Tyler, the Creator – Igor

Rezensiert von am 26. Mai 2019

       

„IGOR“ heißt das sechste Studioalbum des US-amerikanischen Rappers und Produzenten, der sich Tyler, the Creator nennt. Vor weg gesagt, das Album ist eine angenehm anzuhörende Abwechslung zu dem, was man in der Vergangenheit von Tyler überwiegend zu hören bekam. Tylers vergangene Produktionen sollen damit nicht abgewertet werden. Musikalisch lief es für den Rapper alles andere als schlecht. Mit seiner Single „Yonkers“ die ihm 2011 den Durchbruch über die USA hinaus brachte, erreichte er bis jetzt über 110 Millionen Aufrufe auf Youtube und gewann den MTV Music Award für den besten Newcomer. Im Vergleich zu seiner damaligen Musik bringt das neue Album allerdings eine ganz neue Art von Vibes mit.

Früher war Tyler ein Provokateur, aufgrund seiner Twitter Posts von vielen als homophob angesehen und aufgrund seiner gewaltverherrlichenden Texte sogar zeitweise mit einem Einreiseverbot in das vereinigte Königreich belegt. Ein Gangster Rapper eben. Mit seinen mittlerweile 28 Jahren schlägt der junge Mann aus Los Angeles County in seinem Album „IGOR“ nun jedoch besinnlichere Töne an. Und das musikalisch wieder auf hohem Niveau. Sein neues Album handelt im Grundsatz von Freundschaft und Liebe, ist also keinesfalls revolutionär. Für Tyler ist diese Richtung jedoch eine neue. Musikalisch passen die groove- und funkgetriebenen Synth-basierten Tracks angenehm zu dieser Thematik. Bereits auf seinem Vorgänger Album „FLOWER BOY“ begann er mit dieser Art von ruhigerer Musik.

In „IGOR“ erzählt Tyler über 12 Tracks hinweg nun eine Art Liebesdrama. Häufig wird es dabei auch sehr persönlich. Der Song „Earfquake“ handelt etwa vom Vorgang des Verliebens, „I Think“ spricht über das Teilen von Tylers Gefühlen zu seinen Mitmenschen und „Gone Gone/Thank You“ erzählt eine Geschichte über den Liebeskummer. Den Ausklang macht Tyler, the Creator mit demn resignierend fragenden Song „Are We Still Friends?“. Musikalische Unterstützung bekam Tyler auf „IGOR“ von Kanye west, Solange, Santigold, Playboi Carti, Lil Uzi Vert oder Cee-Lo Green und Pharrell. Zusammen mit diesen Künstlern ist ein Album zum Zuhören entstanden. Rap und Gesang gehen Hand in Hand. Wüste Bässe vermischen sich mit viel souliger Wärme und psychedelischen Elementen. Das Zuhören ist bei „IGOR“ aber wirklich wichtig. Nicht umsonst hat Tyler, the Creator vor Release seine Fans auf Instagram darum gebeten, sich für das Album Zeit zu nehmen und es sich in Ruhe anzuhören. Hört man es nebenbei, scheinen die Songs nicht wirklich Hit Potenzial zu bieten. Bei genauerem Zuhören macht sich jedoch die Chronologie und die stringente Geschichte der Lieder bemerkbar. Der Track „Exactly What You Run From You End Up Chasing” ist in Form einer kurzen Sprachnotiz, einer Weisheit eines Freundes mit leichter musikalischer Untermalung gehalten und dient mehr der Geschichte, die sich durch das Album zieht, als dass man die nur 14 Sekunden lange Aufnahme als eigenständigen Song bezeichnen könnte. In aller Regelmäßigkeit haben die Lieder jedoch eine Länge zwischen drei und vier Minuten. Eine Ausnahme bildet der abschließende und besonders musikalisch gesangliche Song „Are We Still Friends?“ mit einer Länge von über 6 Minuten.

Insgesamt ist das Album musikalisch abwechslungsreich und eine neue Richtung von Tyler, the Creator. Wer Songs in der Richtung von „Yonkers“ erwartet, wird sicherlich enttäuscht, lediglich „What’s Good“ schlägt wieder härtere Töne an. Auch sind es für mich keine Hits die man in Gesellschaft im Auto aufdreht und lautstark mit rappt. Dafür regen sie eher zum aktiven Zuhören an. Für alle die sich darauf einlassen wollen, ist „IGOR“ jedenfalls sehr zu empfehlen.

Rezensiert von Leon Reinke


Label: COLUMBIA RECORDS
Veröffentlicht am: 17.05.2019
Interpret: Tyler, the Creator
Name: Igor
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