SONS – Family Dinner

Rezensiert von am 8. Januar 2020

       

Wenn die belgische Band SONS auf einem Familienessen auftaucht, dann fliegt das Geschirr über den Tisch, die Stühle werden durch den Raum gekickt und die Gitarre auf dem Herd zerhauen. So klingt zumindest ihr Debütalbum “Family Dinner”, welches, nach dem BeNeLux Release im April, nun am Freitag endlich auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Grunge, Hardrock, Garage-Rock, Punk – SONS ist egal, welche Musikrichtung sie gerade abzünden, hauptsache es ist laut und geht nach vorne. “Family Dinner” ist der rebellierende Sohn der erstmal Anti alles ist – das ergibt ein Album zwischen Wut, Unzufriedenheit und Identitätsfindung. 

Bereits der gleichnamige Opener wirkt mit seinem Nu-Metal mäßigen, rasanten Gitarrenbrett zunächst, als würde Fred Durst von Limp Bizkit gleich anfangen loszurappen. Stattdessen bekommen wir ein Gitarrensolo noch vor dem Einsatz des Gesangs, dann kurze Ruhe, langsam vorgetragene, verzerrte Lyrics, bevor der Song wieder weiterbrettert. Ein Opener, der das Publikum zunächst auf eine falsche Fährte lockt, wenn sie nun ein Album lediglich in dieser musikalischen Schiene erwarten. Denn so handwerklich gut der Song auch gemacht ist und das Album mit einem großen Knall eröffnet –  so richtig ziehen die Nu-Metal Riffs im Jahr 2019 nicht mehr…

Aber der Song ist auch ganz und gar nicht stellvertretend für das Album. Denn eines der großen Highlights wartet auf der Titelnummer 3 und heißt “Naughty”. Passend zum Titel gibt es eingängigen Garage-Rock mit Dosenkick-Attitüde, der in seiner Destruktivität an Bands wie Slothrust oder die Viagra Boys erinnert.

Bei “I Need A Gun”, merkt man den Einfluss von Produzent Michael Badger-Taweel, der unter anderem an King Gizzard & the Lizard Wizards “unendlichem” Album “Nonagon Infinity” mitgewirkt hat. Der Verzerrte Gesang, sowie der plötzliche Break in dem Song erinnern stark an die Freaks aus Australien.

Der wohl eingängigste Song ist “Waiting on My Own”. Ein Song über die Unruhe, wenn man auf eine wichtige Nachricht wartet und die Finger nicht vom Smartphone lassen kann – auch nicht auf dem Dancefloor: “I will wait till it gets late and then i’ll call her again. My phone starts staring at me I don’t know where to begin.” Dank solchen treibenden Rock-Nummern ist es wenig verwunderlich, dass die Band in den Niederlanden bereits mit “Family Dinner” in den Top10 der Albumcharts landeten und auf großen Festivals wie dem Rock Werchter oder dem Iceland Airwaves auftreten durften. Dass Bands, die zunächst in BeNeLux gehyped wurden, auch später in Deutschlands erfolgreich werden, zeigten bereits Bands wie Das Pop, deren Produzent Reinhard Vanbergen ebenfalls an dem Album mitgewirkt hat.

SONS sollten wir auf jeden Fall im Auge behalten, denn ein so freakiges Debüt haben schon lange keine Bands mehr auf den Markt gebracht. Natürlich kann man kritisieren, dass “Family Dinner” keine klare Struktur aufweist und Garage-Rock Hits neben ausufernden oder sogar experimentellen Songs (man achte auf den 6 minütigen langsamen, ruhigen, psychedelischen Closer “Sneaky State”) ansiedelt. Andererseits zeigt sich so das enorme Potential der Antwerpener, welche in der Lage sind eine Bandbreite an Rocklastiger Musik zu spielen die, ein Glück, bei dem Großteil der Songs nicht angestaubt klingt. Letztendlich ist es ein super Album um die Essensschlacht beim diesjährigen Weihnachtsessen zu eröffnen, oder einfach eine leere Bierflasche auf dem Nachhauseweg umzutreten und somit seinen eigenen kleinen Akt der Rebellion zu feiern.


Label: Noisesome / Caroline Benelux
Veröffentlicht am: 06.12.2019
Interpret: SONS
Name: Family Dinner
Online: Zur Seite des Interpreten.


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