Endlich wieder DONOTS Grand Münster Slam!

Geschrieben von am 2022-12-02

Die Donots kommen aus Ibbenbüren und sind aus der deutschen Rock- und Punkszene nicht mehr wegzudenken. 2022 war ein gutes Jahr: Die Band eröffnet gemeinsam mit den Toten Hosen Rock am Ring und endlich findet der Grand Münster Slam wieder statt. Am 25. und 26. November gab’s nach vier Jahren Pause endlich wieder Münsteraner Moshpits. An beiden Tagen feierten insgesamt 13 000 Menschen in der Halle Münsterland. Abende, die in die Bandgeschichte eingingen.

Radio Q-Reporterin Frieda Krukenkamp hat den Bassisten Jan-Dirk, auch liebevoll Purgen genannt, getroffen. Es ging um Münster, den neuen Donots-Gin, ihr neues Album und ein bislang geheimes Feature.

Q: Heute ist ein guter Tag! Und es ist so schön, dass ich hier sitze mit niemand Geringerem als Jan-Dirk aka Purgen, dem Bassisten der Donots hier auf dem großen Grand Münster Slam! Am Freitag war der erste Abend. Was ist so die Halbzeitbilanz? 

Purgen: Sehr gut, sehr anstrengend, sehr viel. Wir haben uns viel vorgenommen, aber: Es hat alles geklappt. Ich bin heute noch mal einen Tick ruhiger. Wir haben heute andere Support-Bands, bis auf Frank Turner. Der hat ja gestern als Duo Show gespielt und heute spielt er mit ganzer Band. Das war eigentlich nicht so geplant, aber die sind halt alle da. Und da hat er gesagt: Na ja, wenn alle da sind, können alle spielen. Fand ich eine ganz nette Entscheidung von ihm. Also Fazit ist: Es war super geil gestern und es kann heute nur geiler werden.

Q: Ich freue mich drauf! Wir starten mit einer kurzen Fragerunde: Was ist dein liebster Ort in Münster? 

Purgen: Ich wohne direkt am Aasee. Eine Zeit lang habe ich gedacht, der ist überbewertet. Jetzt, wo ich seit zehn Monaten eine kleine Tochter habe, hat man direkt einen Ort zum Spazierengehen. Gerade früh morgens ist da kein Schwein und dann ist das richtig schön. Im Moment ist das mein liebster Ort.

Q: Das können wir bei Radio Q auch sagen, denn da ist ja unser Sender! Was ist denn dein unbeliebtester Ort in Münster?

Purgen: Der scheiß Kreisel! Beim Ludgerikreisel ist ja das Problem, dass einfach Autos, Busse, Fahrrad und Fußgänger da rein wollen. Dann wird man auch noch gedemütigt, indem man mit seinem Fahrrad über diese Huckel buckelt und auch noch angefahren wird. Also der Kreisel ist echt scheiße, den versuche ich zu meiden. Der ist jetzt nicht mein Lieblingsort. 

Jan-Dirk Poggemann (Purgen), Radio Q-Redakteurin Frieda Krukenkamp und Guido Knollmann

Q: Da sprichst du jedem betrunkenen Studierenden aus dem Herzen, der über diese Buckel fährt. Beschreibe doch mal euren neuen Donots-Gin in drei Worten: Was sind denn die Bestandteile? 

Purgen: Ein Bestandteil ist auf jeden Fall erstmal Gurke, weil wir sehr gerne Gin Tonic mit Gurke trinken. Wir haben uns den wirklich in langstündiger Arbeit ertrunken und mehrere Rezepte ausprobiert. Am Ende haben wir eine Blindverkostung gemacht und dabei hat der gewonnen, den wir jetzt haben: Gurke, Pfeffer und Sandelholz! Sandelholz ist, glaube ich, falsch. 

Q: In drei Worten: Beschreibe mal das Münsterland. 

Purgen: Relativ platt. Stur. Aber schön! 

Q: Wir sitzen hier beim Donots Grand Münster Slam. Der erste war 2010: Ihr kommt also immer mal wieder hierher, um das kleine, spießige Städtchen aufzumischen. Wie hat sich denn Münster aus deiner Perspektive in den ganzen Jahren so verändert? 

Purgen: Ich wohne ja in Münster und bin einer derjenigen, der hier geblieben ist. Deswegen kriegt man es ja gar nicht so mit, wenn man selbst da ist. Manchmal könnte man denken, Münster ist zu klein, aber so finde ich es genau perfekt. Immer wenn ich woanders bin, zum Beispiel in Berlin, hat man Freunde, die sagen: komm doch mal kurz vorbei. Ja, Pustekuchen! Dann bist du halt zwei Stunden unterwegs. In Münster hast du wirklich alles in 20 Minuten mit dem Fahrrad erreicht und das finde ich super. 

Q: Als Studentin interessiert mich natürlich auch: Wo habt ihr denn damals euren Sprittwoch verbracht? Immer nur Hansaring um 2:10 Uhr?

Purgen: Entweder im Gogo, was jetzt die Gazelle ist oder im Theater-Café! Ich weiß nicht, ob es das noch gibt. Das war immer mittwochs rappelvoll. Das war so ein kleiner Glaskasten, wo die Scheiben immer schon beschlagen waren.

Support: Acht Eimer Hühnerherzen, Sondaschule, Montreal, Frank Turner, Akne Kid Joe, Schreng Schreng und Lala

Q: Ihr habt ja auch hier heute einige Support-Gäste da. Wie kam denn generell das Line-up für heute zustande? Gab es da viel Diskussion?

Purgen: Nö, wir wollten das so ein bisschen bunt gestalten. Da es jetzt zwei Tage sind, wollten wir ein wenig Festival-Charakter haben. Frank Turner hat den Anfang gemacht, das war echt ein Wunschkandidat für uns. Als der zugesagt hat, war der Rest relativ schnell klar. Wir sind mit allen Bands gut befreundet und da haben wir eigentlich ganz schnell den Sack zugemacht. 

Q: Jetzt hast du gerade schon den Festivalcharakter angesprochen. Man könnte ja meinen, dass dieses Wochenende so eine Art Mini-Festival ist und ich traue euch auch zu, dass ihr ein ganzes eigenes Festival organisieren könntet. Wie würde das denn konkret aussehen? 

Purgen: Eigentlich haben wir das schon gehabt. Und zwar den Grand Summer Slam zum Abschluss 2019 in Ibbenbüren vor einer kleinen Scheune. Das war einer der schönsten Tage in unserem Leben. Jetzt haben wir ein bisschen Schiss,  ob wir es nochmal so schön hinkriegen, wenn wir das nochmal machen wollen.

Q: Ihr wollt das lieber kleiner veranstalten? Ich habe jetzt eher an Rock am Ring-Dimensionen gedacht….

Purgen: Oh Gott. Das kann man natürlich machen… Ich finde ja kleine Feste eigentlich immer ein bisschen schöner. Da haben wir wieder dieses Berlin-Problem: Willst du die eine Band gucken, musst du eine halbe Stunde Fußweg einplanen. Ein großes Festival ist aber natürlich auch beeindruckend. Aber wenn wir die Wahl hätten, würde ich es ein bisschen kleiner halten. Das passt mehr zu uns.

Q: Ihr gebt ja auf der Bühne immer alles, vor allem Ingo und Guido. Habt ihr denn so eine Art “After Concert Depression”? 

Purgen: Wir haben mittlerweile elf Band-Kinder, da ist nicht viel Zeit für eine After Concert Depression. Da ist zuhause wieder Action. Aber nach einer Tour ist man schon ein bisschen verwirrt, weil das ein ganz anderer Alltag zu Hause ist. Mittlerweile kriegen wir das aber ganz gut verpackt. Das war früher ein bisschen krasser. Ich glaube wirklich, das liegt auch daran, dass wir Familie haben und die einen weiterhin auf Trab hält.

Wir haben mittlerweile elf Band-Kinder, da ist nicht viel Zeit für eine After Concert Depression. Da ist zuhause wieder Action.

Q: Euer neues Album erscheint am 3. Februar und heißt “Heute ist ein guter Tag!”, ein wunderschöner Titel, wie ich finde. Jetzt stellt sich ja aber trotzdem der eine oder die andere die Frage: Warum so ein Titel und dieser Optimismus in so einer Zeit? Wer oder was hat euch denn jetzt für das Album so inspiriert? 

Purgen: Gerade das! Das Album hat immer noch seine Tiefen und ist jetzt nicht einfach so ein Happy-Go-Lucky-Alles ist gut-Album. Aber wir hatten schon Bock auf Licht am Ende des Tunnels. Das Album ist in der gesamten Pandemie-Zeit entstanden und deswegen war es auch relativ kompliziert. Das Gute ist ja, dass wir ein eigenes Studio hier in Münster haben. Es war Zufall, dass in zwei Songs die Zeile “Heute ist ein guter Tag” vorkam. Und da haben wir gedacht: Das ist es. 

Q: Was habt ihr denn musikalisch anders gemacht? 

Purgen: Naja, also es gibt Features. Was ich verraten kann, ist, dass ein Feature etwas mit dem heutigen Abend zu tun hat. (Anmerkung der Redaktion: Die Band “Madsen” war zu Gast). Es gibt getragene, ruhige Songs und wir sind ja auch kleine Pop-Schweinchen. Wir haben solche Dinger wie “ Auf sie mit Gebrüll”, die einfach aufs Maul geben. Und dazwischen bewegen sich eigentlich alle Songs. Alle, die das Album bis jetzt gehört haben, sind sich mit sehr großer Überzeugung sicher, dass es unser bestes Album ist. Was ich sehr schön finde. 

Das Album hat immer noch seine Tiefen und ist jetzt nicht einfach so ein Happy-Go-Lucky-Alles ist gut-Album. Aber wir hatten schon Bock auf Licht am Ende des Tunnels.

Q: Wenn du dir ein Feature aussuchen könntest, egal ob tot oder lebendig, welches wäre das? 

Purgen: Ingo würde jetzt wahrscheinlich sofort Johnny Cash sagen. Aber ich würde schon gern wissen, wie John Lennon getickt hat. Also man weiß, dass Paul McCartney anscheinend der netteste Mensch auf der ganzen Welt ist. Und die sind ja auch aneinandergeraten und irgendwie klargekommen. Ich würde gerne wissen, wie das andere Mastermind tickt. 

Q: Wir haben bei Radio Q in unserer Musikredaktion die Rubrik “Platte für die Insel”. Folgendes Szenario: Du strandest auf einer Insel und hast zum Hören nur eine einzige Platte. Welche wäre das für dich? 

Purgen: Es ist so gemein, das einen Musiker zu fragen. Zu Hause höre ich gerade mit meiner Tochter eigentlich nur Klassik und Nick Drake. Das ist schon mal eine schräge Mischung. Es gibt eine Band aus Irland die heißt Bell X1. Deren Gitarrist und Keyboarder heißt David Geraghty. Klingt wie der Geiger, ist es aber nicht. Der hat ein Album gemacht das heißt The Victory Dance. Mega geiles Album. Was aber auch immer geht, ist das schwarze Album von Metallica. 

Q: Was sind denn deine Routinen als Bassist? So vor und nach der Show? Meditierst du oder nimmst du irgendwelche Drogen? Oder Schläfst du? 

Purgen: Ja, ich versuche wirklich irgendwann noch mal nachmittags einen kleinen Nap zu halten. Gerade momentan, wenn wenig Zeit zum Schlafen ist. Ansonsten ist Dehnen wichtig. Und eigentlich ist es schön, auch eine halbe Stunde ein bisschen Ruhe zu haben und sich die Setlist noch mal anzugucken und dann geht es los.

Q: Klingt recht entspannt. 

Purgen: Ja, und es ist auch ein bisschen so wie mit Sport. Wenn du Sport machst, dann merkst du: geht es heute oder nicht? Und das gibt es auch beim Spielen. Es gibt Tage, da bist du auf der Bühne und nach dem dritten Song merkst du: Es ist heute anstrengend. Es klappt und es macht Spaß, aber es ist anstrengender als sonst. Und es gibt Tage, da läuft es einfach so.

Q:  Jede Band steht und fällt mit dem Bassisten. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. 

Purgen: Oh, vielen Dank, endlich sagt das mal jemand! 

Q: Nehmen wir an, die Donots gäbe es nicht oder du fliegst unerwarteterweise aus der Band. Bei wem würdest du anklopfen? 

Purgen:  Oh, wir haben so viele gute Freunde, das wäre kein Problem. Wir haben ein Album mit Smile and Burn aus Berlin aufgenommen und da die gerade keinen Bassisten haben, habe ich den Bass im Studio gespielt. Da würde ich einfach direkt einsteigen. Aber ich würde schon sehr sehr gerne noch sehr lange bei den Donots bleiben, weil ich mich einfach sehr sehr wohlfühle. Das ist schön.

Bild: Danny Kötter

Das Interview führte Frieda Krukenkamp.


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