Kishi Bashi – Omoiyari

Rezensiert von am 2. Juni 2019

       

Unbehagen, Unterdrückung, Fremdartigkeit, das Gefühl nicht gewollt zu werden – diese Gefühle durchtreiben den Künstler Kishi Bashi als Kind von japanischen Einwanderern, die nach dem zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert sind. Diese Emotionen werden gerade wieder stärker in Zeiten in denen ein Mann in den USA an der Macht, der den ethnischen Minderheiten das Gefühl gibt in seinem Land nicht gewollt zu sein.

Angespornt von der aktuellen politischen Situation geht der Künstler Kishi Bashi auf Tuchfühlung mit der Geschichte der eigenen Ethnie, zurück in eine Zeit in der der Rassismus gegen japanische Migranten  in den USA wohl seinen Höhepunkt erreichte. Nach dem Angriff auf Pearl Harbour im zweiten Weltkrieg sind über 100.00 in Amerika lebende Japaner von Präsident Franklin D. Roosevelt in Internierungslager geschickt worden, ohne dass diese auch nur das geringste mit der japanischen Kriegsführung zu tun gehabt hätten. Über 60% der Inhaftierten besaßen sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Kishi Bashi besucht die alten Straflager und spricht mit Zeitzeugen, die ihre Zeit in den Internierungslagern überlebt haben. Nebenbei entwickelt er ein musikalisches Konzept. Heraus kommt dabei ein unglaublich gefühlvolles und andächtiges Album, unser Album der Woche : Omoiyari

Omoiyari ist japanisch und bedeutet so viel wie Rücksicht, Anteilnahme oder Empathie und unter diesem Motto bewegt sich das Album auch.
Hört man sich den Opener des Albums Penny Rabbit and Summer Bear an, so wirkt dieser zunächst ganz und gar naiv. Fast schon eher wie ein Kinderlied. Musikalisch wird fröhliches Gitarrenzupfen von langsamen Streichern untermalt und zwischendurch ein sehnsüchtiges „uhh“ eingeworfen. Textlich geht es um zwei Tiere, die zueinander finden wollen, was auch gut gerne die Story aus einem Kinderbuch sein könnte. Betrachtet man nun das Lied unter dem Kontext des Albums wird schnell klar, dass das Lied den Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben unter verschiedenen Ethnien äußert. Ein Zustand der leider noch nicht erreicht zu sein scheint.

Etwas härtere Töne schlägt dabei gleich der zweite Song F Delano an. Musikalisch behält der Song dabei fast dabei den kindlich naiven Stil aus dem vorherigen Song bei. Textlich geht es jedoch deutlich rauer zu. Der Song handelt von Frank Delano Roosevelt und verurteilt die oben beschriebenen Maßnahmen aufs schärfste : “Named of the leader who favored a nation after his own. Into the desert he pushed all the Nips (rassistischer Begriff für Japaner), he wasn’t alone.” Gerade durch diese Antithese zwischen fröhlicher Musik und  dramatischem Text wirkt der Song im besonderen Maße und führt einem nochmal das Grauen vor Augen, dass die japanischen Immigranten in den USA nach dem 2. Weltkrieg durchleben mussten.

Das Album arbeitet sich auf diese Weise wunderbar weiter fort und thematisiert die Liebe, den Verlust und die Leidenschaft, die die japanische Nachkriegsbevölkerung in den USA durchlebt hat. So beispielsweise die Nummer Angeline, die auf beeindruckende Weise erzählt, wie jemand seine große Liebe verloren hat, weil er ins Straflager musste oder das Lied Summer of 42, welches musikalisch zweifelsfrei das stärkste Lied des Albums ist, in dem sich ein Liebespaar an einen gemeinsamen Sommer erinnert, bevor sie durch den Krieg getrennt werden.
Musikalisch startet das Album dazu zunächst kindlich naiv, legt im Laufe der Songs dann aber deutlich an Dramatik zu und gipfelt in der dramatischen Nummer Violin Tsunami. So wundert doch ein wenig der letzte Song Annie, Heart Thief of the Sea, der sehr nach Country klingt und somit ein wenig aus der Stimmung des Albums herauszufallen scheint.

Letztendlich gelingt Kishi Bashi aber ein traumhaftes Album, das musikalisch doch so unbekümmert daher kommt und gerade immer wieder durch den genialen Einsatz von Streichern besticht, in Kontrast zu den auch häufig traurigen Texten, die einem das Leid japanischer Immigranten in der Nachkriegszeit in Amerika unglaublich nahe bringen. Der Ideale Mix aus Klassik, Indie und Melancholie.


Label: JOYFUL NOISE
Veröffentlicht am: 31.05.2019
Interpret: Kishi Bashi
Name: Omoiyari
Online: Zur Seite des Interpreten.


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