Leiter des Filmfestivals Carsten Happe im Interview

Geschrieben von am 16. September 2019

Carsten Happe (Rechts) leitet zusammen mit Risna Olthuis  (Mitte)  seit 2015 das Filmfestival in Münster. Die Filmwerkstatt Münster (Links deren Geschäftsführer Winfried Bettmer)  organisiert alle zwei Jahre das münsteraner Filmfestival, welches dieses Jahr vom 18.09. bis zum 22.09. im Schlosstheater stattfindet. 

Meine erste Frage: Du machst das Filmfestival hier in Münster jetzt zum dritten Mal. Ist man da irgendwann soweit, dass man so ein bisschen Routine reinbekommt oder ist das jedes Jahr – alle zwei Jahre – immer neuer Stress?

Also man bekommt mit der Zeit auf jeden Fall Routine rein. Und ich bin inzwischen seit dem ersten Praktikum 2001 bei dem Filmfestival dabei. Dann mal in verschiedenen Positionen und jetzt zum dritten Mal als Festivalleitung zusammen mit Risna Olthuis. Und man bekommt auf jeden Fall Routine rein, weil man sich von manchen Sachen nicht mehr stressen lässt. Wenn dann jemand in letzter Minute absagt oder auch eine Filmkopie nicht rechtzeitig kommt. Dann weiß man, dass man immer noch andere Wege bestreiten kann und lässt sich nicht mehr stressen. Und das merkt man schon, dass das anders ist als am Anfang. Auf jeden Fall.

Man hat jedes Problem schon einmal gehabt? 

Genau.

Was muss man eigentlich so alles organisieren, wenn man ein Filmfestival in Münster organisieren möchte? 

Also es ist ein ziemlich langer Vorlauf, der quasi schon mehr als ein Jahr vorher anfängt. Das man erstmal einen Termin gemeinsam mit dem Kino findet. Wann passt es auch dem Kino, wann passt es uns, wann passt es auch in den Stadtkalender rein. Es sind ja auch jede Menge andere Events in Münster unterwegs, bei denen man sich nicht unbedingt überschneiden möchte. Und solche Vorüberlegungen auch verbunden mit dem Konzept, was möchte man diesmal ändern, was möchte man beibehalten. Das passiert schon wirklich lange im Voraus und dann hat man Anfang des Jahres die Ausschreibung für die Wettbewerbe, wo man bei uns meistens im Februar aufruft: Bewerbt euch mit euren Filmen. Dann wird im Frühjahr eine ziemlich lange Zeit – bis in den Sommer rein – gesichtet und geguckt, welche Filme interessieren uns, welche möchten wir drin haben. Dann beginnen die Verhandlungen: Was kann man kriegen, welche Filme kann man nicht kriegen. Gerade bei den Internationalen Filmen ist das oft so, dass man über Filmmieten verhandelt und dann auch verhandelt, welche Schauspieler, welche Regisseure kommen zum Festival. Und dann wird es immer kleinteiliger, sodass man dann auch die Website, den Katalog und den Flyer vorbereitet. Und man guckt, welche Jurymitglieder kann man einladen, um dann auch die Preise zu vergeben. Und es steigert sich zum Festival hin immer kleinteiliger, bis man dann am Ende das große Puzzle irgendwann entwirrt hat und das ganze Festival dann auch wirklich in diesen fünf Tagen vorstellen kann. 

(Foto: Filmfestival Münster)

Filmmieten wahrscheinlich auch an, wenn man wie für den Niederlande-Schwerpunkt Klassiker zeigen will. Da ist es wahrscheinlich auch schwieriger die Filme zu bekommen? 

Gerade bei Klassikerprogrammen wird es immer schwieriger Kopien zu bekommen. Da läuft vieles mittlerweile über einen Verleih in England, der sich auch aus aller Herren Länder die Kopierechte für alte Filme besorgt. Die heißen “Park Circus”. Und wann immer man irgendeinen Klassiker braucht, dann weiß man, man guckt zuerst auf deren Website.  Dann gibts halt vielleicht auch noch 35mm Filmmaterial-Kopien, echtes Filmmaterial aus England, die man für teures Geld rüber schaffen kann. Oder als Alternative: Man zeigte eine Blue-Ray. Was inzwischen auch im Kino Gang und Gebe ist, weil man sieht kaum noch den Unterschied. Da ist die Auflösung inzwischen auch für die Leinwand so gut, dass man solche Sachen bedenkenlos auf Blue-Ray zeigen kann.

Aber so ein Kurzfilmprogramm funktioniert ja in der Regel über Einsendungen?

Genau. Also gerade bei dem Kurzfilmprogramm, da rufen wir halt auf und dann kommen die Einsendungen. Wir haben es ja diesmal von Deutschland, Österreich, Schweiz auf ganz Europa ausgeweitet, da wir auch gemerkt haben in den letzten Jahren: Es ist überhaupt nicht mehr so, dass es ein deutschsprachiger Wettbewerb gewesen ist, weil auch viele deutsche Filmhochschüler viel auf Englisch gedreht haben. Das heißt, dieser alte Anspruch einen deutschsprachigen Wettbewerb zu machen, hat sich eh schon verwässert. Und da wir ohnehin im Spielfilmwettbewerb seit vielen Jahren auf Europa gegangen sind, haben wir jetzt auch den Kurzfilmwettbewerb auf Europa ausgerichtet. Dadurch haben wir natürlich auch viel mehr Einreichungen gekriegt aus aller Herren europäischer Länder. Wir sind damit von drei Ländern auf letztendlich 35 Länder gegangen. Und jetzt sind Filme aus 14 Ländern im Kurzfilmwettbewerb dabei und wir hatten in den letzten Jahren immer so 500 bis 600 Einreichungen und diesmal waren es 1300. Und dementsprechend vielmehr musste man dann auch gucken und aussortieren. Weil der ganze Prozess, den man dann macht, vor allem ein Aussortieren von Filmen ist. 

Dafür muss man dann wahrscheinlich auch die Kapazitäten haben. 

Ja und da entwickelt man – wie bei der Eingangsfrage auch so gestellt – schon relativ schnell so eine Routine, auch nach 2 bis 3 Minuten zu sehen, der Film kann nichts mehr werden. Auch bei 10 bis 15-minütigen Filmen, weiß man relativ schnell Bescheid. Manchmal gibts noch ein paar Überraschungen, wo man dann doch dabei bleibt und dann denkt: Oh, das hätte ich jetzt überhaupt nicht gedacht nach ein bis 3 Minuten. Aber sehr oft weiß man sofort Bescheid: Der Film kann was werden oder halt nicht und man muss auch teilweise relativ schnell ausmachen, weil es einfach nichts bringt und dann einfach nur Zeit rauben würde. 

Ein paar Filme wolltet ihr ja bewusst haben, wie für den Niederlandeschwerpunkt. Die Wettbewerbsfilme kommen auch noch über Einsendungen. Wie wählt man denn daraus dieses Programme zusammen. Indem man einfach sagt, das sind die Besten oder guckt man auch so ein bisschen, wir hätten gerne von der Sparte was und von der Sparte?

Also natürlich über allem steht die Qualität, ganz klar, und dann vor allem auch die Innovation. Es geht auch nicht darum, technisch qualitätsvolle Filme zu zeigen. Es geht nicht um hochglanz Hochschulfilme. Die sind uns teilweise schon zu gelackt. Und zu sehr auch Fernsehen. Es geht wirklich um den Charme, um die Idee, gerade auch bei den Kurzfilmen. Es geht nicht darum, wer das beste Budget und die meisten Sponsoren für sein Kurzfilm gewinnen kann, sondern wirklich, was die Idee dahinter, was der Charm eines Films ist. Und natürlich guckt man auch, dass man möglichst eine Bandbreite an Filmen hat. Dass man Experimentalfilme mit drin hat, Animationen mit drin hat, Dokumentationen, die man vielleicht so noch nicht gesehen hat  über Themen, die man noch nicht gesehen hat. Und man guckt schon, dass man da auch möglichst viele verschiedene Genres im Kurzfilmwettbwerb abbilden kann. 

Beim Gesamtprogramm hat man einerseits natürlich ein paar Säulen, auf die man immer wieder zugreift. Auch mit der “Westfalen Connection” mit Filmen aus der Region oder mit “Nightwatch” unserer Spät-Schiene mit Horror- und Thrillerelementen. Aber dann entdeckt man auch im Laufe der Recherche Filme, wo man denkt, die passen zwar jetzt nicht so in eine bestehende Sektion, aber die würden wir gerne zeigen.  Das war dann halt der Aufhänger für unsere neue Reihe “Let´s Talk Movies”. Weil wir einfach gesehen haben, es waren ein paar interessante Dokumentationen im Umlauf, die sich mit Filmgeschichte und dem Ort Kino beschäftigen. Da dachten wir, wenn wir da zwei, drei Filme finden, die in so eine neue Sektion reinpassen, dann machen wir auch sowas auch ohne, dass wir das von vornherein angedacht haben. Und so hatten wir dann mit “Romantic Comedy” eine britische Dokumentation, die halt die typischen romantischen Komödien seziert und auseinandernimmt. Was da für Strukturen drin passieren und wie die auch das Publikum manipulieren. Das war so charmant gemacht, da dachten wir, den müssen wir unbedingt mit reinnehmen. Haben dann mit “You don’t Nomi” noch so ein anderen Film gefunden, der die Reise von  “Showgirls” – von dem Super-Flop von Paul Verhoeven aus den 90ern- zu einem, inzwischen, Kultklassiker bestreitet. Der halt diese Reise von diesen 20 Jahren [gemacht hat], sodass inzwischen “Showgirls” fast so ein “Rocky-Horror-Picture-Show”-Status hat. Und da Fan-Partys gemacht werden und der Film auch gefeiert wird, obwohl er natürlich eigentlich ein total sexistischer Trash-Film ist. Aber der Film hat noch einen ganz anderen Dreh gefunden in den letzten 20 Jahren. Und die Dokumentation “You don´t Nomi” ist halt in diesem Jahr neu rausgekommen. Und da dachten wir, das ist auch so ein Film, der noch von einer anderen Art von Liebe vom Kino zeugt. Wie dann halt Fans ein Film umdeuten. Und dann gab es hier aus der Region noch interessante Filme mit “Heimatkino,” wo so ein bisschen beleuchtet wird: Was ist der Status des Kinos in der Region, wie viele Kinos sind in den letzten Jahren verschwunden und wie kann man Kino zukunftssicher machen? Und dann ergab sich so eine kleine Reihe und dann haben wir gesagt: Das nehmen wir auch als Neuerung mit ins Programm auf. 

Ich finde es immer schwer dieses Level Film zu fassen, das auf einem Festival gezeigt wird. Es ist ja nicht super experimentell, aber schon ein bisschen experimentelleres Kino.  Was wird da versucht, anzusprechen?

Im Grunde natürlich auch ein Gegengewicht zum Mainstream herzustellen, den man ja auch im Hollywoodkino oder auch im europäischen Mainstream-Arthouse-Kino bekommt. Mit den französischen Komödien auf der einen Seite oder anderen Wohlfühlfilmen und auf der Hollywood-Ebene mit einem Superheldenfilm nach dem anderen. Dass man da im Grunde ganz normal in irgendwelche Schubladen reingepresst wird und kaum noch eine riesige Auswahl hat. Natürlich wird im Cinema immer noch ganz tolles Programm gemacht. Auch mit europäischen Filmen. Aber hier dann auch nochmal ganz andere Seherfahrungen anzustoßen und Filme zu zeigen, die wirklich abseits des Mainstreams sind. Und die dann auch in Beziehung stehen und eine Kinowelt eröffnen. Die auch jenseits von Netflix-Algorythmen funktionieren, wo man immer nur Filme vorgeschlagen bekommt, die so ein bisschen mit denen was zu tun haben, die man sonst auch schon vorher gesehen hat. Und wirklich auch Mal in Kurzfilmblöcken alles durcheinandergewirbelt zu zeigen und nicht einfach sagen: Wir zeigen jetzt fünf Animationen hintereinander für Menschen, die Animationen einfach mögen. Sondern dann kommt wirklich nach einer Animation ein Kurzspielfilm, der in eine ganz andere Richtung geht und eine Doku über ein Thema, was man sich sonst nie anschauen würde. Und wirklich auch dieses, sich öffnen für Ästhetiken und auch für Themen, die man sonst vielleicht einfach nicht beachten würde und dann auch mit Filmemachern ins Gespräch zu kommen, die man auch sonst einfach nicht im normalen Kinobetrieb und auch erst recht nicht im Streaming zu Hause beachten würde. Sich einfach zu öffnen und treiben zu lassen durch ein Festivalprogramm, was dann auch irgendwelche Räume eröffnet für solche Kinoerfahrung. Das ist so der Antrieb und auch das Ziel, das beim Publikum zu schaffen. 

Gerade Kurzfilme sieht man außerhalb von Festivals – gut im Cinema gibt es das Kurzfilmprogramm – eh eher selten. Aber auch bei den Spielfilmen gab es vor zwei Jahren auch Filme, die es nie ins Kino geschafft haben – zumindest nicht in Münster.  Wahrscheinlich ärgert einen das manchmal auch, weil man die Filme mochte, weil man sie ja ausgesucht hat, aber das ist wahrscheinlich auch der Reiz, den man an so einem Festival hat. 

Ja, es ist ein bisschen zweischneidig. Einerseits freut man sich sehr, wenn sich nachher doch noch ein Verleih findet und der Film auch richtig gute Kritiken kriegt. Vor zwei Jahren hatten wir unter anderem einen französischen Film “Ava” mit im Programm, der dann auch ein Jahr später erst regulär ins Kino kam oder auch dieses estnische schwarz-weiß Fantasymärchen “November”, dass dann irgendwann doch noch mal einen deutschen Verleih gekriegt hat. Dann ist man schon ein bisschen stolz darauf, dass man auch relativ frühzeitig schon auf Filme gestoßen ist, die dann auch später doch nochmal eine Reise machen. Und dann andere Filme, die nur über Festivals reisen und da auch manchmal eine Karriere machen und hier und da mal Preise gewinnen. Und dann ist man verwundert, dass die keinen deutschen Verleih finden. Aber natürlich sind einfach sehr viele Filme unterwegs und viele davon werden es einfach nicht ins reguläre Filmprogramm schaffen und keinen deutschen Verleih kriegen. Und das ist teilweise total schade, andererseits versteht man das auch, weil Verleihe einfach kommerziell denken müssen und manche Filme einfach keine Chance haben, im regulären Programm auch mit vernünftigen Werbebudgets ausgestattet zu werden, um dann wirklich auch das Publikum zu erreichen. Und da ist ein Festival eher so ein zweiter Abspielort. Da versteht man dann auch irgendwelche Weltvertriebe, die uns ja meistens auch für Festivals die Kopien zur Verfügung stellen, die dann da auch Filmmieten verlangen, weil sie einfach wissen: Der hat keine Chance im regulären Programm, weil er so klein und zart und erstmal unauffällig ist, dass er dann auch gar nicht im normalen Kinoprogramm gezeigt werden kann. Deswegen versuchen wir da auch als Festival so ein bisschen ein Sprungbrett zu sein. Deswegen diesmal auch die Entscheidung – wir hatten beim letzten mal sechs von acht Filmen als Debütfilme im Programm. Diesmal haben wir komplett gesagt: Wir gucken auf Debütfilme, weil das die interessanten Filme sind, das sind die Sachen, bei denen sich Regisseure richtig beweisen und ausprobieren können. Da ist es einerseits schade, dass die Filme dann keine normale Auswertung bekommen, aber andererseits ist es dann vielleicht eine Entdeckung, die man als Festival für sich alleine hat.

„Mein Ende. Dein Anfang“ (Foto: Filmfestival Münster)

“Mein Ende. Dein Anfang” ist ja der Eröffnungsfilm. Wie wählt ihr einen Eröffnungsfilm aus? Warum jetzt den im Speziellen?

Also einerseits versuchen wir natürlich schon beim Eröffnungsfilm zu gucken, dass wir da nicht zu experimentell sind, aber auch einen Film zu finden, der das Publikum schon ein bisschen herausfordert. Weil wir natürlich auch wissen, in einem Eröffnungspublikum sind dann etliche geladene Gäste und da möchte man schon einen Auftakt setzen, dass das ein Film ist, der für das Festival steht und eine gewisse Richtung vorgibt. Und gerade bei “Mein Ende. Dein Anfang” ist das ein Film, der sehr stark sagt: Ich bin Kino. Ich mach hier nicht eine übliche Fernsehdramaturgie auf. Obwohl es ein deutscher Film, der dann auch nicht immer mit einem großen Budget ausgestattet ist und große Kinobilder erzeugen kann. Aber dieser Film ist auch in seiner ganzen Dramaturgie anders und herausfordernd und nicht so glatt, wie manch andere deutsche Filme. Dann versuchen wir möglichst, zu einem Eröffnungsfilm auch Gäste vor Ort zu haben, um gleich ein Zeichen zu setzen: Das ist ein Festival, das ganz stark auf den Austausch mit den Filmemachern und so weiter setzt. Und in diesem Fall haben wir relativ frühzeitig gemerkt: Die Regisseurin kann kommen und die Hauptdarsteller Saskia Rosendahl, Julius Feldmeier, Michél Bartel haben Zeit, zur Festivaleröffnung zu kommen. Und sowas lotet man natürlich relativ frühzeitig aus und das gibt auch eine Richtung vor. Sowas kann dann auch ein Eröffnungsfilm sein. Und dann fallen vielleicht ein oder zwei Kandidaten weg, bei denen man weiß, dass es da schwierig mit Gästen wird. Und irgendwann ist man dann an so einem Punkt: Das wird unser Eröffnungsfilm, weil da so viele von diesen Faktoren einfach funktionieren. 

Deswegen war es wahrscheinlich letztes und dieses Jahr ein deutscher Film, weil es da sicher einfacher ist, Leute zu finden.  

Genau. Das versuchen wir natürlich auch zu berücksichtigen. Wenn es sich relativ frühzeitig ergibt – auch bei internationalen Filmen -, da können auch Gäste dazu kommen, ist es natürlich auch möglich. Also es muss natürlich nicht immer ein deutscher Film sein, aber da ergibt es sich manchmal schneller als bei anderen Filmen, klar. 

Als Herzstück bezeichnet ihr den Kurzfilmwettbewerb – das Festival ist ja damit entstanden. Aber im Prinzip laufen sie beide nebeneinander. Also was ist noch das Kernstück am Kurzfilmwettbewerb? 

Also es ist wirklich erstmal so das Traditionelle, was wir damit immer noch mit transportieren. Das Filmfestival ist 1981 als „Filmzwerge Münster“ gegründet worden, weil es sich wirklich komplett auf Kurzfilme spezialisiert hat. Seit 2005 ist der Spielfilmwettbewerb mit dabei und die beiden sind natürlich inzwischen auch gleichwertig zu sehen. Aber der Kurzfilmwettbewerb trägt immer noch so ein bisschen seine Fangemeinde mit und es gibt immer noch ein Stammpublikum an Kurzfilmfans in Münster, die dann speziell “Das beste nochmal” und den Endspurt zum Publikumspreis am Samstagabend schauen und dann auch mitbestimmen und mitabstimmen, was die Publikumsfavoriten für den Kurzfilmwettbewerb sind. Es ist dann auch das Programm mit den meisten Filmen. Beim Spielfilmwettbewerb sind es immer nur acht und bei anderen Reihen sind das dann auch noch weniger und im Kurzfilmwettbewerb sind es 34 Filme. Dort sind dann auch die meisten Regisseure und anderen Filmemacher vor Ort. Das ist der Programmpunkt, der am meisten Traffic generiert an Gästen, an Filmemachern und Publikum. Auch natürlich als Signal: Der Kurzfilm hat seine Berechtigung im Kino. Langfilme sind natürlich im regulären Programm der Status quo, aber dem Kurzfilm sollte man trotzdem immer noch den Platz einräumen, auch im Kinoprogramm.

Vielleicht nochmal zum Abschluss: Hast du einen Geheimtipp, der jetzt auf dem Festival laufen wird?

Also der Film, der mir im Vorfeld bei der ganzen Sichtung im Gedächtnis geblieben ist, ist einer aus der “Nightwatch” Reihe. Eine französisch-amerikanische Co-Produktion, in dem Fall auch ein Debütfilm: Swallow. Über eine Frau, die als eine bisschen gelangweilte Hausfrau eine Obsession entwickelt, Gegenstände herunterzuschlucken, die man normalerweise nicht schlucken sollte. Von der ersten Büroklammer bis zu irgendwelchen gefährlichen Stecknadeln und so weiter. Der Film ist einerseits so leise und durchkomponiert und andererseits baut der auch so eine schleichende Horrorstimmung auf, die wirklich sehr sehr beachtlich ist, gerade für einen Regiedebütanten, der seinen ersten Spielfilm dreht. Das ist wirklich der rundeste Film und er hat trotzdem immer noch scharfe Ecken und Kanten. Einerseits natürlich auch in dem, was er als Thema transportiert und in dem, was er zeigt und was er auslöst, weil man natürlich sofort denkt: Oh Gott, was kann man sich damit antun, wenn man solche Sachen schluckt. Und dann ist er gleichzeitig so behutsam mit seinem Thema. Das ist schon der Film, bei dem ich sagen würde: Wow, der hat mich in der Sichtung umgehauen. 

„Swollow“ (Foto: Filmfestival Münster)

Eine kurze Frage habe ich noch: Warum landet dann so ein Film im Nightwatch-Programm. Er würde ja theoretisch auch die Spielfilmkategorien erfüllen.  

Genau. Bei dem ist es eher so: Der ist zwar eine französisch-amerikanische Co-Produktion – wahrscheinlich ist es eher 70% USA und 30% Frankreich. Und da ist es dann schwierig, das dann wirklich auch komplett begründet im europäischen Spielfilmwettbewerb laufen zu lassen.  Wir hatten das jetzt bei einem anderen Film: “All Gods in the Sky”. Eine französische Produktion, die wir erst für Nightwatch vorgesehen haben, weil es schon ganz stark in ein Psychothriller-Horror-Genre reingeht, den wir aber auch dann so stark empfunden hatten, dass wir gedacht haben: Den nehmen wir jetzt Mal rüber in den Spielfilmwettbewerb. Da darf es auch wirklich Mal ein Genrefilm sein und da können wir es auch sehr gut vertreten, dass der auch im Wettbewerb läuft, weil der einfach so stark ist. Und bevor wir dann einen anderen Film nehmen, bei dem wir denken, dass der jetzt nicht ganz so stark ist, nehmen wir dann lieber einen Genrefilm in den Spielfilmwettbewerb. Das hat dann da auch gut gepasst. 

(Das Interview führte Paul Sattler)


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