King Gizzard & The Lizard Wizard – K.G.

Rezensiert von am 22. November 2020

       

King Gizzard & The Lizard Wizard sind zurück. Es wäre ja auch schon fast ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, wenn das Jahr 2020 vergangen wäre ohne ein Album der produktivsten Band der Welt. In konkreten Zahlen heißt das, dass mit “K.G.” bereits das 16. Studioalbum der Australier veröffentlicht wurde und das, obwohl sich die Band erst 2010 gegründet hat. Die Albumflut der Band gipfelte im Jahr 2017 wo sage und schreibe fünf Alben in einem Jahr erschienen sind. Nachdem die Band auf ihrem letzten Album aus dem vergangenen Jahr “Infest The Rats’ Nest” den Thrash Metal für sich entdeckte, haben King Gizzard & the Lizard Wizard jetzt wieder Freude an alten Stilen gefunden und widmen sich genau wie bereits auf dem Album “Flying Microtonal Bananas” der mikrotonalen Musik zu. Das bedeutet, dass nicht nur herkömmliche Töne der Tonleiter verwendet werden, sondern das bestehende Tonsystem wird durch Zwischentöne erweitert. Zu diesem Zweck baute die Band sogar eigens ihre Gitarren um und hat neue Bünde hinzugefügt. Ergebnis dieses Prozesses ist ein deutlich orientalischer Klang der auf den psychedelischen Rock der westlichen Welt trifft und somit ein einzigartiges Klangerlebnis bildet, welches auf dem Album “K.G.” auf die Spitze getrieben wird. 

Gleich im Intro mit dem Namen “K.G.L.W.” lässt sich die mikrotonale Musik gut erkennen. So wird sofort ein Klagerebnis geschaffen, welches unmittelbar die Assoziation an den fernen Orient weckt. Nahtlos geht das Stück in den Track “Automation” über. Hier kommen schnell wieder die klassischen Drumfills in den Sound die zum absoluten stilistischen Markenzeichen der Band avanciert sind und treffen auf die mirkotonalen Gitarren. Thematisch erwartet uns eine Art Cyberdystopie in der die Welt durch und durch automatisiert ist und nur noch Akkordarbeit verrichtet wird. Es folgt der Track “Minimum Brain Size” der sich vor allem musikalisch auch durch den Einsatz leichter Bongos vom Track davor unterscheidet. Fast schon in typischer King Gizzard Art wird eine allgemeine Verdummung und Verrohung der Gesellschaft angesprochen.

Überraschung liefert die Band mit dem Track “Straws in the Wind”. Zunächst wird einmal der eigentliche Sänger Stu Mackenzie durch Keyboarder und Mundharmonikaspieler Ambrose Kenny Smith ausgetauscht und weiterhin wirkt der Song deutlich verspielter, was vor allem am Einsatz einer Baglama, einer türkischen Laute liegt. Musikalisch schafft die Band somit einen schönen ruhigen Song der ein wenig im Kontrast zu den davor gehörten Tracks steht. Das Thema des Songs ist dabei wieder eines der Lieblingsthemen der Band, nämlich der Umweltschutz. Schließlich möchte doch niemand in einer Welt leben in der lauter Plastikstrohhalme durch die Luft fliegen. 

Der Song “Some Of Us” reißt einen dagegen aus der einlullenden Stimmung seines Vorgängers schockartig heraus. Der Track wirkt wieder deutlich kerniger und es werden auch ein paar kleine Disharmonien eingebaut. Ein Grund dafür könnte die deutlich verstörende dystopische Zukunftsvision sein, die sich der Song ausmalt, in der unsere Gesellschaft auf ihr Ende stößt. 

“Ontology” klingt von seiner Hook sofort nach der prototypischen Melodie wenn eine Filmszene im fernen Orient dargestellt werden soll. Gepaart wird das ganze jedoch mit einer Background-Gitarre die aus dem Funk entnommen ist und schon fast ein wenig an den Stevie Wonder Klassiker Superstition erinnert. Nach ca 2:40 scheint der Song vorbei zu sein. Allerdings drehen King Gizzard & the Lizard Wizard dann erst richtig auf und verwandeln die Orient-Hook in ein Gitarrensolo im psychedelischen Hard-Rock. Die bekannte Thematik der Gesellschaftsverdummung kommt auch hier wieder zum Tragen, in dem die Band fordert, dass man über manche Dinge erstmal nachdenken soll, bevor man Fragen zu dem Thema stellt. 

Der wohl spannenste Song des ganzen Albums kommt mit “Intrasport”. Der Song startet mit einer Art Wobble-Bass was dann von wildem Gehauche begleitet wird gefolgt von dem EInsatz eines Drumcomputers wie er in der Pop-Musik der 80er Jahre verwendet wurde. Wüsste man es nicht besser, würde man vermuten, dass gleich der Gesang von George Michael zu hören wäre. Das ganze mündet dann wieder in einer orientalischen Hook, die dann teilweise auch wieder auf Stevie Wonder artige Funk Elemente trifft. In diesem Song gehen King Gizzard & The Lizard Wizard neue Wege, die man zuvor nie von ihnen gehört hat, man ist fast schon gewillt zu sagen, dass diese Nummer auch im Club funktionieren könnte. Textlich würde das allerdings nicht so ganz passen, so scheint es in dem Lied eher um eine Art Killer zu gehen, der seinen Verstand verliert. Alles in allem aber ein Song den man so von King Gizzard nie erwarten würde und was ihn deshalb so besonders macht.

Mit den neuen Wegen ist es dann aber auch schnell wieder vorbei und im Song “Oddlife” wartet wieder ein klassischer Song der Band, der sogar etwas selbstreferenziell daherkommt und das Tourneeleben der Band beschreibt. MIt Honey wartet kurz vor dem Ende des Albums eine harmonische Liebesballade mit Coronareferenzen. Hier zeigt die Band mal wieder ihre softere Seite. Dass man das aber nicht so stehen lassen kann, beweist uns der letzte Track des Albums “The Hungry Wolf Of Fate”. Zunächst wird eine bedrohliche Bassline aufgebaut und dann taucht eine Gitarre mit so viel Verzerrer auf, dass man wirklich denkt vor einem steht ein wildes Tier, was einen gleich angreift. Zwischenzeitlich ist der Song ruhiger, aber nur um dann wieder mit den Gitarren zu schocken. Es wirkt in diesem Fall so als hätte die Band noch Material von ihrem Vorgängeralbum übrig gehabt, dass sie unbedingt noch irgendwo unterbringen wollte. 

Alles in allem nehmen uns King Gizzard & The Lizard Wizard mit auf ein wildes Album, das zunächst am meisten die Fans von “Flying Microtonal Banana” abholt und uns viele Einblicke in die orientalische mikrotonale Musik gibt. Innerhalb dieses umrahmenden Konzeptes variiert die Band und probiert sich in den unterschiedlichen Stilen die sie verfolgen aus. Dabei wird auf “K.G” dieses mal kein bestimmtes einzelnes Motto behandelt sondern das Album liefert eine Bandbreite der besten Themen der Band wie Dystopie, Umweltschutz, Gesellschaftskritik, Liebe und Selbstreferenz. Diese thematische und stilistische Vielfalt lässt das Album wie eine kleine Wundertüte erscheinen. Man weiß eben nie was man von King Gizzard & The Lizard Wizard geliefert bekommt.


Label: Caroline
Veröffentlicht am: 20.11.2020
Interpret: King Gizzard & The Lizard Wizard
Name: K.G.
Online: Zur Seite des Interpreten.


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