Filmrezension: Ben Hur (2016)

Geschrieben von am 1. September 2016

Jetzt hat es Ben Hur erwischt. Man könnte den Eindruck haben, dass Hollywood die Ideen ausgegangen sind. Reboots, Sequels und Remakes dominieren, neben den Comic-Verfilmungs-Straßenfegern, die Kino-Charts. Nachdem innig geliebt und manchmal vielleicht etwas nostalgisch verklärte Reihen wie Mad Max, Star Wars und Jurassic Park durchaus erfolgreich neu umgesetzt wurden, stürzen sich die Produzenten in LA jetzt auf jede Lizenz, die noch irgendwo eingemottet herumliegt. „Tarzan“ wurde mit einer Art Sequel beehrt, „Point Break“ neu aufgelegt, genauso wie „Ghostbusters“ und das „Dschungelbuch“. „Die Glorreichen Sieben“, „Im Westen nichts Neues“ und „Scarface“ sollen folgen.

Remakes müssen natürlich nicht per se schlecht sein, Christopher Nolan hat das mit seiner Batman-Trilogie eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bisher stellte sich aber das Gefühl ein, dass gewisse Klassiker von der Remakemanie ausgenommen wären. Filme, die als so gut betrachtet wurden, als so ikonisch, dass kein Regisseur ernsthaft annehmen sollte, er könne es besser machen. Timur Bekmambetow (der auch hinter „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ steckt) war da wohl anderer Meinung und wagte sich an den Großvater aller Sandalenfilme, William Wylers 1959er Klassiker „Ben Hur“.

Wie im Original erzählt „Ben Hur“ die Geschichte des Konfliktes zwischen zwei Adoptivbrüdern, dem jüdischen Adeligen Judah Ben Hur und dem Römer Mesalla Severus. Unschuldig des versuchten Mordes bezichtigt und von seinem Bruder verraten, wird er als Sklave auf eine Galeere geschickt. Nach seiner Flucht sinnt er auf Rache an seinem Bruder und an Rom.

Doch Bekmambetows „Ben Hur“ ist fast schon symptomatisch für alles, was mit den gefloppten Remakes der letzten Jahre nicht stimmt: Mit massenweise CGI-Effekten und hektischen Schnitten wird versucht, dünne und löchrige Plots, unglaubwürdige Schauspieler und wenig Gefühl für das Original zu kaschieren, selten mit Erfolg.

Das beginnt schon bei den Schauspielern. Der Cast von „Ben Hur“ ist seinen Rollen nicht gewachsen, selbst Morgan Freeman wirkt höchstens routiniert. Gerade die Entscheidungen der beiden Hauptcharaktere, Judah Ben Hur ( Jack Huston) und Mesalla Severus (Toby Kebbell )sind unglaubwürdig und so übereilt, dass selbst ein hyperaktives Eichhönrnchen nach vier Litern Red Bull von ihrer Sprunghaftigkeit überrumpelt worden wäre. Wirklich ans Herz wächst einem keiner der Charaktere, vor allem da ihnen der Film auch kaum Raum bietet, sich zu entfalten.

Zwei Actionsequenzen dominieren den Film, eine zugegebenermaßen schön anszusehende und spannende Seeschlacht und das berühmt-berüchtigte, in Bekmambetows Version aber wenig beeindruckende Wagenrennen. Zwischen diesen beiden CGI-Feuerwerken ist der Rest der Handlung mehr schlecht als recht irgendwie hineingequetscht worden. Auch dass der Streifen mühsam auf knapp 120 Minuten heruntergeschnitten wurde, merkt man all zu sehr.

Wer das Original mochte, sollte sich den Kinobesuch von „Ben Hur“ lieber sparen, alle anderen eigentlich auch. Man kann nur hoffen, dass sich Hollywood nach dem Scheitern von Remakes wie „Ben Hur“ und „Ghostbusters“ wieder auf die Suche nach frischen Ideen macht. Es schaudert einen jetzt schon, wenn man daran denkt, was Bekmambetow, Bay, Scott und Konsorten „Casablanca“, „Zwei Glorreiche Halunken“ oder dem „Paten“ antun könnten.


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