clipping. – Visions Of Bodies Being Burned

Rezensiert von am 26. Oktober 2020

       

„Do you like scary movies, what’s your favorite?“ Das ist die Eingangsfrage vom Ghostface Killer im Horroklassiker Scream bevor er mit seinen Opfern auf Totentuchfühlung ging. Vermutlich haben sich der rappende Musical-Schauspieler Daveed Diggs und die beiden Produzenten Jonathan Snipes sowie William Hutson gestellt. Das vierte Studioalbum des Trios aus Los Angeles heißt „Visions of Bodies Being Burned“ und hat sich wie das Vorgängeralbum ganz und gar dem Horror-Genre verschrieben. Das Konzeptalbum vereint das Rap-Subgenre „Horrorcore“ mit Noise-Elementen. Pünktlich zu Halloween liefern clipping. also den Soundtrack zur Jahreszeit. Düstere Produktion treffen auf verstörende Sounds gepaart mit Samples aus bekannten Horrorfilmen. Wie das funktioniert? Erstaunlich gut! Schließlich stehen sie in einer Traditionen mit Vorbildern und den ganz Großen des HipHop-Games.

Zum Beispiel mit den legendären Geto Boys und direkt zu Beginn werden diese auch gewürdigt. Zuerst legt das Intro mit Hintergrundgeräuschen von vorbeifahrenden Autos los bis sie von ominösen Drums und einem Diggs unterbrochen werden der scheinbar über ein Funkgerät immer mehr am Flow-Rad dreht. Wieder ein Bruch. Störgeräusche. Anschließend beginnt der Opener Say the Name mit einem runtergepitchten Sample von den Geto Boys: “candlesticks in the dark, visions of bodies being burned” (aus My Mind Playing Tricks On Me). Die Hook ist eine Hommage an den Candyman, der auftaucht wenn man seinen Namen dreimal in einen Spiegel spricht. Bereits hier zeigen sich Diggs´ kreative Wortspiele im Horrorgewand „the hook gon’ be the last thing she remember“ heißt es hier. Eine doppelte Referenz auf den Refrain, auch Hook genannt, sowie auf die Hakenhand vom Candyman und setzt den Film gleich in eine weitere Referenz:  “swarm … raining on your college-ass disco.” Der tödliche Schwarm des Candyman´s im Zusammenspiel mit Ol´ Dirty Bastard´s Zeile aus der Hip-Hop-Hymne „Shimmy Shimmy Ya.“ 


Im folgenden Interlude hören wir zwei Frauen bei einer Seance mit einem Ouija Brett. Der beschworene Geist buchstabiert H-E-S H-E-R-E und es beginnt 96 Neve Campbell. Die ersten Feature Gäste, nämlich die rappenden Zwillinge Cam&China, bearbeiten das Motiv der letzten Überlebenden in Horrorfilmen. Prominent unter Anderem durch den Charakter „Sidney Prescott“ gespielt von Neve Campbell im 1996 erschienenen Scream. Das gesamte Album spart insgesamt nicht mit Popkulturellen Referenzen zu Horrorfilm-Klassikern und Fingerzeigen auf HipHop-Größen. Ersteres wird nicht nur durch gesprochene bzw. Gerappte Zeilen erreicht, sondern von der atmosphärischen Soundkulisse. Mal jagt einem der Klang Gänsehaut über den Rücken, mal setzt das Produzentenduo von clipping. verstörend-krachige Noise-Passagen. Quasi das akustische Äquivalent zum Video aus „The Ring.“ Songs wie Somethings Underneath schwanken zwischen ruhigen und absolut markerschüttenden Momenten passend zum Bild von Zombie-Horden auf die hier Bezug genommen wird. Daveed Diggs´ Flow und sprachliche Expertise fügen sich perfekt in den Sound von Snipes und Hutson ein, sodass im Vergleich der Gastauftritt von Ho99o9 auf Looking Like Meat fast schon uninspiriert wirkt und das obwohl diese sich in ihrer Paradedisziplin befinden. 

Das Album ist definitiv nichts für schwache Nerven. Abgesehen von dem Horror-Konzept, dass sich durch „Visions Of Bodies Being Burned“ zieht, sind die noisigen Elemente bisweilen anstrengend sogar verstörend. clipping. verlangen dem Hörer einiges ab, aber genau das erwartet man von einem guten Horrorfilm und so auch von einem gutem Horroralbum. Die Arbeit, die mit dem Hören von „Visions Of Bodies Being Burned, verbunden ist lohnt sich allemal. Nicht nur für HipHop- und Horrorfans, sondern alle die auf besonders kreative Musik und Konzeptalben stehen. 


Label: Sub Pop Records
Veröffentlicht am: 23.10.2020
Interpret: clipping.
Name: Visions Of Bodies Being Burned
Online: Zur Seite des Interpreten.


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