Field Medic – Fade Into the Dawn

Rezensiert von am 22. April 2019

       

Es ist absolut nicht selbstverständlich, dass wir seit letztem Freitag “Fade Into the Dawn”, das neue Album von Kevin Patrick, besser bekannt als Field Medic, hören können. Der Amerikaner hat schließlich die letzten beiden Jahre als Landstreicher gelebt. Ein Leben, geprägt von Einsamkeit, Risiko und einer Menge Alkohol, wie er selbst berichtet. Kein Wunder, dass dabei nicht das fröhlichste Album entsteht – aber eines der ehrlichsten und melancholischsten Alben des Jahres.

Bereits der Opener “Used 2 be a Romantic” gibt einen Einblick in Patricks Leben auf Reisen: “I’m on the road with no one in sight / I swore that I’d quit but I need a drink tonight” – einsam und alleine mit der Flasche Alkohol um die Angst zu betäuben. Auch in der aufs minimalste reduzierten Ballade “The Bottle’s My Lover, she’s My Only Friend” wird die Alkoholabhängigkeit thematisiert. Wo Filme wie “Inside Llewyn Davis” das Leben des Musikers ohne Wohnsitz, auf den Sofas von Freunden und in den Straßen, zum Teil sehr romantisch beschreiben, klagt Patrick über die wahren Belastungen dieser Lebensweise. Immer wieder taucht das Thema Angst, aber auch das Thema Liebe auf. Patrick leidet an einer Angststörung, die er in Songs wie dem bereits erwähnten “I Used to be a Romantic” oder “Songs r Worthless Now” offen anspricht. Und auch auf die Liebe ist nicht immer Verlass. Während er in “Mood Ring Baby” verliebt den wunderschönen Liebes- und Treueschwur “You’re green, you’re purple, you’re a silver ring of moods / I love you always / I’ll carry you” abgibt, vergleicht Patrick in “Henna Tattoo” die langsam zerbrechende Liebe mit einem verblassenden Henna Tattoo.

All diese poetischen und intimen Songs wurden von Kevin Patrick LoFi aufgenommen und verbreiten mit ihrem authentischen DIY Charakter den Charme der Outsider Art der Anti-Folk Bewegung. Field Medic schwimmt dabei auf der aktuell aufkommenden DIY Welle mit und muss sich nicht hinter anderen KünstlerInnen wie (Sandy) Alex G, Fox Academy oder Told Slant verstecken. Die Musik Website uproxx.com betitelt Field Medic als “den 60er Jahre Bob Dylan für ausgebrannte Millennials”. Tatsächlich bietet “Fade Into the Dawn” großes Identifikationspotenzial für die Generation Zukunftsangst. Auch der Bob Dylan Vergleich ist nicht von weit hergeholt. Schließlich ist die Folk-Legende die größte Inspiration für Patrick.

In zwei Songs, “I Was Wrong” und “Tournament Horseshoe” übertreibt er es allerdings ein wenig mit dem 60er Spirit. Beide Songs könnten zwar gut in einem Western laufen, aber stören mit ihrem teils klischeehaften Country Charakter den folkig-melancholischen Flow des Albums.

Umso schöner macht sich die Ballade “Helps me Forget…” am Ende des Albums, die zwischen wunderschönen Landschaftsbildern und Geschichten von Angst und Einsamkeit, den Geist von “Fade Into the Dawn” nochmal in einem Song widerspiegelt und das Album abrundet.

So ist “Fade Into the Dawn” ein Album vollgepackt mit Gefühlen und poetischen Bildern – von einem Künstler, der die Songs wie Tagebucheinträge vorträgt. Ein super Soundtrack um melancholisch in den Sonnenuntergang zu starren und in der Summertime Sadness zu baden.

Rezensiert von Jan-David Wiegmann


Label: Run For Cover Records
Veröffentlicht am: 19.04.2019
Interpret: Field Medic
Name: Fade Into the Dawn
Online: Zur Seite des Interpreten.


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