Interview mit KYTES

Geschrieben von am 4. Mai 2019

“Nein, das ist nicht Two Door Cinema Club!” Das sind KYTES aus München. 2016 gewann die Band den New Music Award, richtig bekannt wurden sie dann ein Jahr später mit dem Song “I Got Something” aus der Maxdome Werbung. Eine deutsche Band, die den Indie-Größen aus Großbritannien in nichts nachsteht. Beim C/O Pop Festival in Köln durften wir Leadsänger Michael Spieler und Schlagzeuger Timothy Lush ein paar Fragen stellen.

Ihr seid ja momentan auf Tour und in ganz Deutschland unterwegs. Wird es langsam anstrengend oder macht’s noch Spaß?

Michael: Eine Sache, die immer anstrengender wird je öfter man auf Tour ist: dass man sein eigenes Zeug immer wieder auf- und abbauen muss. Das ist ne Sache, die einfach irgendwann nervt, weil man direkt nach dem Konzert auch gern einfach mal chillen würde. Und wenn wir es irgendwann so weit geschafft haben, dass wir nicht mehr alles abbauen müssen, dann sind wir wirklich da wo wir hin wollten. (lacht) 

Aber sonst ist touren mega geil eigentlich, eine der geilsten Sachen. 

Timothy: Ja, würd ich auch sagen. Prinzipiell hatten wir voll Bock, wieder auf Tour zu sein, weil wir fünf Monate nicht auf Tour waren sondern eher im Studio waren und Songs geschrieben haben. Und das geile am Touren ist halt, dass man ein direktes Feedback bekommt. Wenn du nen neuen Song rausbringst, dann kriegt man halt mal ne Nachricht auf Instagram oder so aber wenn man Live spielt… du checkst einfach direkt, dass es den Leuten gefällt oder halt nicht gefällt. 

Ihr wart ja mittlerweile auch auf einigen Festivals. Was mögt ihr besonders daran?

Timothy: Ich glaube das coole an Festivals ist, dass man sich schon so ein bisschen beweisen muss nochmal. Es sind doch oft Leute da, die einfach mal so reingestreunert sind oder einfach denken: “joah, ich schau mir das mal an”. Ich bin dann ein bisschen motivierter. 

Michael: Bei einem normalen Konzert kommen die Leute ja wirklich wegen uns. Und beim Festival ist es vielleicht so Hälfte Hälfte. Die, die da sind, sind vielleicht so zufällig besoffen vorbeigestopert und der Rest ist echt da, weil sie uns sehen wollen. Die Stimmung ist einfach ganz anders auf Festivals. Und du kannst diese Leute vielleicht auch nochmal catchen, die dich gar nicht kennen und die gehen dann teilweise so ab weil sie sich so denken: “Wow, was ist das denn?” und dann – bumm, dann schlägt’s voll ein oder halt… nicht. 

Timothy: Voll. Also wir haben auch schonmal auf Festivals gespielt und die Leute sind voll abgegangen, aber das war auch nur weil die alle besoffen waren und tanzen wollten. Am Ende des Tages dachten wir, es wär voll das geile Konzert gewesen und wir sind voll die geile Band und eigentlich war’s den Leuten total egal – die wollten halt nur abgehen. Also manchmal ist es auch nicht so leicht zu greifen und zu checken, ob die einfach nur abgehen wollten oder ob sie wirklich neue Fans geworden sind. 

Und noch ein Vorteil bei Live-Auftritten: ihr könnt improvisieren. Heute habt ihr nach eurem Song “Alright” ja noch spontan Billie Eilish gespielt. 

Timothy: ja wir hören sie gerade rauf und runter. 

Beeinflusst euch die Musik, die ihr hört immer so stark?

Timothy: Voll. Also ich versuche, mich nicht so sehr von Genres beeinflussen zu lassen. Also nur, weil ich in ner Indie-Band spiele sag ich jetzt nicht, ich mach jetzt nur noch Indie. Ich feier Anderson Paak voll, ich feier Hip-Hop Sachen wie Kendrick Lamar ich mag die Parcels übergerne… das hört man wahrscheinlich auch ein bisschen raus. Bilderbuch hört man wahrscheinlich auch raus. 

Michael: Ich feier momentan Sam Fender richtig krass. Die Foals sind so der gemeinsame Nenner. 

Timothy: Ja, die finden wir alle vier tatsächlich richtig gut. Und das ist eher selten: das wir alle vier eine Band richtig gut finden. 

Also ihr habt schon nen unterschiedlichen Musikgeschmack?

Timothy: Auf jeden Fall. Also z.B. Sam Fender: ich find’s auch voll gut, aber ich bin jetzt nicht so der Überfan. Und so ist es immer wieder… es gibt auch immer was, was der andere dann gar nicht mag. Also ich glaube nicht, dass Thommy [Thomas Sedlacek] Anderson Paak mag. 

Michael: Aber so geil, dass dem Thommy Billie Eilish voll getaugt hat. Weil das passt eigentlich gar nicht zu ihm, aber er musste sich den Song ja anhören als wir ihn gecovert haben, und es hat ihm so sehr gefallen!

Timothy: Ja weil wenn du halt was spielst, was Spaß macht beim Spielen, dann ist halt auch schon die erste Barriere weg. 

Aber ich glaub Billie Eilish, die finden auch gerade alle gut. Gestern hatten wir z.B. Mighty Oaks im Interview und auch die haben gesagt: “Ey, Billie Eilish – mega geil!”. Sie ist gerade echt sehr im kommen… ich mein die Frau ist 17!

Michael: Ja richtig heftig!

Als KYTES – also damals hießt ihr ja noch anders, Blind Freddy – wurdet ihr mittlerweile mehr als sieben Millionen Mal auf Spotify gestreamt…

Beide: Wohoooo! (geben High Five)

Jo, nicht schlecht. Und ihr seid Werbestimme für Maxdome, richtig?

Timothy: Ja, aber ist schon ein bisschen her. Die haben “I got Something” für ihre Werbung genommen, genau. 

Also für so eine junge deutsche Band seid ihr doch schon recht erfolgreich könnte man sagen… wirkt das überhaupt real alles? Oder fühlt es sich eher an wie ein Traum?

Michael: Seid wir unser Abi haben, machen wir nichts anderes: man kann wirklich sagen, wir leben unseren Traum. Wir sitzen hier und erzählen, was wir machen. 

Timothy: Ein paar Jahre lang mussten wir Leuten auch erklären, dass es tatsächlich Arbeit ist, was wir hier machen. “Jaja, ihr macht doch eh nur Musik. Holt euch doch nochmal nen richtigen Job.” Und irgendwann haben sie gecheckt: Okay, die sind oft unterwegs und stecken da echt viel Arbeit rein und sind Abends auch öfter mal nicht dabei, wenn Leute ihr Feierabendbier trinken, weil wir dann noch im Studio sind, da haben sie auch verstanden, dass das wirklich Arbeit ist. 

Michael: Und wenn man im Studio sitzt, wirkt es auch manchmal nicht wie Arbeit wenn jemand vorbeikommt, weil man halt Spaß hat oder einfach was schreibt oder so.

Timothy: Wie ich auch vorhin schon gesagt hab: wenn man fünf Monate irgendwie nicht spielt dann… also klar, du siehst diese Spotify Streams und das ist schon immer sehr unreal. Also wir haben diese App und du siehst nur: Heute schon wieder 10.000 Mal gestreamt, der Song und du denkst dir: Ja okay, was heißt das überhaupt? Und wenn du auf Tour bist, dann spürst du’s halt wieder direkt und das motiviert einen dann wieder. Denn was heißt Spotify überhaupt? Hören die Leute das bewusst oder nur so nebenbei? Sind das wirkliche Fans? Das ist beim Live Spielen einfach viel besser. 

Und viel wichtiger als irgendwelche Spotify-Streamzahlen – du hast es eben schon gesagt, man weiß ja eh nicht genau was die so genau aussagen: euer Song “Alright” [wurde am 02.05. released] ist bei uns auf Rotation gelandet ! Herzlichen Glückwunsch erstmal! 

Beide: Danke! (lachen)

Ich hatte damit tatsächlich leider nichts zu tun, denn unsere Musiksitzung war gestern und da war ich schon in Köln wegen des Festivals, aber mein Musikchef-Kollege und die anderen aus der Redaktion fanden euch super! Deswegen musste ich ihn mir auch direkt anhören heute morgen und ich muss sagen… naja, also so viel Inhalt hat der nicht…

Timothy: Du meinst lyrische Inhalte?

Ja, also z.B. die eine Zeile “I shake my ass for you, I bring the magic”, die ist mir im Kopf geblieben. 

Michael: schön, dass dir diese Zeile im Kopf geblieben ist (lacht)

Aber jetzt mal ehrlich Jungs, was habt ihr euch dabei gedacht?

Michael: Du musst dir vorstellen, dieser Mensch… also wir haben uns den so vorgestellt, den “Alright-Guy”… Es muss nicht mal ein Typ sein, sondern einfach ne Person: die fühlt sich so wohl, wie sie ist. Auch wenn sie nicht die Schönste, der Dünnste oder der Schnellste oder der Klügste ist. Aber mehr Alright wie dieser Mensch in diesem Song kannst du dich eigentlich nicht fühlen. Und das versucht dieser Mensch halt gerade mitzugeben: “Hey, Life is way to short to hate, so let’s be friends tonight”. Morgen können wir wieder getrennte Wege gehen, aber heute müssen wir das Hier jetzt zusammen verbringen, also lass uns nicht anstressen jetzt und… genau, das ist die Message, die wir uns vorgestellt haben. Eigentlich ganz einfach, aber es geht um diesen Typ, der sich wohler nicht fühlen kann. Das Video kommt auch noch raus dazu, da siehst du’s. 

Timothy: Gerade als deutsche Band, die englische Texte schreibt ist es immer so… oder zumindest ein bisschen so, dass man nicht immer das Gefühl hat, die Deutschen würden so krass hinhören was wir singen. Also manchmal denkt man, man kann einfach singen was man will und die Leute denken: “Hö, lustiger Song”. Und die Strophen sind halt krass ironisch. Alles daran ist Ironie. Halt mit “I’m orgasmic… plastic” bla bla bla. Letztendlich halt krasse Ironie und wir wollten halt auch einfach mal schauen, ob Leute überhaupt was dazu sagen oder denken “joah, wieder ein normaler Song von denen, singen halt darüber, dass sie sich orgasmisch fühlen”… (alle lachen)

Ja, haben wir uns heute morgen auch sehr drüber gewundert

Timothy: Wenn man jetzt gar nicht drüber nachdenkt, könnte man denken, wir fühlen uns einfach nur krass geil mit dem Song, aber das ist gar nicht auf uns bezogen sondern einfach – wie Michael auch schon gesagt hat – wir feiern die Idee, dass jemand einfach krass anders ist und nicht reinpasst in dieses Schema von nem “normalen”, coolen Typen, dass er halt…

Michael:… dass er mit seinem Arschgewackel auch andere Leute zum Lachen bringt. 

Sehr schöne Message!

Michael: Ja auf jeden Fall! (lacht)

Ich bin gespannt auf’s Video, jetzt ergibt das auch alles einen Sinn. 

In eurem Song “I Got Something” singt ihr: “I got something you should try”. Was sollte man eurer Meinung nach im Leben unbedingt mal ausprobiert haben?

Timothy: Ich finde man sollte mal ausprobieren, sich selber mal wirklich den Mut zu nehmen, das zu machen was man wirklich will und nicht in so nem Stuhl rein führen lassen von wegen: “Ah ich muss doch eigentlich schon richtig hart arbeiten und nen vernünftigen Job machen”. Ich glaube jeder hat irgendwas, was er gerne mal machen würde aber sich vielleicht nicht traut. Schauspieler sein oder Fotos machen oder Sportler sein, was auch immer. Ich glaub, das ganz viele Leute das haben und es nicht machen. 

Michael: Ja ich glaube, also es ist sehr einfach gesagt gerade, aber… dass du einfach mal versuchst, irgendwas zu machen auch mit dem Wissen, dass du wahrscheinlich auf’s Maul fliegst. Da haben Leute voll viel Angst vor, und wir natürlich auch: wir wissen auch nicht, wie es weitergeht. Wir machen unser Album, wir machen das jetzt einfach so, aber seit acht Jahren funktioniert’s. Und das nur, weil wir uns denken: “Hey, wir machen das jetzt einfach”. Da muss ich immer an meinen Papa denken, weil der hat immer gesagt: “Ja, jetzt hört mal auf mit euren ganzen Hauruck-Aktionen.” Also irgendwelche ungeplanten Sachen die passieren, ohne jetzt drei Mal drüber nachgedacht zu haben. Und es war uns wurscht, denn wir haben einfach mal angefangen und dann sieht man schon, was man braucht. 

Und dann kommen die besten Ergebnisse bei raus. 

Michael: Genau! Oder du fliegst auf’s Maul, aber daraus lernst du auch. Und das ist ganz wichtig für das, was du machen willst, dass du checkst: Okay, jetzt bin ich auch mal auf’s Maul geflogen, komm’ damit auch klar und kann wieder aufstehen und kann wieder was anderes ausprobieren. 

Timothy: Und man fliegt auch gerne auf’s Maul wenn man was für ne Sache macht, die man liebt. Wenn ich jetzt irgendwie drei Wochen für meinen Chef irgendwelche PowerPoint Präsentationen machen muss und der sie gar nicht benutzt, dann denke ich: “was für ein Arschloch, was mach ich hier überhaupt?”. Aber wenn ich jetzt für meine Band krass viel Energie reinstecke und es dann vielleicht nicht so klappt, wie ich es mir denke dann frag ich mich eher: “Okay, was können wir jetzt anders machen?” und hab voll Bock, das trotzdem weiterzumachen und nicht: “mir ist alles egal, ich bin jetzt raus hier”

Michael: Ja voll!

Timothy: Deep shit, den wir hier bequatschen! (lacht, macht sich ein Bier auf)

Voll! Und ein gutes Schlusswort würde ich sagen, unsere Zeit ist nämlich leider schon um. Vielleicht noch eine letzte Frage, bevor ich hier rausgeworfen werde: wo geht’s heute Abend noch hin? 

Timothy: Auf jeden Fall in’s Bumann’s, da legt der Raffi [Raffael Kühle] auf, der Schlagzeuger von OK Kid. Und Fat Tony legt auf bei der Deutschlandfunk Bühne… oh sorry, Konkurrenz – von diesem anderen Radiosender. Da wollten wir auf jeden Fall auch noch hin… 

Michael: Aber wir haben auch hunger! Also gut, dass das Interview jetzt vorbei ist dann können wir endlich was essen (lacht)


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