Japanese Breakfast – Jubilee

Rezensiert von on 6. Juni 2021

       

Was isst man eigentlich in Japan zum Frühstück, fragen wir uns, bevor wir „Jubilee“, das neue Album der Amerikanerin Michelle Zauner alias Japanese Breakfast hören. Auf dem Cover posiert sie mit einer Kaki vor dem Auge, der erste Song heißt „Paprika“. Alles irreführend, die unspektakuläre Antwort lautet: Reis.

„Die Leute ein bisschen zu verarschen“, sei das Ziel bei der Wahl ihres Pseudonyms gewesen, erklärt die Künstlerin in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Sie habe damals, neben ihrer Band „Little Big League“ (die es längst nicht mehr gibt) einfach Songs im Schlafzimmer geschrieben und sie hochgeladen. „Ich hätte mir nie ausgemalt, dass das Projekt die Zugkraft entwickelt, die es jetzt hat.“ Dass sie es im Gegensatz dazu mit ihren Songs sehr wohl ernst meint, davon zeugen ihre Songtexte, die von erschütternder Intimität sind.

Die Künstlerin, die hier an etlichen Instrumenten zu hören ist (Gitarre, Bass, Klavier, Synthesizer, Percussion und natürlich Gesang), widmete ihre ersten beiden Alben und ein sehr persönliches Buch der Trauer um ihre vor sieben Jahren verstorbenen Mutter. Jetzt ist die mittlerweile 32-Jährige zurück ins Studio gegangen, um eine Platte über die Freude aufzunehmen: „Jubilee“.

Los geht es mit dem Song Paprika: Eine Welle von Synthies bricht sich über die nächste, dann kommt der Gesang:

Lucidity came slowly / I awoke from dreams of untying a great knots

Japanese Breakfast

singt Zauner alias Japanese Breakfast fast hektisch, als habe sie viel zu sagen, als erwache sie aus einem langen Schlaf. Es scheint, als habe ihre Trauer über den Tod ihrer Mutter überwunden, jedoch nicht ihren melancholischen, präzisen Blick auf ihre Umwelt: Sie singt dabei über den Rausch, den sie als Künstlerin empfindet: Projecting your visions to strangers who feel it, who listen, who linger on every word – oh it’s a rush!

Ja, es ist durchaus ein Eilen, ein Anschwellen und Stürzen in einen sonnigpoppigen und funky Sound, den wir da hören. In Be Sweet öffnet sie der Welt ihr Herz, möchte zeigen, dass sie da ist und lässt die Welt hineinkommen, mit der Ansage: Be sweet to me baby. Dieser Lebenshunger zieht sich wie ein roter Faden durch „Jubilee“. In die Klangkaskaden von Posing In Bondage haucht Zauner Can you tell I’ve been posing this way alone for hours? Waiting for your affection mit einer solchen Anklage in der Stimme, dass man sich erst ein bisschen schlecht fühlt, dann genauer hinhört und sich schließlich mit ihr gemeinsam im Refrain verliert. Das fühlt sich wirklich gut an, wie nach der Hälfte des Songs der Beat hineinwummert, der Gesang sich im Hall auflöst und man sofort tanzen möchte.

Zum Ende des Albums geht es dann doch noch einmal um den Tod ihrer Mutter. Im Song In Hell erinnert sich Zauner an den Moment, als die Ärzt*innen das Leben der Schwerkranken enden ließen:

I cried and cried and at my signal they stopped your heart and then you died.

Japanese Breakfast

So drastisch das klingt, umso schöner ist hier der bestimmende Sound von Japanese Breakfast, der sich wieder im Echo doppelt, übereinanderlegt und schließlich mit Bläsern fast feierlich das Ende des Songs, des Albums und vielleicht auch das der Trauer Zauners um ihre Mutter einläutet. Dass Emotionen jedoch keine planbare Einheit sind, macht Michelle Zauner abschließend im Tagesspiegel Interview deutlich: „Ich denke, es wird schwerer werden als zuvor – auf eine Art und Weise, die ich nicht vorhergesehen habe.“

Es ist zuletzt ein sehr persönliches Album, ein unverstellter Blick auf ein Leben, das in Scherben liegt, und dessen Protagonistin sich aus ihrer Trauer heraus auf die Suche nach Glück und vielleicht auch Sinn begibt, wo Hoffnung mehr wert ist als Trübsal.

rezensiert von Elias Neuhaus.


Label: Dead Oceans
Veröffentlicht am: 04.06.2021
Interpret: Japanese Breakfast
Name: Jubilee
Online: Zur Seite des Interpreten.


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