El Michels Affair – Yeti Season

Written by on 31. März 2021

Wir bewegen uns aktuell mit großen Schritten auf die warme Jahreshälfte zu. Was könnte da besser unser AdW sein, als ein winterlich blau gehaltenes, mit einem Yeti auf dem Cover? Immerhin passt der Name zum Artwork, wenn es schon etwas aus der Zeit gefallen zu sein scheint: Yeti Season heißt es nämlich und es ist das neueste Album der Band El Michels Affair.

Eine Band, die nach ihrem multiinstrumentalistischen Frontmann, Leon Michels benannt und am bekanntesten für ihre Wu-Tang Clan Interpretationen ist. Die sind auch wirklich klasse, aber was kann die Band, wenn sie sich ihren eigenen Stoff sucht?

Viel. Dieses Album kann viel. Schöne Soul Klänge mit LoFi produzierten Funk Elementen zum Beispiel. Und darüber hier und da auf Hindi eingesungene Parts von Piya Malik. Die steigt direkt im ersten Song auf der Platte ein. Auf Unathi singt sie von Aufbruch und dem Kampf für Fortschritt und ich verstehe zwar die Lyrics nicht, aber jetzt wo ich das weiß, find ich den Song sehr passend als Einstieg in das Album.
Der Eindruck zieht sich ein wenig wie ein roter Faden durch das Album. Die Tracks mit der Featuregästin, die auf vier Liedern vertreten ist, sind immer wieder zwischeneingestreut und wecken mich aus der verträumten, warmen Welt, die dieses Album schafft.

Diese Welt zu erschaffen, ist wohl auch das Ziel der Band gewesen. Sollte das erst vor einem guten halben Jahr erschienene Album Adult Themes noch den Soundtrack zu einem imaginären Film darstellen, kommt das neue Album – falls ihr es euch in der Deluxe Version gönnt – mit einem 50 Seitigen, illustrierten Kinderbuch. Inspiriert vom Album. Handelt wahrscheinlich von einem Yeti, wenn ich nochmal so auf das Albumcover gucke. Die Idee ist jedenfalls übersüß und wenn ich daran denke, kann ich mir vorstellen, dass der Yeti aus dem MonsterAG Film diese Platte gerne hören würde und sich dabei ein bisschen Zitroneneis reinpfeift.

Obwohl man merkt, dass das Album definitiv einer bestimmten Marschrichtung folgt, offenbart es doch eine erstaunliche Vielseitigkeit im Kleinen. Die Tracks Last Blast oder Murkit Gem kommen beispielsweise leicht elektronisch daher, während der schwebende Sha Na Na zusammen mit The Shaks ein astreiner Funk ist und Silver Lining beginnt als typischer LoFi Hip-Hop Track, der im Verlauf als ein jazziges Abenteuer mit Bläsern und einer wilden Pianoimpro überrascht.

Yeti Season hat es geschafft, sich nicht zu überheben. In seiner Vielfältigkeit eine gewisse Kontinuität oder eine Konstanz zu finden. Einen gemeinsamen Boden auf dem die Songs fußen. Wenn ich den Finger rauflegen müsste, würde ich sagen, es ist die sehr sehr starke Leistung der Band im Studio. Man merkt es doch einfach, wenn man guten Musiker*Innen bei ihrer Arbeit zuhört.


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