Surf Curse - Heaven Surrounds You

Rezensiert von Jan-David Wiegmann

Wenn Robert Smith von the Cure plötzlich die Idee käme surfen zu gehen, dann würde er dabei wahrscheinlich das neue Surf Curse Album “Heaven Surrounds You” hören. Dort verbinden Sänger und Drummer Nick Rattigan und Gitarrist Jacob Rubeck den treibenden Surf Rock der frühen the Drums mit Post-Punk und Teenage Angst. Im Umkreis von Las Vegas aufgewachsen, lernten sich die beiden Bandmitglieder über ihre Leidenschaft zu Underground Musik und Filmen kennen. Beides kommt in ihrer Musik zusammen, denn wie auch schon auf dem Vorgängeralbum “Nothing Yet”, haben sie auf “Heaven Surrounds You”, alle Songtitel den Filmen die sie besonders geprägt haben gewidmet. Auf “Heaven Surrounds You” wollten sie besonders die Atmosphäre der Filme in den Klang der Musik umwandeln. Na dann mal ab ins musikalische Kino:

Dort läuft zunächst zunächst “Maps to the Stars”. Das Stück ist angelehnt an das satirische Filmdrama von 2014, welcher sich mit den psychischen Abgründen von Hollywood Stars beschäftigt. Der Song kommt mit nur 4 Zeilen aus, denn den größten Teil nimmt hier die tanzbare und dennoch melancholische Gitarrenmelodie ein. Dazu die Zeile “Burn whoever You Are” als Anspielung auf die Protagonistin des Films, welche dort versucht sich selbst und ihren Bruder in Brand zu setzen. Song-Rating 7/10

Ruhiger und düsterer kommt “Midnight Cowboy” daher, welcher an den gleichnamigen Film bzw. im deutschen “Asphalt-Cowboy” angelehnt ist. Im Film zieht ein junger Mann aus Texas nach New York um dort als Gigolo sein Geld zu verdienen. Allerdings scheitert dieser Plan und der Protagonist landet auf der Straße. Musikalisch setzen Surf Curse vor allem den Hochmut um, denn der gesamte Song wirkt wie für nächtliche Autofahrten und Abenteuer geschrieben. Die Zeile “I've been living like a midnight cowboy / Dreaming of days of a different life” bringt den Film und die Atmo super auf den Punkt. Song-Rating 8/10

Auch der Film “River’s Edge” (dt. Das Messer am Ufer) wird gewürdigt. Das filmische Psychospiel eines Jungen der seine Schwester ermordet. Passend dazu auch hier das Spiel mit der Hoffnungslosigkeit und dem Verlust des eigenen Selbst: “I hope I can still write songs / When my memories are all gone” Mit dem leicht übersteuerten Gesang, und dem ruhigeren Rhythmus, fließen hier sichtlich Elemente von Rattigans Bedroom Solo Projekt Current Joys mit ein, welches mit “Wild Heart” 2013, die neue LoFi Welle mitbegründete. Spannende Kombi! Song-Rating 8/10

Bei “Opera” ist dieser Einfluss allerdings nicht so gut in den Rock-Vibe eingebunden. Hier muss der spezielle Surf Curse Sound, einer schleppenden wie austauschbaren Balladenatmo weichen. Zwar mag das zu dem Horror-Film “Terror in der Oper” passen, auf welchen sich der Song bezieht, allerdings wird hier die Bittersüße Atmo des Albums gebrochen. Song-Rating 5/10

Doch wie bei einem guten Blockbuster, soll auch in dieser Rezension das Highlight erst zum Schluss kommen. Das hört auf den Namen “Disco” und hier steckt alles drin, was der Name verspricht. Bereits bei den ersten Tönen fühlt man sich in eine verrauchte Indie-Disco versetzt - Schweiß tropft von der Decke und eine Prise Zukunftsangst liegt in der Luft. Im Video wird dazu Pulp Fiction mäßig getanzt und Erinnerungen an 80s Romanzen werden wach. Hit! IMDB Song-Rating 10/10

“Heaven Surrounds You” ist ein Album, das den Zeitgeist vielleicht gerade deswegen so gut trifft, weil er mit der Retromanie der Millennials spielt. Nicht ohne Grund spielen viele der erwähnten Filme in den 80ern, 90ern oder frühen 2000ern und lassen so kurz die Atmo von Filmabenden in der Kindheit und als Teenager aufleben. Passend dazu natürlich auch der Post-Punkige Einschlag, die juvenilen Texte, sowie die Ästhetik vom Albumcover und dem Musikvideo von “Disco”. Trotzdem stechen Surf Curse heraus und stellen definitiv keine Referenzband dar, sondern haben mit ihrem Surf Einschlag eine unverkennbare Note. Klar der Sound muss auf Albumlänge gefallen und die Arrangements sind schnell begriffen. So wirkt das gesamte Album wie ein aufgeregtes Wühlen in den Fotos der eigenen Jugend oder den Urlaubsdias der Eltern. Vielleicht surft bei einem Bild ja auch Robert Smith im Hintergrund…


Label: 
Danger Collective
VÖ: 
01.11.2019 (physisch)
Herkunft: 
Los Angeles, USA