gewand aus Sri Lanka. Und besonders der Song THEN THERE’S ONE zeigt das durch Rhythmus und Melodie. Als ein Kind der Diaspora spielt sie dort auf Krieg, Verfolgung und Kriminalität an: 

“Who’s that runnin’, who’s that, who’s that? / Two bullets, two hearts, at the scene of the crime”

Der Schluss des Albums wechselt noch einmal das Genre und wendet sich eher dem Rap zu. Auf GHOSTS zeigt sich das mit starken Beats und ihrem Flow, bleibt dabei aber gesellschaftskritisch. Sie singt davon, noch immer in einem Widerspruch zu leben — davon, dass viele Menschen glauben, Rassismus existiere nicht mehr und dass Schwarze Menschen trotzdem oft unsichtbar gemacht werden. Genau das will sie ändern:

“We’re living facts that Brown and Black is gold.”


Vom DIY-Album in einer Garage bis hin zu Coachella und Jimmy Kimmel — Ecca Vandal lebt mittlerweile den Traum vieler Musiker*innen. Von kleinen, dunklen Räumen tourt sie heute um die Welt. Trotzdem klingt LOOKING FOR PEOPLE TO UNFOLLOW  nicht wie ein Album einer Person, die sich angepasst hat. Sondern wie das einer Künstlerin, die sich nie kleiner machen wird. Über Widerspruch und eigener Anerkennung ist ihr zweites Album ein einzigartiges Zusammenspiel aus Experiment, Spaß und Chaos.


Label: Loma Vista Recordings / Concord
Interpret: Ecca Vandal
Name: LOOKING FOR PEOPLE TO UNFOLLOW


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