Quadrophonie – das Plattenquartett im April 2020

Written by on 26. April 2020

Monophonics – It’s Only Us” (mitgebracht von Yunus Gündüz)

Viele Nachrichten gehen bei der ganzen Corona-Berichterstattung unter. Eine dieser wenig beachteten Nachrichten ist die Erfindung einer Zeitmaschine. Die Maschine heißt It’s Only Us” und ist ein Album den Monophonics. Die Band aus San Francisco rund um Sänger Kelly Finnigan entführt euch auf authentische Weise in die 70er. Der Sound der Monophonics klingt nach Soul und Psychedelic Rock aus den 60ern und 70ern mit Funk-Einschlag. Vergleiche zu Curtis Mayfield oder Isaac Hayes liegen nah. Trotzdem ist die Band eigen genug, um sich vom Vorwurf der billigen Hipster-Retro Kopie frei zu sprechen. Zwar orientieren sich auch andere Soul-Künstler von heute an dem Sound der Altmeister, haben aber einen deutlich modernen Einschlag. Dieser fehlt den Monophonics aber und den brauchen sie auch gar nicht.

Man hat viel mehr das Gefühl, dass die Monophonics musikalisch parallel zu Hayes und co. stattfinden. So entsteht auch der Eindruck, dass die Instrumente älter sind als die Bandmitglieder selbst, was größtenteils auch der Wahrheit entspricht. Charakteristisch für die Monophonics sind die Arrangements rund um groovige Gitarren, Hammond-Orgeln sowie Bläser- und Streichersektionen. Für die Produktion wurde stilecht eine Bandmaschine benutzt und gesamplet wird mit dem analogen Mellotron. “It´s Only Us” ist keine moderne Produktion, über die man einfach einen Retro-Filter gelegt hat, sondern hundert Prozent Oldschool.

Ganz im Gegensatz zu den Lyrics. Neben Balladen, die von Finnigans gefühlvoller Stimme gut in Szene gesetzt werden, behandeln die Texte eher schwere und aktuelle Themen wie Depressionen, Waffengewalt und Machtmissbrauch. Trotz dessen lässt sich das knapp 40 Minuten lange Album bei jeder Gelegenheit gut runterhören. Schnelles Tempo, groovige Gitarren und fulminante Bläser flankiert von Finnigans leidenschaftlichem Gesang, sorgen für eine warme und in sich stimmige Atmosphäre.

“It´s Only Us” ist wie ein Elektromotor verbaut in einem Cadillac, aktueller Inhalt in zeitloser Verpackung.

Songs:

  1. Chances:

Der erste Song des Albums ist ein furioser Start ins Geschehen und fühlt sich an wie die Titelmelodie eines Blaxploitation Films der Marke Shaft. Eine Ode an die vielen gegebenen Chancen von Sänger Finnigan an Menschen, die es nicht verdient haben.

→ Carlotta: “Entspannter Song, der mich daran erinnert, dass ich in diesem Genre lange nichts Gutes mehr gehört habe. Sie erfinden das Rad nicht neu, aber die Komposition von Bläsern, Call-and-Response Momenten und Vibraphon in dem Song gefällt mir doch ganz gut.  

→ Moritz: “Der Groove stimmt auf jeden Fall und der Song macht definitiv Spaß. Allerdings hätte diese Nummer so auch schon vor 40 Jahren erscheinen können und hätte sich zwischen den ganzen klassischen Motownsongs nicht hervorgetan.” 

→ JD: “Meinem äußeren Curtis (Mayfield) scheint die Sonne aus allen Poren und er tanzt durchs Zimmer. Mein innerer Curtis (Ian) findet den Sound ein wenig ausgelutscht und nicht unterscheidbar von diversen anderen aktuellen Soul Kapellen.”

  1. Last One Standing: 

Sieben Minuten in der Finnigan den Hörer mit hoffnungsvoller Stimme und Botschaft nach vorne peitscht. Auch die Band zieht alle Register: schnelle Drums, furiose Bläser, funky Basslines und einsetzende Bongos sorgen für Aufbruchstimmung.

→ JD: “Unglaublich dynamisch und großartig produziert! Einer der wärmsten Songs des Jahres – perfekt für den allabendlichen Frühlingsspaziergang.”

→ Carlotta: “Ein absoluter Sommer-am Aasee-Chill Song. Für die sieben Minuten Länge passiert mir leider, auch in dem zweiten instrumentalen Teil, nicht genug.” 

→ Moritz: “Man hat wirklich schön viel Zeit in die Stimmung einzutauchen. Und gerade wie sich das gemeinsame Jammen entwickelt nachdem der eigentliche Song vorbei ist gefällt mir richtig gut. Insgesamt eine tolle Songdynamik.”

  1. It´s Only Us: 

Der Titelsong ist eine klassische Ballade über das erste Liebesgeständnis gegenüber einer Person und die Verletzlichkeit in jenem Moment. Wer den Vibe nicht fühlt, hat nie wirklich geliebt. 

→ Moritz: “Ich bin im Genre Soul nicht so der klassische Balladen-Fan ich mag mehr die Songs die einen schnellen groovigen Rhythmus haben, zu den man etwas abdancen kann. Daher fand ich die anderen beiden Songs besser.” 

→ Carlotta: “Bisschen Stoner- Rock Anklänge und besonders die sanften Bläser in Kombination dazu gefallen mir sehr. Und die Stimme von Sänger Finnigan kommt richtig schön zur Geltung. Der Song macht mir direkt gute Laune!” 

→ JD: “Lässig, verspult und ein wenig psychedelisch – großartige Bläser kommen noch oben drauf! Aus jeder musikalischen Pore tropft hier ein Gefühl von Freiheit. Der Song drückt auf die Dopamindrüse!”


Fazit JD: Ein unheimlich stark produziertes Soul Album, das immer dann am stärksten ist, wenn es sich in hypnotisierende Jam-Sessions verliert. Zieht sich leider ein wenig gegen Ende. 7 von 10 Sternen

Fazit Moritz: Ein Album, dass über weite Strecken tolle Grooves hat und vor allem mit einem großartigen Song “Last One Standing” hervorstechen kann, was allerdings irgendwie immer noch weit in der Vergangenheit hängt und Genre – Innovationen vermissen lässt. 6 von 10 Sternen 

Fazit Carlotta: So ein gutes Soul- Album wünscht man sich doch zum Start in den Sommer, besonders wenn hier und da ein paar kleine Experimente und Blicke in andere Genres auftauchen. Ein bisschen mehr davon wäre schön gewesen, aber auf jeden Fall eine sehr solide und gut produzierte Soul-Platte. 7 von 10 Sternen

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