Psychedelic Porn Crumpets – Shyga! the Sunlight Mound 

Rezensiert von on 8. Februar 2021

       

Wer kennt sie nicht? Die klassische Lisa-Story. Erstmal nach dem Abi ne schöne Auszeit und einen Trip nach Australien machen. Die Psychedelic Porn Crumpets verändern dieses Konzept nun ein gaanz kleines bisschen und beschreiben auf ihrem Album “Shyga! The Sunlight Mound”, wie es ist einen Trip IN Australien zu machen. In dem Album geht es nämlich vor allem um eins – liebe Eltern bitte jetzt weglesen – Es dreht sich um paradiesische Pilze, grandiose Gräser, lustig-machende Lulus oder wie sie der gemeine Volksmund nennt: DROGEN

Was will man auch anderes erwarten als von einer Band, die sich gegenseitig vom gemeinsamen Dealer vorgestellt wurde? So geschehen im Jahr 2014 im australischen Perth als Jack McEwan eine Band für ein Uniprojekt suchte. Wie praktisch wenn der lokale Rauschgifthändler nicht nur prickelnde Pillen vertickt, sondern auch noch mit meisterhaften Musikern aushelfen kann. So schlossen sich Frontmann Jack McEwan, Gitarrist Luke Parish, Drummer Danny Caddy, Keyboarder Chris Young und Bassist Luke Reynolds an.

Gemeinsam vertickt die Band dabei den wohl größten Exportschlager Australiens – den Psychedelic Rock – und reiht sich damit in die Reihe von Exporteuren wie Tame Impala und King Gizzard & The Lizard Wizard nahtlos ein. Allerdings nicht ohne ihrem Stoff eine ganz besondere Note zu verleihen, der vor allem in einem deutlich verzerrteren Gitarrensound mit dem Einsatz von Fuzz-Effektpedalen und Lo-Fi Gesang mündet. Auch auf ihrem mittlerweile vierten Album wissen die Psychedelic Porn Crumpets mit dieser Mische zu überzeugen. 

“Was für eine wundervolle Zeit ein Erdferkel zu sein” mit Textzeilen wie diesen begrüßt uns die Band im Intro Big Dijon über verträumten leicht verzerrten Akustikgitarren. Ein Song wie charakteristisches Cannabis – eben eine Einstiegsdroge. Aber spätestens ab Song 2, Tally Ho, kickt das Zeug richtig rein. Und das nicht nur musikalisch, so beschreibt der Song wie es sich anfühlt einen Gott-Komplex zu erlangen, ausgelöst durch stattliche Stimulantia. Und spätestens wenn im Song die Rede vom lawinenreichen Winterland ist, wissen wir, dass man sich songintern genauso an einer reichen Schneelandschaft erfreut, wie wir es ja gerade auch tun.  

Der Track Sawtooth Monkfish – eine imaginäre Fischart, die so nicht wirklich existiert – widmet sich dagegen dem Gefühl wie es ist gerade ohne rigorose Rauschmittel auszukommen und der Vorfreude auf den nächsten Trip. Den körperlichen Folgen, die bei Entzugserscheinungen auftreten, widmet sich eindrücklich der Song Tripolasaur. Der folgende Track Mr. Prism handelt von einer Lungenentzündung die sich Jack McEwan auf Tour zugezogen hat. Der freundliche Dank geht dann an dieser Stelle nochmal raus an Alexander Flemming, der durch die Erfindung des Penicilins dafür gesorgt hat, dass Jack McEwan daran jetzt nicht mehr sterben muss. Als aufmerksame*/r Zuhörer*in hat man natürlich schon Entzugserscheinung, dass dieser Song sich offenbar gar nicht um peppige Präparate dreht, doch Gottseidank liefert die Band im Outro mit “Nobody fears the nose beers”- ein Slangterm für Kokainkonsum – doch noch einen Drogenkontext. Selbiger darf natürlich auch nicht in The Terrors fehlen. Der Songtitel bezieht sich auf die Phase von Sonntagabend bis Montagmorgen in der sich ungewollte Nebeneffekte nach einem spaßigen Wochenende einstellen. In dem Song wird ansonsten die lange Wartezeit auf den nächsten Gehaltscheck thematisiert um sich davon dann wieder die nächste Realitätsflucht zu erkaufen. Hats Off To The Green Bins und Glitter Bug handeln von der nüchternen Monotonie des Alltagslebens. Und wie entkommt man der am besten? Man kann es sich erdenken.

Der Filler More Glitter leitet direkt in den Track Pukebox über, in dem sich Jack McEwan ausmalt, wie er selbst auf der Terrasse sitzt, Selbstgebrannten trinkt und sich vorstellt, er hätte ein alternatives Ego. Bei Mundungus scheint der Familie der Handlungsperson der Texte endlich auchmal aufgefallen sein, dass der Konsum augenscheinlicher Aufputschmittel doch ein wenig überhand zu nehmen scheint und handelt daher von einer familiären Intervention, die auf selbstzerstörerische Tendenzen hinweisen soll. Diese Intervention scheint Wirkung zu haben, denn im darauffolgenden Song Mango Terrarium wird sich doch mal die Frage gestellt “I wonder what I can do without drugs”. Und im letzten Filler vorm Closer, Round The Corner scheinen sich auch nochmal neue Gefühle zu entwickeln. Der letzte Song wirft schließlich aus der Perspektive eines alten Mannes einen Blick auf die wilde Jugend mit dem Fazit: “Every old man tells me the same, live while you’re young enjoy each day”. Also vielleicht war der Konsum der glorreichen Genussmittel doch keine schlechte Sache. 

Die Psychedelic Porn Crumpets faszinieren auf ihrem Album “Shyga! The Sunlight Mound” mit einem musikalischen Trip über Trips und machen mit ihrem coolen, allerdings nicht sonderlich abwechslungsreichen Stil, jede Menge gute Musik, bei der man einfach Spaß hat, wenn man ihr zuhört. 

rezensiert von Moritz Meyer


Label: Marathon Artists
Veröffentlicht am: 05.02.2021
Interpret: Psychedelic Porn Crumpets
Name: Shyga! the Sunlight Mound 
Online: Zur Seite des Interpreten.


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